Nur 8 von 358 Kinderehen in Baden-Württemberg aufgehoben

Publiziert12. Oktober 2026, 14:20

Baden-Württemberg (D)Mädchen ist erst 12, Mann 28: 358 Kinderehen werden publik

In Baden-Württemberg sind seit 2012 lediglich acht Kinderehen rechtskräftig aufgehoben worden. 350 weitere Fälle wurden ohne gerichtliche Aufhebung abgeschlossen. Darunter sind auch Ehen mit zwölfjährigen Mädchen.

Florian Osterwalder

Darum gehts

  • In Baden-Württemberg wurden seit 2012 nur 8 von 358 erfassten Kinderehen rechtskräftig aufgehoben.
  • Die restlichen 350 Fälle schloss das Regierungspräsidium Tübingen unter «sonstige Erledigungen» ab – ohne gerichtliche Aufhebung.
  • Darunter sind auch Ehen mit zwölfjährigen Mädchen, etwa jene einer Zwölfjährigen mit einem 28-jährigen Syrer aus dem Jahr 2022.

Insgesamt 358 Kinderehen hat das Regierungspräsidium Tübingen erfasst, das in Baden-Württemberg für solche Fälle zuständig ist. Nur in acht davon wurde die Ehe rechtskräftig aufgehoben. Die restlichen 350 Fälle wurden unter der Kategorie «sonstige Erledigungen» abgeschlossen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Nikolaos Boutakoglou und Emely Knorr hervor, wie Welt.de berichtet.

Die acht rechtskräftigen Aufhebungen stammen aus den Jahren 2018 bis 2024. Bereits 2018 wurde die Ehe einer 14-jährigen Afghanin mit einem 30-jährigen Afghanen für aufgehoben erklärt. 2020 folgte die Ehe eines elfjährigen irakischen Mädchens mit einem 17-jährigen irakischen Jungen. Zuletzt wurden 2024 zwei Ehen aufgehoben: jene einer 16-jährigen Deutschen mit einem 25-jährigen Pakistani sowie jene einer 16-jährigen Syrerin mit einem 27-jährigen Syrer.

Was hinter «sonstige Erledigungen» steckt

Weitaus grösser ist die Zahl der Fälle ohne gerichtliche Aufhebung. Das Regierungspräsidium führt 350 Vorgänge aus den Jahren 2015 bis 2026 als «sonstige Erledigungen». Als mögliche Gründe nennt die Landesregierung den Tod eines Ehepartners oder das Erreichen der Volljährigkeit. Ebenfalls möglich: Es wurde von einer Aufhebung abgesehen, oder das Paar hat im Ausland erneut geheiratet.

Diese Rechte gelten in der Schweiz

In der Schweiz dürfen nur volljährige Personen heiraten: Das Ehefähigkeitsalter liegt für beide Geschlechter bei 18 Jahren. Eine Ehe muss auf dem freien Willen beider Personen beruhen. Jede Person kann ihren Partner oder ihre Partnerin unabhängig vom Geschlecht selbst wählen; Zwangsehen sind nicht zulässig. Frauen und Männer haben in der Ehe die gleichen Rechte und sind in allen Fragen gleichberechtigt.

Eheleute schulden sich Treue, Beistand und Respekt. Sie entscheiden gemeinsam über die Aufgabenteilung, den Unterhalt der Familie und die Betreuung der Kinder. Gewalt – körperlich, psychisch oder sexuell – ist in Ehe und Familie verboten und kann strafbar sein. Wer seine ehelichen Pflichten verletzt, kann gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden. Beide Ehepartner haben zudem das Recht, eine Scheidung zu verlangen.

Quelle: Bundesamt für Justiz BJ

Auch unter diesen Fällen sind Ehen mit sehr jungen Mädchen dokumentiert. Für 2020 nennt die Landesregierung die Ehe eines zwölfjährigen afghanischen Mädchens mit einem 18-jährigen Mann. 2022 ist eine Ehe zwischen einer zwölfjährigen Syrerin und einem 28-jährigen Syrer aufgeführt, 2023 jene einer zwölfjährigen Afghanin mit einem 21-jährigen Afghanen. Zudem finden sich in den Tabellen mehrere Fälle mit 13- und 14-jährigen Mädchen.

Keine laufenden Verfahren

Zum Zeitpunkt der Antwort waren laut Innenministerium keine Verfahren zur Aufhebung von Kinderehen hängig. In welchen Ländern die Ehen geschlossen wurden, weiss die Landesregierung nicht. Das Regierungspräsidium erhebt nach eigenen Angaben nur Daten, die für Aufhebungsverfahren relevant sind, vor allem Alter und Staatsangehörigkeit der Ehepartner zum Zeitpunkt der Heirat.

Die Antwort der Landesregierung wurde am 1. Oktober 2026 im Einvernehmen mit dem Kultus- und dem Sozialministerium erstellt und am 7. Oktober veröffentlicht.

Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert

Florian Osterwalder

Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.

Deine Meinung zählt

Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert