Manche haben ihr Team in weniger als einem Jahr mehr als halbiert“: Was KI gerade mit der Arbeitswelt macht

Stand: 14.10.2026, 08:21 Uhr

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Roboterhand.

Die neue KI-Technologie verändert die moderne Arbeitswelt. (Symbolbild) © Christian Ohde/Imago

KI produziert Filme, schreibt Code, führt Unternehmen – und vernichtet Jobs in Rekordtempo. Was das für Arbeit, Gesellschaft und Demokratie bedeutet.

Ich bin gerade von einer Woche mit Gesprächen mit Unternehmen, Unternehmern und Risikokapitalgebern im Silicon Valley zurückgekehrt. Von dort aus betrachtet springt eine Erkenntnis ins Auge: Bei den nächsten Wahlen in Italien, Spanien, Frankreich, den Vereinigten Staaten oder Deutschland müsste es um Bilder wie das folgende gehen.

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Dieser Artikel von Federico Fubini entstand in Kooperation mit Corriere della Sera

Was hat das mit den politischen Entscheidungen der westlichen Demokratien zu tun? Das Bild stammt aus einem Film, der gerade entsteht und in der ersten Hälfte des Jahres 2027 erscheinen soll (Foto oben). Er basiert auf Gustave Flauberts Roman Salammbô und erzählt die Geschichte einer Vestalin in Karthago während der Punischen Kriege. Produziert wird er von „Monelli Studio“, einer französischen Filmgesellschaft, die der Italiener Stefano Landi gegründet hat.

Landi, der weiterhin zwischen Paris und San Francisco pendelt, war zuvor ein führender Manager von Amazon Web Services im Silicon Valley und hat dessen Lektionen verinnerlicht: Salammbô wird vollständig mithilfe künstlicher Intelligenz produziert. Keine der Szenen, keiner der Schauspieler hat je anders als in algorithmischer Form existiert. Die Herstellung könnte 1/50 oder 1/100 dessen kosten, was nötig wäre, um einen Film mit solchen Szenen tatsächlich zu drehen: die Flotte der 20.000 Söldner, die Rom im Ersten Punischen Krieg besiegt hat und die nun nach Karthago zurückkehren, um ihren Sold einzufordern.

Neue Möglichkeiten für die Kreativität

Künstliche Intelligenz hält mit beispielloser Geschwindigkeit Einzug in sämtliche produktiven Tätigkeiten: von den Künsten über Software und die vielen verschiedenen Ebenen der Unternehmensführung bis zur Planung in Industrie und Landwirtschaft. Nur sehr wenige Bereiche sind bisher davon verschont geblieben, und es werden immer weniger. Es bleibt daher zu verstehen, welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Gesellschaft haben könnte, auf die Machtverhältnisse zwischen den Generationen und zwischen verschiedenen Gruppen von Arbeitnehmern.

Landi, den ich in Kalifornien kennengelernt habe, legt Wert darauf, dass der Einzug künstlicher Intelligenz in die Filmproduktion die Kreativität nicht zwangsläufig beeinträchtigt. Das Gegenteil sei der Fall, sagt er: „Das Talent des Einzelnen bleibt nicht nur notwendig, um mit den neuen Werkzeugen ein Werk zu schaffen. Es kommt vielmehr immer stärker zur Geltung, weil die physischen Grenzen dessen wegfallen, was sich inszenieren lässt.“ Die einzige Einschränkung betrifft die Verfügbarkeit von Vorlagen aus der realen Welt oder aus bereits bestehenden audiovisuellen Produktionen.

Diese Vorlagen sind unverzichtbar, um die Algorithmen darauf zu trainieren, neue Bilder zu erzeugen. Ohne diese Datengrundlage hat die Software weder die Fantasie noch die Bezugspunkte, aus denen sie die imaginäre Welt ihrer Figuren und Kulissen erschaffen könnte. Im Übrigen ist es bereits sehr wahrscheinlich, dass viele scheinbar „reale“ audiovisuelle fiktionale Produktionen dieser Jahre in Wirklichkeit hybride Erzeugnisse sind, die mit KI ergänzt wurden, ohne dass man es den Zuschauern sagt.

Wer die Daten hat, gewinnt

Deshalb bieten einige berühmte Hollywood-Schauspieler schon heute den Produzenten von KI-Filmen ihre Dienste an. In manchen Fällen verlangten sie vier Millionen Dollar allein dafür, Bilder ihres Gesichts und ihrer Bewegungen für eine Datenbank zur Verfügung zu stellen. Mit dieser wird anschließend der Algorithmus trainiert, der das virtuelle Alter Ego des Schauspielers für einen neuen Film erzeugen soll. Auch hier gewinnt also, wer die Daten hat. Und wer die Daten hat, ist auch hier China.

