Luftalarm in Kiew bei Wadephul-Besuch: Außenminister wirft Russland „wahllosen Mord an Zivilisten“ vor

Stand: 22.08.2026, 18:53 Uhr

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Außenminister Wadephul ist zu Gast in Kiew. Während seines Besuchs nimmt Putins Armee die Hauptstadt ins Visier und sorgt für Luftalarm.

Kiew – Inmitten anhaltender russischer Angriffe auf die Ukraine hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Kiew besucht und Moskau „wahllosen Mord an Zivilisten“ vorgeworfen. Der Ukraine sagte er bei dem Besuch am Samstag weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu. Mit US-Außenminister Marco Rubio wolle er zudem über zusätzliche Luftverteidigung für die Ukraine beraten.

Außenminister Wadephul besucht die Ukraine

Nach seiner Ankunft in Kiew sendet der Minister erste Botschaften auch an Moskau. © Michael Fischer/dpa

Wadephul besucht Kiew: Gespräche mit Selenskyj über Luftabwehr

In einer zu seiner Ankunft in Kiew veröffentlichten Erklärung warf Wadephul Russland „wahllosen Mord an Zivilisten“ vor und verwies auf die anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine. Moskaus Ziel sei es, „die Lebensgrundlagen zu zerstören und damit den Durchhaltewillen der Menschen zu brechen“.

Während Wadephuls Besuch gingen Angriffe der russischen Armee weiter. Der CDU-Politiker nahm gerade mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an einem Veteranentreffen in der Kiewer Innenstadt teil, als dort Luftalarm ausgelöst wurde. Bei dem Treffen ging es um die Luftverteidigung und die Vorbereitungen auf den bevorstehenden Winter. Wadephul war wenige Stunden nach dem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih in Kiew eingetroffen, bei dem nach Behördenangaben am Freitag mindestens 16 Menschen getötet und 120 weitere verletzt worden waren. Vier Menschen wurden am Samstag noch vermisst.

Wadephul wirft Russland „Mord an Zivilisten“ vor – Luftalarm in Kiew

Russland tue „alles, um abermals den Winter als Waffe einzusetzen“, sagte Wadephul ferner bei einer Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha. Deutschland werde die Ukraine deshalb bei der Vorbereitung auf den kommenden Winter unterstützen.

Die zusätzlichen 50 Millionen Euro an deutschen Hilfsmitteln gehen laut Wadephul an UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die besonders Menschen in den Frontgebieten unterstützen. Das Geld solle etwa dafür verwendet werden, Wohnungen instandzusetzen sowie mobile Sanitäranlagen und Heizgeräte bereitzustellen. Weitere zehn Millionen Euro zahlt Deutschland demnach in einen NATO‑Fonds ein, mit dem unter anderem Energieversorgung, Sanitätsmaterial und Anlagen zur Drohnenabwehr finanziert würden.

„Es ist nicht genug“: Wadephul ruft nach mehr Luftabwehr für die Ukraine

Besonders dringlich sei weiterhin die Luftverteidigung, sagte Wadephul. Angesichts der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern werde deutlich: „Es ist nicht genug.“ Er führe Gespräche mit europäischen und außereuropäischen Partnern über zusätzliche Systeme. „Das ist noch lange keine Zusage, aber ich bin zuversichtlich, dass wir etwas erreichen können.“

Anfang der Woche wolle er mit US-Außenminister Rubio sprechen, kündigte Wadephul an. Er setze darauf, „dass die USA weiter bereit sind, eine aktive Rolle hier auch zu spielen in den Verhandlungen mit der Ukraine.“ Zugleich müssten alle Möglichkeiten für Gespräche ausgeschöpft werden. „Ich glaube, wir brauchen die Bereitschaft dazu, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Wir müssen auf allen Wegen versuchen, Gespräche zu initiieren“, sagte Wadephul. „Das scheitert derzeit an Moskau.“

Auch der ukrainische Chefdiplomat Sybiha forderte verstärkte diplomatische Bemühungen. „Leider liegen sie derzeit auf Eis. Wir brauchen eine aktivere Beteiligung der amerikanischen Seite“, sagte Sybiha. Beide Minister berieten nach eigenen Aussagen außerdem über neue Sanktionen gegen Russland. Sybiha sprach von einem Paket spezieller Maßnahmen, mit denen Russlands Möglichkeiten zur Produktion ballistischer Raketen möglichst stark eingeschränkt werden sollten. Wadephul begrüßte den Vorschlag der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, weitere Sanktionen vorzubereiten. Mit der Erweiterung der Sanktionslisten wolle die EU „ganz gezielt und im großen Stil Putins Kriegsmaschinerie bekämpfen“. (Quellen: Tagesspiegel, dpa) (bb)