Viktoria Köln: Marian Wilhelm - der Trainer, der von unten kam

Es ist eine Entwicklung, die so nicht vorherzusehen war. "In meinem ersten Jahr habe ich mit meiner U19 auf einem Ascheplatz trainiert, im Winter bei Platzsperre sogar teilweise auf dem Vereins-Parkplatz. Heute haben wir ein vielbeachtetes NLZ und sind in der Szene für viele ambitionierte Spieler als hervorragendes Sprungbrett in die höheren Sphären des Profifußballs bekannt", findet Wilhelm.

Ins kalte Wasser geworfen

Man muss das einordnen: Spätestens seit der Verein seinen potenten Hauptsponsor verloren hat, bewegt sich die Viktoria in Sachen Saison-Etat in der Dritten Liga auf einem Abstiegsrang. Was auch bedeutet: Regelmäßig muss man die besten Spieler an potentere Vereine abgeben und diese Verluste mit der Entwicklung junger Leute auffangen. Im Saisonverlauf 2025/26 hieß dies: Insgesamt mussten 20 neue Spieler in die 1. Mannschaft integriert werden. Es hieß auch: Diese Leute mussten die "Viktoria-DNA" verinnerlichen.

Wilhelm spricht von offensiver "Viktoria-DNA"

Denn Wilhelm hat eine Spielidee, die bei seinem Team quasi unverhandelbar ist. "Wir spielen mutig und offensiv. Davon bin ich absolut überzeugt. Und entsprechend dieser Spielweise, die schon in unseren Jugendteams konsequent verfolgt wird, suchen wir auch die Spieler für’s Team aus", erklärt Wilhelm.

Heißt: Wer bei der Viktoria spielt, muss lauf- und zweikampfstark sein, körperlich absolut auf der Höhe und er muss Offensive mögen. "Die 3. Liga ist schwierig und gefährlich, aber wir haben uns grundsätzlich auf eine offensive Spielweise geeinigt. Bei uns soll Fußball auch Spaß machen. Den Bus vor dem eigenen Tor parken - das wird es bei uns nicht geben", sagt Wilhelm.

Es soll noch höher gehen

Der Trainer geht bei dieser Sache selbstbewusst voran und hat selbst ambitionierte Ziele. Er sagt: "Natürlich bin ich ehrgeizig und möchte auch mal ausloten, wie weit es für mich noch ligamäßig nach oben gehen kann. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn es die Viktoria wird, mit der ich den nächsten Karriereschritt verwirklichen kann."  

Zweite Liga als nächstes Ziel? "Warum nicht?", fragt Wilhelm rhetorisch zurück. Wobei ihm die Realität der Dritten Liga mit all ihren Unwägbarkeiten genau bewusst ist. "Unser Ziel diese Saison: So schnell wie möglich 45 Punkte holen, um nicht in Abstiegsgefahr zu geraten." Realismus und Bodenständigkeit - nicht das Schlechteste, um sich nach oben zu arbeiten.

Unsere Quellen:

  • WDR-Autoreninterview mit Marian Wilhelm am 19.08.2026

Sendung: WDR.de, Marian Wilhelm - Von der U15 bis nach ganz oben, 20.08.2026, 15:00 Uhr