10,25 Prozent mehr Lohn für männliche KI-Assistenten: Gleiche Leistung schützt nicht vor Vorurteilen

Männlich codierte KI-Assistenten bekommen mehr Geld – obwohl sie gleich viel leisten

Stand: 12.10.2026, 14:22 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Symbolbild Künstliche Intelligenz

Männlich wahrgenommene KI-Agenten erhielten für vollständig identische Aufgaben im Durchschnitt 10,25 Prozent mehr Lohn als ihre weiblich wahrgenommenen Gegenstücke. (Symbolbild) © Matthias Bein/dpa

Eine Studie zeigt, wie unbewusste gesellschaftliche Vorurteile und Diskriminierungsmuster nahtlos in die Welt der künstlichen Intelligenz übertragen werden.

Limerick – Eine aktuelle Studie der Universität Limerick untersucht anhaltende Geschlechtervorurteile bei der Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz (KI), die traditionelle Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt widerspiegeln. Die Forschenden stellten fest, dass KI-Agenten, die als männlich oder weiblich wahrgenommen wurden, in einer virtuellen Arbeitsumgebung systematisch unterschiedlich behandelt wurden. Männlich wahrgenommene KI-Agenten erhielten für vollständig identische Aufgaben im Durchschnitt 10,25 Prozent mehr Lohn als ihre weiblich wahrgenommenen Gegenstücke, wie Futurism berichtet.

Unbewusste Vorurteile beeinflussen das Handeln

Die Studie umfasste 189 Teilnehmende, die Aufgaben gemeinsam mit KI-Assistenten bearbeiteten, die entweder männliche oder weibliche Merkmale aufwiesen. Obwohl beide Assistententypen auf denselben Algorithmen basierten, erhielten die männlich repräsentierten Assistenten nicht nur eine höhere Vergütung, sondern wurden von den Teilnehmenden auch als „menschlicher“ wahrgenommen.

Interessanterweise gaben viele Befragte anschließend an, dass das Geschlecht der KI ihre Entscheidungen nicht beeinflusst habe und sie keinen menschlich wirkenden Assistenten bevorzugten. Trotz dieser Selbstauskunft zeigten ihr tatsächliches Verhalten und ihre Handlungen jedoch eine tief verwurzelte, unbewusste Voreingenommenheit, wie Open The Magazine kommentiert.

Diskriminierung durch Algorithmen bei Bewerbungsverfahren

Geschlechterstereotype beeinflussen nicht nur individuelle menschliche Interaktionen, sondern wirken sich auch direkt auf automatisierte Entscheidungssysteme aus. Eine von TechnoSports zitierte Studie zeigt, dass autonome KI-Agenten geschlechtsspezifische Lohnunterschiede in simulierten Einstellungsprozessen eigenständig reproduzieren.

In 10.000 Simulationen erhielten männlich kodierte Agenten durchschnittlich um 4 Prozent höhere Gehaltsangebote als weiblich kodierte Agenten. Dieser Unterschied bestand selbst dann, wenn die KI-Modelle angewiesen waren, Kandidatinnen und Kandidaten ausschließlich anhand ihrer objektiv gemessenen Leistung zu bewerten. Die Forschenden stellten fest, dass geschlechtsspezifische Rollenbilder die Verhandlungsdynamik beeinflussen: Männlich kodierte Agenten verhielten sich durchsetzungsfähiger und erzielten dadurch höhere Angebote. Dieses Muster spiegelt die tatsächlichen Trends auf dem Arbeitsmarkt eins zu eins wider.

Forderung nach strengen Verpflichtungen und Audits

Diese Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Geschlechtervorurteile bei der Entwicklung von KI-Systemen gezielt zu bekämpfen. Da KI-Technologien zunehmend in unternehmerische Entscheidungsprozesse integriert werden, besteht die Gefahr, dass diese Voreingenommenheiten Lohngerechtigkeit und Chancengleichheit am Arbeitsplatz nachhaltig beeinträchtigen. Die Forschenden fordern daher verbindliche Auditverfahren für Unternehmen und Regulierungsbehörden, um Disparitäten frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren. (Redaktion)