Marine will vier neue Fregatten trotz Streit um F126
Stand: 13.10.2026, 14:17 Uhr
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Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat vier MEKO-A-200-Fregatten freigegeben. Verteidigungsminister Pistorius setzt auf erprobtes Schiffsdesign. Doch da ist noch die Rechnung für die gescheiterte F126.
Es eilt. Am 8. Oktober hat der Haushaltsausschuss des Bundestages die Anschaffung von vier weiteren Fregatten Typ MEKO A-200 DEU bei Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) gebilligt; die ersten vier hatte er bereits im Juli freigegeben. Die Marine erhält so acht baugleiche Schiffe für die U-Boot-Jagd in nördlichen Gewässern. Die Bauverträge für die F128 genannten Fregatten summieren sich auf rund 11,6 Milliarden Euro: 6,3 Milliarden für die erste Bestellung einschließlich der Anpassung an deutsche Anforderungen, 5,3 Milliarden für die zweite.
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TKMS meldete damit den größten Überwasserauftrag der Firmengeschichte. Aber: Der Beschluss fiel trotz einer offenen Vergaberüge der niederländischen Werft Damen und gegen den angekündigten Widerstand von drei der vier zuständigen Berichterstatter. Damit scheint weiterer Ärger um die Beschaffungssaga garantiert. Denn die Damen-Werft, die den Auftrag zur Entwicklung der Fregatte F126 hatte, gedacht als eine der wichtigsten neuen Schiffsklassen der Deutschen Marine, wurde im Frühsommer praktisch vor die Tür gesetzt. Doch der Reihe nach.

Eine Fähigkeitslücke, die seit Jahren wächst
Deutschland hat der NATO zugesagt, ab 2028 durchgehend vier Fregatten für die U-Boot-Jagd zu stellen, in Nord- und Ostsee, im Atlantik und im Hohen Norden. Diese Aufgabe tragen heute die vier Fregatten der Brandenburg-Klasse F123 – die jüngste davon ist seit immerhin 1996 im Dienst. Ersetzen sollte sie ursprünglich die F126, das größte Beschaffungsvorhaben der Marinegeschichte. 2020 erhielt Damen nach einer erstmals europaweiten Ausschreibung den Zuschlag; das erste Schiff sollte Mitte 2028 kommen.
Stattdessen häuften sich Verzögerungen, vor allem bei der Integration von IT und Software. Trotzdem zog der Bund noch im Juni 2024 die Option auf zwei weitere Schiffe. Ein Wechsel der Generalunternehmerschaft zur inzwischen zu Rheinmetall gehörenden Lürssen-Werft NVL wurde geprüft und verworfen.
Im Juni 2026 dann zog Verteidigungsminister Boris Pistorius die Reißleine: Eine Fortführung des von Verzögerungen geplagten Projekts hätte nach Angaben des Ministeriums über 18 Milliarden Euro gekostet statt der ursprünglich rund zehn. Rund 2,3 Milliarden Euro waren bereits ausgegeben, fertig wurde natürlich kein einziges Schiff.
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Ein Schiff, das es schon gibt: Serie statt Sonderanfertigung
Pistorius setzt nun auf ein Schiff, das es schon gibt. Und es soll schneller gehen. Die MEKO-Familie wird seit Jahrzehnten für Seestreitkräfte weltweit gebaut, die A-200 hat TKMS zum Beispiel an Südafrika, Algerien und Ägypten geliefert. Die bisherigen Etappen stützen das Tempo-Argument: Vorvertrag Ende Januar, Sektionsbau seit Februar, Kiellegung im Mai. Die erste Fregatte soll im Dezember 2029 übergeben werden, danach alle neun Monate eine weitere.
Auch der Preis spricht für die MEKO: rund 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro je Schiff, gegenüber etwa drei Milliarden bei der F126. Acht baugleiche Einheiten erleichtern zudem Ausbildung, Wartung und Ersatzteilversorgung, argumentiert die Bundeswehr.
Drei Einwände allerdings bleiben:
Erstens schließt sich die Lücke nicht 2028, wie gefordert. Die vierte MEKO wäre beim angekündigten Takt rechnerisch erst 2032 im Dienst, die achte um 2035. Bis dahin müssen die betagten Brandenburg-Fregatten weiterfahren.
Zweitens kauft die Marine am Ende eben keine Standardware, sondern eine an deutsche Anforderungen angepasste Variante. Und genau an der Systemintegration ist die F126 gescheitert.
Drittens ist die MEKO mit 121 Metern und knapp 4.000 Tonnen weniger als halb so groß wie die F126, mit Einschränkungen etwa beim Einschiffen von Hubschraubern. Auch ist nicht jede wünschenswerte Bewaffnung machbar. Der Inspekteur der Marine hält sie dennoch ausdrücklich für geeignet.
Die offene Rechnung
Ob sich der Neustart auch finanziell lohnt, ist offen. Damen macht über seinen Anwalt Peter Gauweiler Zahlungs- und Freistellungsansprüche von rund 4,68 Milliarden Euro geltend. Die Werft argumentiert, der Bund habe die Verzögerungen mitverschuldet, 2024 trotzdem zwei weitere Schiffe bestellt und das Projekt dann „aus politischen Gründen“ abgebrochen. Das Ministerium weist die Forderungen als unbegründet zurück und verweist auf mögliche eigene Gegenansprüche von bis zu 2,3 Milliarden Euro.
Die Rechnung ist fürs erste aber klar: 11,6 Milliarden Euro für acht MEKO plus 2,3 Milliarden für die F126 ergeben knapp 13,9 Milliarden, gut vier Milliarden weniger als eine Fortführung der F126. Setzt Damen gerichtlich deutlich mehr als vier Milliarden Euro Entschädigung durch, wäre dieser Vorteil aufgezehrt.