Mann verschweigt Sozialversicherung den Tod seiner Mutter - und baut sich damit Vermögen auf

Mann verschweigt Versicherung den Tod der Mutter – und baut mit 230.000 Euro seine Firma auf

Stand: 07.08.2026, 07:35 Uhr

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Die Mutter ist seit zehn Jahren tot. Trotzdem fließt ihre Rente weiter. Ihr Sohn soll mit dem Geld sogar ein eigenes Unternehmen finanziert haben.

Treviso – Zehn Jahre lang soll ein Unternehmer in Italien die Rente seiner verstorbenen Mutter bezogen haben. Mehr als 230.000 Euro landeten demnach auf einem gemeinsamen Konto. Einen Teil des Geldes soll der heute 50-Jährige in eine eigene Firma gesteckt haben.

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Dieser Artikel von Nicola Rotari entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Hinweis: Der Artikel wurde mit neuen Angaben zum Ermittlungsstand aktualisiert (Stand: 6. August 2026).

Die Mutter war bereits seit mehr als einem Jahrzehnt tot. Weil ihr Tod dem italienischen Sozialversicherungsträger INPS offenbar nicht bekannt war, liefen die monatlichen Zahlungen weiter. Die italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza kam dem Fall schließlich bei der Überprüfung verdächtiger Kontobewegungen auf die Spur.

Geteiltes Bild mit einem Fahrzeug der italienischen Finanzpolizei in Mailand und 100-Euro-Banknoten mit Euro-Symbol.

Ein Fahrzeug der italienischen Finanzpolizei Guardia di Finanza in Mailand im Januar 2026 (links) und 100-Euro-Scheine mit Euro-Symbol (rechts). Ein Unternehmer aus der Provinz Treviso soll mehr als 230.000 Euro Rente seiner verstorbenen Mutter kassiert haben. © Foto links: Marco Bertorello/AFP | Foto rechts: Kirill Kudryavtsev/AFP

Zehn Jahre Rentenbetrug in Italien: Sohn kassiert mehr als 230.000 Euro

Die Rente wurde nach Angaben der Ermittler auf ein Konto überwiesen, das der Mann gemeinsam mit seiner Mutter geführt hatte. Der 50-Jährige soll nach ihrem Tod weiter auf die Zahlungen zugegriffen haben. Insgesamt geht es laut Guardia di Finanza um mehr als 230.000 Euro.

Ein Teil des Geldes floss demnach nicht nur in private Ausgaben. Der Mann soll die rechtswidrig erhaltenen Zahlungen auch genutzt haben, um ein Unternehmen aufzubauen und laufende Kosten zu begleichen. Mehrere Berichte nennen eine Firma im Einzelhandel mit Sportbekleidung und Zahlungen an Lieferanten.

Verdächtige Kontobewegungen führen Ermittler zu dem Mann

Aufgefallen war der Fall im Zuge von Kontrollen zur Bekämpfung von Geldwäsche. Ermittler der italienischen Finanzpolizei Guardia di Finanza bemerkten dabei ungewöhnliche Transaktionen und untersuchten die Bankverbindungen des Unternehmers genauer. So stießen sie auf das Gemeinschaftskonto mit der längst verstorbenen Mutter.

Die Finanzpolizei rekonstruierte anschließend die Zahlungen und die weitere Verwendung des Geldes. Nach Darstellung der Ermittler soll der Mann versucht haben, die Herkunft der Mittel durch ihre Verwendung im Unternehmen zu verschleiern. Darauf stützt sich der Verdacht der Selbstgeldwäsche.

Ermittler werfen Unternehmer Selbstgeldwäsche vor

Dem 50-Jährigen werden nach den bisherigen Berichten Unterschlagung beziehungsweise rechtswidrige Aneignung und Selbstgeldwäsche vorgeworfen. Die Guardia di Finanza meldete den Fall der Staatsanwaltschaft in Treviso. Eine rechtskräftige Verurteilung liegt bislang nicht vor.

Die Ermittlungsbehörden wollen die zu Unrecht erhaltenen Beträge sichern. Die Staatsanwaltschaft prüft deshalb Maßnahmen zur Beschlagnahme von Vermögenswerten in entsprechender Höhe. Einzelne italienische Medien berichten zusätzlich von möglichen Sanktionen, wobei die bislang veröffentlichten Summen voneinander abweichen.

