Roberto Mancini und Claudio Ranieri kehren zurück: Hoffnung für Italiens Fußball

Nun soll der Neuanfang also mit bewährten statt mit neuen Kräften gelingen. Das Tandem von Roberto Mancini (61 Jahre alt) als „Commissario tecnico“ (Trainer) und Claudio Ranieri (74) als „Direttore tecnico“ (Sportdirektor) soll die Squadra Azzurra aus dem Jammertal führen. Mancini war schon von 2018 bis 2023 Fußball-Nationaltrainer, gewann mit Italien überraschend die Europameisterschaft 2021, ehe er den Verlockungen des Geldes in die arabische Wüste folgte.

Ranieri ist der Grandseigneur unter Italiens Fußballlehrern. Er hat in seiner eindrucksvollen Laufbahn die halbe Serie A trainiert. Er führte in den Profiligen Italiens, Englands, Frankreichs und Spaniens Klubs aus der zweiten Reihe zu Meisterschaften und Pokalsiegen. In Griechenland war er Nationaltrainer.

Ob nach den jüngsten Chaostagen nun Ruhe und womöglich Aufbruchstimmung einkehren wird in den italienischen Fußballverband FIGC sowie vor allem in den Nationalkader, muss sich zeigen. Die erste Feuerprobe steht am 25. September an, im Auftaktspiel der UEFA Nations League 2026/27 gegen die Belgier im Olympiastadion zu Rom.

Genau betrachtet haben der FIGC und die Squadra Azzurra nicht Chaostage, sondern Chaosmonate hinter sich. Das Elend begann Ende März in der zentralbosnischen Stahlstadt Zenica. Beim Play-off-Spiel der Qualifikation für die WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA unterlag Italien Bosnien-Hercegovina im Elfmeterschießen. Zum dritten Mal in Folge hatte der vierfache Weltmeister die WM-Endrunde verpasst, nach 2018 in Russland und 2022 in Qatar.

Guardiola und Ancelotti sagen ab

Nationaltrainer Gennaro Gattuso (48) trat kurz darauf zurück. Auch der Präsident des FIGC, Gabriele Gravina, gab sein Amt auf. Zu dessen Nachfolger wurde im Juni der Sportmanager Giovanni Malagò gewählt. Der hatte sich von 2013 bis 2025 als Chef des Nationalen Olympischen Komitees bestens bewährt: Italiens Athleten sammelten bei Sommer- wie Winterspielen Medaillen in Rekordmenge. Malagò war der amtierende Beweis dafür, dass nicht der Spitzensport insgesamt in Italien in der Krise steckte, sondern bloß der italienische Profifußball.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Malagò die richtige Wahl ist, um den FIGC und den italienischen Fußball in sicheres Fahrwasser und schließlich zurück zum Erfolg zu führen. Die Suche nach einem neuen Nationaltrainer hat Malagò aber gründlich vermasselt. Zuerst versuchte er, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti, jeweils Trainer von Weltformat, zu gewinnen. Beide sagten aber ab. Guardiola habe zu viel Geld verlangt, Ancelotti seinen soeben verlängerten Vertrag als Brasiliens Nationalcoach nicht auflösen wollen, heißt es.

Hat schon die halbe Serie A trainiert: Claudio Ranieri
Hat schon die halbe Serie A trainiert: Claudio Ranieridpa

Dann fragten Malagò und der frisch von ihm berufene Technische Direktor Paolo Maldini bei Andrea Pirlo (47) an. Pirlo hat als Mittelfeldgenie eine ganze Spielergeneration geprägt und die Squadra Azzurra 2006 zum Weltmeistertitel geführt. Auf der Bank ist er bisher aber weit weniger erfolgreich, als er es auf dem Rasen war.

Dass Pirlo, der Wunschkandidat Maldinis, den Job dann doch nicht bekam, dürfte die Politik (mit)entschieden haben. Als globaler Markenbotschafter des russischen Sportwetten-Portals Fonbet, offizieller Sponsor der Fußball-Nationalmannschaft Russlands, schien Pirlo nicht haltbar. Eigentümer der Wettplattform ist der milliardenschwere russische Oligarch Sergej Lomakin, bei dessen Klub United FC in Dubai Pirlo seit Juli 2025 als Trainer in Lohn und Brot steht.

Wurde bei Mancini ein Auge zugedrückt?

Die Frage, ob es politisch opportun ist, ausgerechnet einem rückkehrbereiten „Exilanten“ mit zweifelhaftem Arbeitgeber den wichtigsten Job im italienischen Fußball anzubieten, könnte man freilich auch bei Mancini stellen. Nach gut einem Jahr in Riad kehrte Mancini Saudi-Arabien den Rücken und heuerte im November 2025 in Qatar beim Klub Al-Sadd in Doha an. Bei dem Emirat handelt es sich bekanntlich um eine absolutistische Monarchie, die islamistische Organisationen wie die Muslimbrüder und Terrorgruppen wie die palästinensische Hamas unterstützt und finanziert.

Viel spricht dafür, dass man im FIGC und auch im Sportministerium bei der Personalie Mancini – anders als im Fall Pirlo – das politische Auge zudrückte. Denn anders als der unerfahrene Pirlo kann Mancini zahlreiche Erfolge als Trainer vorweisen. Und Mancini vermochte seine spielerische Dynamik als technisch versierter Stürmer auch als Trainer mit verschiedenen Teams auf den Rasen zu bringen – namentlich mit der Squadra Azzurra, die bei der EM 2021 das italienische und das europäische Publikum gleichermaßen verzückte. Das Duo Mancini-Ranieri könnte zur Erfolgsformel für Italiens Fußball werden. Wenn man ihm Zeit gibt, bis mindestens zur WM 2030.