Außenminister auf Ukraine-Besuch: Während Wadephul in Kyjiw unterwegs ist, beschießt Russland einen Vorort

Während des Aufenthalts von Bundesaußenminister Johann Wadephul in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw hat Russland den Vorort Boryspil mit ballistischen Raketen angegriffen. 

Via X und Telegram wurden Videos veröffentlicht, die eine große Rauchsäule in der Region zeigen sollen. Demnach seien eine Tankstelle und ein Lkw in Brand geraten. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben bislang nicht.

Mitteilungen der ukrainischen Luftwaffe zufolge sind dabei mindestens drei Raketen eingesetzt worden. Boryspil mit dem seit Kriegsbeginn geschlossenen internationalen Flughafen liegt nur knapp 30 Kilometer östlich der Dreimillionenstadt. Luftalarm galt auch für Kyjiw.

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Wadephul reiste mit Sonderzug in die Ukraine

Außenminister Wadephul war kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine in Kyjiw eingetroffen, um dem Land die anhaltende Unterstützung Deutschlands im Abwehrkampf gegen Russland zu versichern. „Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir unterstützen sie. Sie wird diese militärische Auseinandersetzung gewinnen“, sagte der CDU-Politiker nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kyjiw. 

German Foreign Minister Johann Wadephul walks at the Independence Square after visiting a makeshift memorial for fallen Ukrainian defenders, amid Russia's attack on Ukraine, in Kyiv, Ukraine August 22, 2026. REUTERS/Valentyn Ogirenko

Außenminister Wadephul wird bei seinem Ukraine-Besuch in Kyjiw von Personenschützern begleitet.

© REUTERS/Valentyn Ogirenko

Er verwies darauf, dass die Ukraine in den Sommermonaten „auf das Härteste“ von Russland angegriffen wurde. Wadephul warf Moskau „wahllosen Mord an Zivilisten“ sowie gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur vor. Juli und August seien für die ukrainische Zivilbevölkerung die tödlichsten Monate seit mehr als vier Jahren gewesen. „Nie vorher feuerte Russland mehr Raketen auf sein Nachbarland ab“, sagte Wadephul. „Wir sehen das Leiden, wir sehen, wie dieses Land kämpft und wir werden dieses Land weiter unterstützen.“

Der Außenminister sicherte der Ukraine auch schon mit Blick auf den Winter, in dem verstärkte Angriffe auf die Energieinfrastruktur erwartet werden, weitere Hilfe zu. Kein Land investiert so viel in die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine wie Deutschland. Die Bundesregierung hofft darauf, dass Russland durch militärischen Druck zu Verhandlungen bewegt wird. Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges sind zuletzt ins Stocken geraten.

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„Dass die Ukraine mit internationaler Unterstützung den längeren Atem hat und dass eine Fortführung des Krieges Russland nur weiter in den wirtschaftlichen Ruin führt, wird immer mehr Menschen in Russland klar“, sagte der Außenminister. „Die immer wirrere Propaganda und immer totalitärere Unterdrückung im Inneren sind auch ein Zeichen der Schwäche des Regimes.“ 

Außenminister Wadephul zum vierten Mal in der Ukraine

Wadephul ist zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt vor 16 Monaten in dem Land. Der Besuch wurde aus Sicherheitsgründen wie üblich nicht öffentlich angekündigt. Auch sein Programm in Kyjiw wird nicht bekannt gegeben. Im Mittelpunkt werden aber Gespräche mit der ukrainischen Führung stehen. 

Am kommenden Montag vor 35 Jahren hat die Ukraine die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangt. Um den Jahrestag herum finden Feierlichkeiten vor allem in der Hauptstadt Kyjiw statt. (dpa, Tsp)