Warum erfuhr die Rentenversicherung nichts vom Tod?

Noch ist offen, weshalb der Tod der Frau offenbar über Jahre nicht an den Rentenversicherungsträger übermittelt wurde. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte eine fehlerhafte Kommunikation zwischen der zuständigen Gemeinde und der INPS die weiteren Zahlungen ermöglicht haben. Ob darüber hinaus andere Verantwortliche beteiligt waren, ist bislang nicht geklärt.

„Es ist bislang nicht festgestellt worden, wie er die Rente seiner Mutter weiter beziehen konnte“, sagte Ivan Mach di Palmstein von der Guardia di Finanza laut Corriere della Sera. Ein technisches Problem könne nicht ausgeschlossen werden. Normalerweise übermittelten unter anderem Krankenhäuser oder Bestattungsunternehmen die notwendigen Angaben.

Rentenbetrug: Welche Strafen drohen in Italien und Deutschland?

Möglicher VorwurfItalienDeutschland
Aneignung der weitergezahlten RenteRechtswidrige Aneignung: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren sowie Geldstrafe. Die frühere Mindeststrafe von zwei Jahren wurde 2024 für verfassungswidrig erklärt.Je nach Tatablauf Betrug mit bis zu fünf Jahren Haft oder Geldstrafe. Ohne nachweisbare Täuschung kann stattdessen Unterschlagung mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe infrage kommen.
Besonders schwerer BetrugItalien kennt hierfür keinen unmittelbar vergleichbaren eigenen Strafrahmen wie Deutschland. Erschwerungsgründe können das Strafmaß innerhalb des gesetzlichen Rahmens erhöhen oder Zuschläge auslösen.Bei etwa gewerbsmäßigem Handeln oder einem Vermögensverlust großen Ausmaßes: sechs Monate bis zehn Jahre Haft.
Verwendung des Geldes in einem UnternehmenBei gezielter Verschleierung der Herkunft kann Selbstgeldwäsche vorliegen: grundsätzlich zwei bis acht Jahre Haft sowie 5.000 bis 25.000 Euro Geldstrafe.Geldwäsche nach Paragraf 261 StGB ist grundsätzlich möglich. Bei selbst erlangtem Geld hängt die Strafbarkeit jedoch stark von zusätzlichen Verschleierungshandlungen ab.
Rückzahlung und BeschlagnahmeZu Unrecht gezahlte Beträge können zurückgefordert und Vermögenswerte bis zur entsprechenden Höhe beschlagnahmt beziehungsweise eingezogen werden.Neben der Rückforderung können Taterträge oder Vermögenswerte in entsprechender Höhe eingezogen werden.
Tatsächliches StrafmaßAbhängig von Tatnachweis, Schadenshöhe, Vorsatz, Dauer, Vorstrafen, Geständnis und Schadenswiedergutmachung.Abhängig von Tatbestand, Schadenshöhe, Dauer, möglicher Gewerbsmäßigkeit, Vorstrafen, Geständnis und Rückzahlung.

Hinweis: Die Tabelle bietet nur eine allgemeine journalistische Einordnung und keine verbindliche Rechtsberatung oder Strafprognose. Welche Tatbestände erfüllt sind und welche Strafe im konkreten Fall droht, entscheiden die zuständigen Ermittlungsbehörden und Gerichte. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

230.000 Euro Mutter-Rente unterschlagen: Behörde prüft mögliche Fehler bei der Todesmeldung

Allein aus dem Ausbleiben einer Mitteilung des Sohnes lässt sich die Verantwortung für den Meldefehler nicht eindeutig ableiten. Nach der italienischen Rechtsprechung müssen Angehörige einen Todesfall grundsätzlich dem Standesamt melden. Die Weitergabe an andere Behörden erfolgt anschließend über die zuständigen Stellen. Unabhängig davon bleibt die Verwendung irrtümlich weitergezahlter Renten strafrechtlich relevant.

Die Staatsanwaltschaft kann nun weitere Ermittlungen anordnen, um den Weg der unterbliebenen Todesmeldung zu rekonstruieren. Dabei geht es auch um die Frage, ob ein technischer Fehler, eine behördliche Unterlassung oder eine andere Lücke im Meldesystem vorlag. Für den beschuldigten Unternehmer gilt bis zu einer möglichen rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.