Weil die Volksrepublik keine Demokratie ist und weder geistiges Eigentum noch die Privatsphäre schützt, können ihre Unternehmen ungestört mit Millionen Stunden Filmmaterial und einer unüberschaubaren Zahl von Aufnahmen realer Gesichter, die auf irgendwelchen Wegen entstanden sind, digital trainieren. Dort sind die weltweit größten Anbieter von Vorlagen für KI-Filme entstanden. Ein Konzern wie Byte Dance, die Muttergesellschaft von TikTok, hat einen Ableger namens Sea Dance, der auch für westliche Produzenten Vorlagen und rein digitale Filme erzeugt.

In China ist der Boom so heftig, dass er allmählich die Regierung nervös macht. In den ersten acht Monaten des Jahres wurden bereits 430.000 „Duanju“ algorithmisch produziert – nur wenige Minuten lange TV-Mikroserien zur Verbreitung in sozialen Medien –, 13-mal so viele wie im Vorjahr. Je häufiger sie angesehen werden, desto besser können die Algorithmen erkennen, welche Handlungen und Figuren die einzelnen Zuschauer fesseln, und desto mehr können sie diese maßgeschneiderten Geschichten fortsetzen. Stefano Landi von „Monelli Studio“ erwartet als nächsten Schritt KI-Filme mit Handlungen, die sich nach den Vorlieben richten, die einzelne Zuschauer während des Ansehens auf den Plattformen äußern. Einige Studios in Kalifornien erproben das bereits.

Weniger Zugangshürden, weniger Arbeitsplätze

Denken Sie einen Moment darüber nach, ohne vorschnell zu urteilen und ohne den instinktiven Konservatismus von uns Italienern. Welche Folgen kann eine solche Filmproduktion haben? Zunächst baut sie Hürden ab. Talent und Leistung können leichter zum Vorschein kommen. Es spielt keine Rolle, wo man ist: Mit wenigen Tausend Euro an Guthaben für ein KI-Modell und einer ordentlichen Internetverbindung kann heute jeder einen guten Film produzieren. Man muss keine Geldgeber in Hollywood oder anderswo finden.

Man braucht nur künstlerische Inspiration und technisches Können. Doch gerade der digitale Zugang macht dieses Können überall allen zugänglich – zumindest theoretisch. Beim jüngsten „World AI Film Festival“ in Cannes im Mai räumte ein junger, unbekannter jordanischer Ingenieur zahlreiche Preise ab: Ibrahim Diab hatte von zu Hause aus ein kleines Meisterwerk über Migranten im Mittelmeer produziert. Die andere Folge ist allerdings, dass wesentlich weniger Menschen gebraucht werden: weniger Schauspieler, Kameraleute, Tontechniker, Beleuchter, Maskenbildner und Kostümbildner; weniger Schauspieler, weniger Synchronsprecher. Schon jetzt werden deutlich weniger gebraucht.

Allein im vergangenen Jahr hat die Branche „Filmproduktion und Tonaufnahmen“ in den Vereinigten Staaten 5,8 % ihrer Beschäftigten verloren: ein Einbruch um mehr als 20.000 Arbeitsplätze. Seit dem Debüt der generativen künstlichen Intelligenz im Jahr 2022 beträgt der Rückgang insgesamt 30 %. Hinzu kommt ein weiterer Faktor aus China, der das Bild noch komplizierter macht. Schauen Sie sich das Foto unten an. Ich habe es neulich abends im Zentrum von San Francisco aufgenommen.

Chinesische Konkurrenz setzt amerikanische KI-Konzerne unter Druck

Kimi, genauer gesagt Kimi K3, ist ein KI-Modell der technologischen Spitzenklasse des chinesischen Unternehmens Moonshot. Es wirbt hier, im Herzen des Silicon Valley, direkt vor der Nase der amerikanischen KI-Tycoons für sich und verspricht sogar: „Du gibst 70 % weniger aus“ (oben rechts im Foto) als bei deren Preisen. Die neueste Version von Kimi wurde erst vor wenigen Tagen veröffentlicht und scheint sogar leistungsfähiger zu sein als das derzeit fortschrittlichste amerikanische Modell, Claude Fable 5.1 von Anthropic.

