Sainte-Croix: 72-Jähriger stirbt nach Angriff – 14-Jähriger soll Schule terrorisiert haben
Publiziert28. August 2026, 07:29
Sainte-Croix VDMann (72) stirbt: Verhafteter (14) hat Gewalt-Vorgeschichte
Ein 72-Jähriger stirbt mutmasslich nach einem Schlag eines 14-Jährigen. Nun zeigen Recherchen, dass der Jugendliche schon zuvor mit Gewalt aufgefallen sein soll.


Darum gehts
- Ein 14-Jähriger soll in Sainte-Croix den 72-jährigen Rentner «Tchotcho» nach einem Streit niedergeschlagen haben – der Mann starb Wochen später an seinen Verletzungen.
- Die Familie traf am vergangenen Samstag die Entscheidung, die lebenserhaltenden Massnahmen abzuschalten.
- Der Jugendliche soll bereits zuvor am Collège de la Poste durch Gewalt und Mobbing aufgefallen sein.
Der Tod eines 72-jährigen Rentners erschüttert die Waadtländer Gemeinde Sainte-Croix. Ende Juli wurde der Mann bei einer Auseinandersetzung mutmasslich von einem 14-Jährigen niedergeschlagen. Er stürzte zu Boden und verlor das Bewusstsein. Am vergangenen Wochenende ist er verstorben. Recherchen von 20 Minuten zeigen nun, dass der Jugendliche bereits zuvor durch Gewalt und Mobbing an seiner Schule aufgefallen sein soll.
Am Abend des 28. Juli war der 72-Jährige, der von seinen Freunden «Tchotcho» genannt wurde, mit seiner Frau und einem Freund zum Geburtstagessen in einem Restaurant gewesen. Anschliessend gingen die beiden Männer noch auf ein Getränk ins Lokal El Latino nahe dem Bahnhof von Sainte-Croix. Seine Frau fuhr nach Hause.
Vor dem Lokal kam es später zu einer verbalen Auseinandersetzung mit einer Gruppe Jugendlicher. Diese sollen mit einem Auto Lärm verursacht haben. Der Streit eskalierte, der 14-Jährige soll den Rentner geschlagen haben. Dieser stürzte schwer zu Boden und verlor das Bewusstsein.
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Familie liess lebenserhaltende Geräte abschalten
Der 72-Jährige wurde ins Lausanner Universitätsspital CHUV gebracht und künstlich beatmet. Sein Zustand blieb kritisch. Am vergangenen Samstag traf seine Familie schliesslich die schwierige Entscheidung, die lebenserhaltenden Massnahmen einzustellen.
Besonders tragisch ist, was sich während seiner letzten Tage ereignete: Während der Rentner in Lebensgefahr schwebte, kam eines seiner Enkelkinder zur Welt. Gleichzeitig starb einer seiner Hunde, an dem er sehr hing. Der Verstorbene hatte früher beim Energieversorgungsunternehmen Romande Energie gearbeitet. Freunde beschreiben ihn als sportlichen und lebensfrohen Mann, der Motorräder, Skifahren, Wandern und den Hundesport Canicross liebte.
Ein langjähriger Freund erinnert sich an gemeinsame Reisen nach Lappland. Auf den Familienzuwachs habe sich der 72-Jährige besonders gefreut.

Jugendliche mussten bei der Polizei aussagen
Zwei Jugendliche, die sich zum Zeitpunkt der Tat vor dem Lokal befanden, wurden nach eigenen Angaben von der Polizei vorgeladen. Sie seien auf Aufnahmen einer Überwachungskamera zu sehen gewesen und hätten die Auseinandersetzung beobachtet.
Nach ihrer Befragung hätten die Ermittler sie angewiesen, nicht über das Gesehene zu sprechen. Die Familie des Verstorbenen möchte sich derzeit ebenfalls nicht öffentlich äussern. Auch der Betreiber des Lokals und eine Mitarbeiterin lehnten eine Stellungnahme ab.
In den sozialen Medien löste der Tod des Mannes heftige Reaktionen aus. Unter anderem werden die Ausschaffung des französischen Jugendlichen sowie eine harte Bestrafung gefordert. Andere rufen dazu auf, auf Drohungen und Selbstjustiz zu verzichten und die Ermittlungen abzuwarten.
14-Jähriger soll an Schule für Angst gesorgt haben
Derweil wirft die Vorgeschichte Fragen zum Jugendlichen auf. Der 14-Jährige besuchte das Collège de la Poste in Sainte-Croix und soll dort bereits durch Gewalt und Mobbing aufgefallen sein.
Ein ehemaliger Mitschüler sagt, der Jugendliche habe an der Schule «Terror verbreitet». Er selbst habe versucht, ihm aus dem Weg zu gehen, um keine Probleme mit ihm zu bekommen.
Mehrere Schüler berichten von einem besonders schweren Vorfall während des Schuljahres 2024/2025. Der nun Tatverdächtige soll einen Mitschüler auf einer Schultoilette gewürgt haben. Das Opfer sei zusammengebrochen. Nach Angaben ehemaliger Mitschüler wurde er anschliessend von der Schule ausgeschlossen und in einem Heim untergebracht.
Familien sollen aus Angst schweigen
Damit sollen die Probleme allerdings nicht aufgehört haben. Schüler werfen dem Jugendlichen vor, andere Kinder schikaniert und erniedrigt zu haben.
Die Mutter eines Schülers berichtet zudem, dass Freunde des Jugendlichen Familien bedroht hätten, wenn diese sich gegen das Verhalten gewehrt hätten. Einige betroffene Familien hätten deshalb bis heute Angst, öffentlich darüber zu sprechen.
Eine ehemalige Mitschülerin sagte gegenüber 20 Minuten, der Jugendliche habe zuvor mit seiner Mutter in Frankreich gelebt, bevor beide in die Schweiz gezogen seien. Der 14-Jährige ist französischer Staatsbürger.

Jugendstrafrecht soll genauen Ablauf klären
Der Jugendliche war nach der mutmasslichen Tat in Untersuchungshaft genommen worden. Auch weitere an der Auseinandersetzung beteiligte Personen wurden identifiziert und befragt.
Die Strafuntersuchung läuft unter der Leitung des Jugendgerichts. Dieses soll insbesondere klären, wie die Auseinandersetzung genau ablief und welche strafrechtliche Verantwortung den Beteiligten zukommt.
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Hier findest du Hilfe:
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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
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