Man City mit erstem Auftritt seit dem Schuldspruch

Virgil van Dijk (l.) und Ruben Dias (r.)

Auswärtsspiel in Liverpool Man City mit erstem Auftritt seit dem Schuldspruch

Stand: 09.10.2026 • 14:11 Uhr

Manchester City steht vor dem ersten Spiel nach dem Schuldspruch wegen Betrugs bei den Finanzregeln der Premier League. Das Thema prägt die Diskussionen vor dem Spiel beim FC Liverpool.

Chaled Nahar

115 - diese Zahl ist in Bezug auf die Zahl der erhobenen Vorwürfe zum Synonym für den mutmaßlichen Sportbetrug von Manchester City geworden. Luftballons, die sonst an Geburtstagen genutzt wurden, bildeten bei Fans des FC Liverpool im Dezember 2024 die Zahl, mit der gegnerische Fans daran erinnern, was gegen den Klub aus Manchester im Raum steht.

Liverpool-Fans bilden mit Ballons eine 115 in Bezug auf die Zahl der Vorwürfe gegen Manchester City.

Die 115 dürfte auch am Sonntag eine Rolle spielen, wenn City beim FC Liverpool spielt. Denn vor dem Spiel am Sonntag (17.30 Uhr/Live-Ticker bei sportschau.de) ist die Empörung über den Finanzskandal weiterhin groß.

Sunderlands Trainer fordert Liga auf, "unerbittlich" zu sein

Eine unabhängige Kommission der Premier League hatte festgestellt, dass zwischen 2009 und 2018 rund 900 Millionen Pfund - also etwa eine Milliarde Euro - entgegen der Regeln in den Klub geflossen seien. Dieses Geld konnte der Klub im Gegensatz zur Konkurrenz auf dem Transfermarkt nutzen und in dieser Dekade eine der besten Mannschaften zusammenstellen. Auf dieser Zeit baute auch der weitere Erfolg des Klubs mit zahlreichen englischen Meisterschaften und dem Gewinn der Champions League 2023 auf.

Und so ist der Schuldspruch nicht nur Thema in Manchester und Liverpool - sondern in der ganzen Premier League. Sunderlands Trainer Regis Le Bris forderte die Premier League auf, bei der Durchsetzung ihrer Regeln "unerbittlich" zu sein. "Die zuständigen Behörden müssen konsequent vorgehen, sonst verliert der Wettbewerb seinen Wert", sagte Le Bris.

Sunderlands Trainer Regis Le Bris

Man City droht ein Dauerthema zu werden

Das Tempo bei der Entscheidung über Manchester Citys Einspruch gegen die Entscheidung ist ebenfalls ein Thema. Wird City, aktuell Tabellenführer, vielleicht englischer Meister, während als Sanktionen Punktabzüge und sogar ein Zwangsabstieg im Raum stehen? Noch immer bestreitet der Klub alle Vorwürfe.

"Ich wünsche mir nur, dass es schnell geht", sagte Oliver Glasner, Trainer von Nottingham Forest. "Es ist ein Schaden für die Premier League entstanden, nicht nur in England. Es ist ein großes Thema weltweit, insbesondere in Europa. Die Integrität der Liga ist das Wichtigste. Wenn Fans darauf nicht mehr vertrauen können, werden sie nicht mehr zusehen." Die Befürchtung ist klar: Die Premier League bekommt ein Dauerthema.

Nottinghams Trainer Oliver Glasner

In Deutschland äußerte sich Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany, der in der fraglichen Zeit Kapitän der Mannschaft war. "Was wir auf dem Platz geleistet haben. Dieses Gefühl, das wir hatten, in diesen elf Jahren - da steh ich total hinter, was wir gemacht haben als Spielergruppe", sagte er. "Alles andere" sei für ihn weit entfernt.

Ermittlungen von Steuerbehörden könnten mehr Ärger bedeuten

Manchesters Trainer Enzo Maresca versuchte, das Thema herunterzuspielen. "Ich persönlich bin ehrlich gesagt ganz gelassen", sagte er. "Der Klub hat sich sehr klar geäußert. Wir vertrauen dem Klub voll und ganz. Wir verstehen zwar das ganze Gerede drumherum, aber wir konzentrieren uns nur auf das, was wir selbst beeinflussen können. Und beeinflussen können wir eben nur den sportlichen Aspekt."

Erling Haaland sagte in einer Klubmitteilung, er glaube, dass die Fans eine gute Zeit in Liverpool haben werden. "Wir müssen zusammenhalten. Wir müssen füreinander da sein und positiv bleiben." Doch es drohen weitere Konsequenzen. Die Financial Times berichtet, die britische Steuerbehörde ermittle gegen City. Dabei gehe es um die Frage, ob der Klub komplexe Konstrukte zur Steuervermeidung nutzte.

Erling Haaland

Liverpool verpasste 2014 den Titel hinter City

Gerade in Sachen Liverpool spielt der Finanzskandal aber eine größere Rolle. Denn Liverpool ist einer der Klubs, die sich maßgeblich betrogen fühlen dürften, wenn der Schuldspruch Bestand hat. 2014 wurde Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp Tabellenzweiter hinter City, das genau in dieser Zeit sein Finanzdoping betrieben haben soll.

Manchester Citys Kapitän Vincent Kompany (v./mit Trophäe) stemmt 2014 die Premier-League-Trophäe in die Höhe

Möglichen Sicherheitsbedenken entgegnete die Polizei mit der Ankündigung eines "angemessenen Polizeieinsatzplans". Die Partien beider Teams in Liverpool verliefen in den letzten Jahren ohne Zwischenfälle.