Marleen Lohse als Psychologin: Eine Ermittlerin, die Lügen hasst
Stand: 12.10.2026, 08:00 Uhr
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Eine schweigende „Frau ohne Namen“ tötet im gleichnamigen ARD-Krimi einen Angreifer aus Notwehr - oder steckt doch mehr dahinter? Nachdem ihr Zweifel an der Geschichte kommen, ermittelt eine von „Nord bei Nordwest“-Star Marleen Lohse gespielte Psychologin auf eigene Faust.
Wenn Verdächtige schweigen, ob im Krimi oder in der Realität, kann man sie noch etwas subtiler verhören, ihnen drohen oder einfach aufgeben. Oder aber man macht es wie im neuen ARD-Kriminalthriller „Frau ohne Namen“ und bittet eine Psychologin um Hilfe, die der hohen Kunst des Gesichterlesens mächtig ist. Gespielt wird die Expertin für Mikroexpressionen von „Nord bei Nordwest“-Star Marleen Lohse, die ihre Filmfigur selbst über Jahre mitentwickelte und gestaltete. Als taffe Psychologieprofessorin („Man kann nicht nicht kommunizieren“) soll sie die Identität der titelgebenden jungen Frau herausfinden, die scheinbar in Notwehr getötet hat und nun einfach schweigt.

Lohse verkörpert die Psychologin Dr. Marlene Nielsen, eine führende Forscherin auf dem Gebiet der Verhaltens- und Emotionspsychologie. Weil sie wie kaum jemand sonst Gesichtsausdrücke lesen und interpretieren kann, wird sie von der Hamburger Polizei für den rätselhaften Fall engagiert: Die Unbekannte (brillant undurchsichtig: Sara Hjort Ditlevsen) soll bei einer nächtlichen Messerattacke ihren Angreifer in Notwehr umgebracht haben, es gibt sogar ein Überwachungsvideo der Tat. Bei der Befragung jedoch schweigt sie unbeirrt. Nach längerer Betrachtung erkennt Nielsen im Gesicht der Frau unterschwellige Anzeichen, die nicht wirklich zu ihrer angeblichen Rolle während der Geschehnisse passen wollen. Ist sie vielleicht doch nicht das unschuldige und verängstigte Opfer?
Zwischen Opfer und Täter
Es gibt nur ein Problem: Dass die Expertin ausschließlich über den Gesichtsausdruck Signale für einen absichtlichen Mord erkennen will, nehmen ihr die Polizisten einfach nicht ab. Da sie für ihren Verdacht keine Beweise liefern kann und die Ermittlungen auch sonst nicht vorankommen, geschieht, was in der realen Welt wohl so gut wie nie, im Krimi dagegen überaus regelmäßig geschieht: Sie ermittelt einfach selbst weiter - und kontaktiert unter anderem Michel Osterloh (Stephan Kampwirth), den Vater des Opfers. Unterstützung erhält sie immerhin von Kommissar Deniz Kurt (Serkan Kaya), der ihr als Faktenmensch zunächst skeptisch entgegentritt. Und auch Nielsen zweifelt an der oft berechnenden Polizeiarbeit, schließlich ist ihr nach einem traumatischen Erlebnis jede noch so kleine Alltagslüge zuwider. Sie lügt nie und will auch nicht angelogen werden.
Als ungewöhnliches Ermittlerduo finden die beiden dennoch zusammen und können voneinander lernen: Einerseits, dass eine Lüge dazu dienen kann, andere Menschen zu schützen, andererseits, dass man seine Ziele auch mit Ehrlichkeit erreichen kann. Ob das hilft, die Wahrheit über die mysteriöse „Frau ohne Namen“ herauszufinden? Welches Geheimnis verbirgt sie? Welche Traumata machen ihr zu schaffen? Der Film umkreist die Suche danach als spannender Thriller, der zugleich aber recht ruhig inszeniert und mit gehöriger psychologischer Tiefe daherkommt.
„Ein Film von Frauen - und das merkt man ihm auch an“
Dass das gut funktioniert, liegt insbesondere an der Hauptdarstellerin, aber auch an der mit ihr eng verflochtenen Entstehungsgeschichte des Films: Marleen Lohse entwickelte ihre Figur gemeinsam mit den befreundeten Autorinnen Anne-Marie Keßel und Lynda Bartnik über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren.
Es sei „etwas ganz Besonderes, wenn aus einer engen Freundschaft so eine schöne gemeinsame Arbeit entstehen kann“, zitiert der Sender die 42-Jährige, die mit ihrer für hiesige Krimiverhältnisse sehr besonderen Psychologieprofessorin die Wertschätzung der Wahrheit teilt: „Ich bin eine unfassbar schlechte Lügnerin und habe selbst ein großes Problem mit Lügen“, so die Schauspielerin.
„Es ist ein Film von Frauen - und das merkt man ihm auch an“, weiß Regisseurin Lynn Oona Baur, die bei aller Action und Hochspannung vor allem die Figuren und ihre inneren Konflikte in den Vordergrund stellt. Das betrifft nicht nur die Ermittlerin, deren besondere Fähigkeiten schauspielerisch nicht einfach umzusetzen waren. Sondern auch und insbesondere die geheimnisvolle Titelfigur, die der dänischen Darstellerin Sara Hjort Ditlevsen einiges abverlangte, wie sie gesteht: „Normalerweise kommt es beim Spielen darauf an, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken, und allgemein fällt es mir leicht, vor der Kamera Tränen zu zeigen oder ein großes Drama zu machen. Aber in dieser Rolle war es wichtig, genau das Gegenteil zu tun.“
Dank eines mitreißenden Drehbuchs, schauspielerischen Könnens und jeder Menge Herzblut, dem man die Freundschaft der Schöpferinnen anmerkt, gelingt der ungewöhnliche Krimi-Thriller um Schuld und Rache, seelische Schocks und bleibende Narben, Opfersein und Täterschaft. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)