Fest steht, dass Anthropic, das Unternehmen von Dario Amodei, seinen Kunden umgehend mitgeteilt hat, sie könnten von nun an keinerlei KI-Vorgänge mehr auf ihren eigenen Computern ausführen: Sie müssten sämtliche Daten in die Rechenzentren von Anthropic übertragen. Das ist nicht nur ein Zeichen dafür, dass diese Kundendaten einen wirtschaftlichen Wert haben, den Amodei inzwischen bis zum letzten Tropfen abschöpfen will. Es ist ein Symptom tiefer Verunsicherung der amerikanischen Spitzenunternehmen angesichts der chinesischen Herausforderung mit niedrigen Kosten und offenbar hoher Effizienz.

Über dieses Problem habe ich vergangenen Monat geschrieben: Die amerikanischen KI-Konzerne sind finanziell gefährlich exponiert und fürchten, dass die Konkurrenz aus der Volksrepublik ihre Kalkulationen über den Haufen wirft. Doch auch die Auswirkungen ihrer Investitionen auf die Arbeitswelt müssen betrachtet werden. Dabei stehen wir mit der künstlichen Intelligenz, wie Sie unten sehen, möglicherweise vor einem Investitionszyklus, wie es ihn in der Geschichte der technologischen Revolutionen noch nie gegeben hat.

Gigantische Investitionen schaffen kaum dauerhafte Stellen

Hier stütze ich mich auf eine Analyse des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman. Er stellt fest, dass die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz aus Rechenzentren besteht, die nach ihrer Fertigstellung jeweils 50 oder vielleicht 100 Menschen beschäftigen. Es handelt sich um sehr lange Reihen hochautomatisierter Server. Ein Rechenzentrum ist aber auch eine gewaltige Anlage mit durchschnittlichen Kosten von 41 Milliarden Dollar. Bis 2032 sollen in Amerika 183 solcher Anlagen gebaut werden, für insgesamt 7.500 Milliarden Dollar zu heutigen Preisen.

Normalerweise würden derart gewaltige Investitionen in anderen Bereichen – Fabriken, Einkaufszentren, Strom- oder Verkehrsinfrastruktur – unmittelbar mehrere Millionen Arbeitsplätze schaffen. Nach Krugmans Einschätzung etwa zehn Millionen. Investitionen in KI-Rechenzentren würden hingegen weniger als 20.000 direkte Arbeitsplätze schaffen, während andere Investitionen gerade wegen der enormen finanziellen Belastung der amerikanischen Wirtschaft durch die neue Technologie unterbleiben. Im Wesentlichen würde es nach der derzeitigen Bauphase der Rechenzentren keine neue Welle der Arbeitsplatzschaffung für Arbeiter oder geringer Qualifizierte geben. Im Gegenteil.

Weniger Personal, höhere Leistung

Ich weiß nicht, ob Krugmans Prognose zutrifft. Ich weiß, was ich in Gesprächen mit einigen Unternehmern und Managern in San Francisco mit eigenen Ohren gehört habe. Manche möchten nicht zitiert werden, andere schon. Ich sprach beispielsweise mit Paolo Privitera, der aus Venedig stammt und einen postgradualen Managementabschluss am Massachusetts Institute of Technology in Boston erworben hat. Er ist Investor und Serienunternehmer und hat bereits vier Unternehmen gegründet und anschließend erfolgreich verkauft.

Heute ist Privitera Gründer und Chef von Events.com, einem Unternehmen, das Präsenzveranstaltungen weltweit betreut. Darüber, wie künstliche Intelligenz und ihre maßgeschneiderten digitalen Agenten die Arbeitsorganisation verändern, sagte er mir: „In den Unternehmen, die ich hier als Gründer und Investor begleite, sehe ich immer dasselbe Muster: Zunächst denkt man daran, die Belegschaft um 30 % zu verkleinern. Während man sie dann reduziert, steigt die Leistung, und die Kosten sinken. Manche haben ihr Team in weniger als einem Jahr mehr als halbiert.“

Für die Auslese sorgen gerade die Guthaben, mit denen Agenten auf Basis von Anthropics Claude-Modellen oder von OpenAIs ChatGPT betrieben werden. Privitera sagte mir: „Die KI-Werkzeuge werden allen Beschäftigten zur Verfügung gestellt, praktisch ohne Budgetgrenzen. Und es gibt Unternehmen, die für jede Funktion eine Mindestnutzungsquote festlegen: Wer die KI nicht mindestens in diesem Umfang nutzt, scheidet aus dem Unternehmen aus. Das ist keine Strafe: Wer sie nicht nutzt, hält mit denen, die sie nutzen, nicht Schritt. Das klingt brutal, aber das ist die Realität, in der wir leben.“

