Mainuferfest trotz Verkehrschaos: Frankfurter Stadtteil ist „Sackgasse"
Stand: 13.07.2026, 21:00 Uhr
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Der Vereinsring hat zum Mainuferfest in Frankfurt-Griesheim geladen. Die Vorsitzende konfrontierte OB Mike Josef mit der Verkehrslage.
Griesheim – Pfadfinder wissen, wie man überlebt – und sie demonstrierten es auf dem Griesheimer Mainuferfest des Vereinsrings am Samstag. Für das Kochen im „Dutch Oven“ benötigt man relativ wenig Kohle. Die packt man unter und auf den gusseisernen Topf, wodurch er zum Backofen wird. So lassen sich mit einfachsten Mitteln Speisen zubereiten. Ein Wink auch für den Fall, dass die Griesheimer tatsächlich nicht mehr aus ihrem Stadtteil herauskommen sollten: Die desolate Verkehrslage war natürlich Thema.
„Wir sind so ziemlich am Ende, was den Verkehr angeht. Einen Stadtteil, der aktuell eine Sackgasse ist, kann man verkehrstechnisch nicht einfach plattmachen“, sagte Vereinsringsvorsitzende Ursula Schmidt zu Oberbürgermeister Mike Josef in großer Runde, denn Schmidt hatte um 14 Uhr alle auf dem Festplatz an der Stroofstraße zum Gesprächskreis um den OB herum zusammengerufen. Sie appellierte, all das möge schneller und anders gehen. Zum Baustellen-Chaos sagte Josef nichts, warb aber für die Rechenzentren, die in Griesheim entstehen – nur das brauchte er gar nicht. Ursula Schmidt: „Das ist gut für uns.“ Wie auch die Flächenentwicklung auf dem 77 Hektar großen Industriepark-Gelände an der Stroofstraße.
Baustellen-Chaos und Verkehrsproblem in Frankfurt-Griesheim
Beim Rundgang übers Fest erfuhr Josef vieles. Etwa, dass die 170 Jahre alte Turnerschaft ihr Jubiläumsfest wegen eines Legionellen-Problems auf voraussichtlich November verschieben musste – ein Problem, das den Verein einen fünfstelligen Betrag kosten wird und zu dem es keinen Zuschuss gibt. Josef erfuhr weiterhin, dass den Pfadfindern bei einem Einbruchdiebstahl zwei seltene Segeljollen gestohlen wurden – sie sammeln Spenden für die Neuanschaffung. Die Initiative „Es ist zu laut“ legte dar, wie laut es erst werden wird, wenn die Autobahn ausgebaut wird.
Der Geschichtsverein, die Angler, die SPD, das DRK, der 24-Stunden-Lauf, der VdK, der Rechenzentrum-Betreiber CyrusOne und viele andere stellten sich dar. Die Griesheimer Feuerwehr hatte eine Berieselung aufgebaut, in der Kinder tobten, nachdem sie den Bobby-Car-Parcours gemeistert hatten. Interessant ist die „4-hoch-m“-Kiste, die im Zuge eines Schulkunstprojektes des Künstlers Nikolaus A. Nessler entstanden ist: Eine Box so groß wie eine Telefonzelle, in der es Spiel-, Sportgeräte gibt, die man aufklappen und um die man auf Hockern herumsitzen kann. „Jugendliche brauchen Orte, an denen sie sein können“, erklärte Nessler. Solche Boxen möchte der Künstler aufgestellt wissen. OB Josef übernahm am Samstag spontan die Schirmherrschaft dafür.

Den ganzen Tag über wuchs die Brücke, die Nessler als „Brücke im Geiste“ baute. Vor drei Jahren, als die Omegabrücke abgerissen wurde, hatte er das Motto „Die Brücke sind wir“ verbreitet. Aus Bett-Lattenrosten – „die stehen hier in Griesheim ja überall rum“, so Nessler – sollte das Kunstobjekt entstehen. Die Festbesucher durften sie bunt anmalen und mit Wünschen versehen: „Auf zu neuen Ufern“ war da zu lesen oder auch „Kunst ist Hoffnung“. Mitbauen durften die Griesheimer dann allerdings leider nicht; Nessler schraubte selbst: „Ich hätte eine Veranstaltungsversicherung für 400 Euro abschließen müssen“, erklärte er die Einschränkung. Ja, auch die bürokratischen Hürden, die es immer schwieriger machen, Dinge umzusetzen und Ehrenamtler verdrießen, waren Thema bei dem Fest. Nur Lärmprobleme gibt es auf dem Gelände nicht, das BEOS zur Verfügung stellte. So durfte die Griesheimer Band „Was’n“ mit Werner Littau, Martin Schilling, Andreas Ballas, Jörg Wintermeier, Mathias Jacob, Alexander Heck und Katja Lippert bis 23 Uhr spielen und kam mit Rock und Pop-Covern bestens an.
Einen Tag lang wurde am Griesheimer Mainufer das gelebt, was Nessler mit „Die Brücke sind wir“ ausdrücken will: „Es ist wichtig, dass wir miteinander reden. Das ist entscheidend für unser Überleben. Die Separierung und Vereinzelung ist anstrengend.“ Er hofft, dass seine Brücke stehenbleiben wird und weitergebaut werden kann, denn: „Was die Realität uns nicht gibt, muss die Kunst erbringen. Kunst ist Hoffnung. Und nicht nur Hoffnung: Sie ist der erste Schritt zur Verwirklichung von Hoffnung.“ Bis der Ersatz für die Omegabrücke Realität wird, wird es noch eine ganze Weile dauern. Aber wie steht es auf einer Lattenroststrebe: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.