KI-Agenten übernehmen immer mehr Aufgaben

Und weiter: „Man arbeitet mit Dutzenden KI-Agenten, die nach Bereichen aufgeteilt sind, als wären sie Mitarbeiter. Die Personalabteilung wird zur Brücke zwischen den Menschen und den Agenten: Sie schreibt die Regeln dafür, was ein Agent tun darf.“ Privitera wendet diese Disziplin auch in seinem Privatleben auf sich selbst an. „Ich selbst hatte drei Assistenten: Eine Assistentin habe ich in Teilzeit behalten“, erklärt er. „Heute arbeiten rund 20 KI-Agenten für mich, mit unterschiedlichen Aufgaben sowohl im Unternehmen als auch in der Familie. Es ist unglaublich, wie viel mehr ich leiste, wie viel Zeit sie mir sparen und wie viel Stress sie mir abnehmen.“

Im Silicon Valley entstehen Unternehmen mit Dutzenden oder Hunderten KI-Agenten und einer Handvoll Beschäftigten. Screenpipe.com, das hilft, Computerfunktionen zu automatisieren, hat seinen Umsatz in kurzer Zeit mit nur zwei Beschäftigten von 60.000 Dollar auf 1,5 Millionen Dollar gesteigert und plant keineswegs, weitere einzustellen. Der Traum von San Francisco im Jahr 2026 ist ein Unternehmen mit Millionenumsätzen und nur einem Beschäftigten. Und dieser Traum rückt näher. Ein durchschnittliches Unternehmen in den Vereinigten Staaten oder Italien erzielt rund 250.000 Euro oder Dollar Umsatz pro Beschäftigtem.

Anthropic hingegen kommt auf neun Millionen Dollar pro Beschäftigtem, OpenAI auf 5,6 Millionen. Nicht etwa, weil beide finanziell glänzend dastünden – OpenAI läuft Gefahr, seine gesamten liquiden Mittel innerhalb von neun Monaten zu verbrennen –, sondern weil beide um ihre oberste Führungsebene herum organisiert sind, mit sehr wenigen Untergebenen. Vielleicht sind es schlicht Systeme, die darauf ausgelegt sind, Geld nach oben zu saugen, an die Spitze der Pyramide. Derweil erledigen die KI-Agenten fast alles.

Junge Beschäftigte trifft der Wandel zuerst

So lässt sich die Grafik oben verstehen, die der Stanford-Innovationsökonom Erik Brynjolfsson mit zwei Kollegen erstellt hat. Vor allem unter den Jüngeren und in den Berufen, die der künstlichen Intelligenz am stärksten ausgesetzt sind, bricht die Beschäftigung in Amerika bereits ein. Bei den 22- bis 25-Jährigen in den am leichtesten automatisierbaren Berufen liegt die Zahl der besetzten Arbeitsplätze schon 19 % unter dem Wert, der sich bei einer Entwicklung entsprechend dem Durchschnitt des Arbeitsmarktes ergeben hätte.

Dieser Teil der Auswirkungen kann auch Italien unmittelbar und als Erstes erreichen: Man entlässt niemanden, stellt aber nicht mehr ein und überträgt die Arbeit einer KI. In diesem neuen System gewinnen die Motivierten, die Hochgebildeten, diejenigen, die bereit sind, sich jeden Monat erneut weiterzubilden und viele Stunden mit höchster Konzentration zu arbeiten. Der Forscher Luca Vendraminelli, der in Stanford mit Brynjolfsson arbeitet, sagte mir: „Künstliche Intelligenz erfordert besser ausgebildete Menschen, nicht schlechter ausgebildete.“

Wer kauft die Produkte, wenn die Arbeit verschwindet

Doch niemand scheint sich die einfachste Frage zu stellen, denn nicht alle Arbeitnehmer sind so. Viele sehen in der Arbeit – durchaus zu Recht – weder Selbstverwirklichung noch den Mittelpunkt ihres Lebens. Sie sind nicht bereit, ihr ein übermäßiges Maß an Energie zu widmen. Und sie laufen Gefahr, als Nächste verdrängt zu werden. Heute überlegen in San Francisco alle fieberhaft, wie sie ihre Abläufe optimieren, Kosten senken, mehr KI-Agenten einsetzen und mehr Beschäftigte aus Fleisch und Blut hinausdrängen können.

Alle streben nach maximaler individueller Effizienz mit Blick auf den nächsten Börsengang an der Wall Street. Würden sie aber den Kopf heben und versuchen, von der Spitze eines der Wolkenkratzer an der Bucht einen Blick auf das Panorama zu werfen, könnten sie sich die nächste Frage stellen: Wer wird ihre Produkte kaufen, wer wird das gesellschaftliche Gleichgewicht erhalten, wer wird sie vor dem nächsten populistischen Aufstand schützen, wenn sie um sich herum eine Wüste geschaffen und sie „Produktivität“ genannt haben?