Polizei schlägt Alarm: Fiese Masche bringt Kriminellen mehr als 300.000 Euro ein – Kennwort-Trick kann schützen

Stand: 01.08.2026, 07:19 Uhr

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Mit erfundenen Notfällen setzten Täter ihre Opfer unter Druck. Zuletzt erbeuteten Betrüger mit Schockanrufen in Rheinland-Pfalz mehr als 300.000 Euro. Die Polizei schlägt Alarm.

Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) – Vier Fälle innerhalb von zwei Wochen zeigen, wie skrupellos Telefonbetrüger vorgehen. Im Kreis Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) verloren die Opfer zusammen rund 310.000 Euro. Die Täter nahmen Bargeld, Schmuck und Gold an sich.

Seniorin und Telefon

Gerade bei älteren Menschen sind Betrüger mit sogenannten „Schockanrufen“ immer wieder erfolgreich. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Zweimal spielten die Anrufer einen schweren Verkehrsunfall vor. Ein Kind oder Enkelkind habe den Unfall verursacht und müsse nur gegen Zahlung einer hohen Kaution nicht ins Gefängnis, behaupteten sie. In zwei weiteren Fällen erfanden die Kriminellen eine kostspielige medizinische Behandlung für einen nahen Angehörigen. Keine dieser Geschichten stimmte. Dennoch gelang es den Tätern, ihre Gesprächspartner mit dramatischen Schilderungen und knapper Frist zur Herausgabe ihrer Wertsachen zu bewegen.

Verbraucherzentrale warnt: Teils auch Betrugsversuche mit KI

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Brandenburg kommt inzwischen teilweise sogar Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Damit können Betrüger eine Stimme nachahmen, die für Angehörige oder Bekannte vertraut klingt. „Der eingesprochene Hilferuf am Telefon ist dadurch oftmals schwer als Fake-Anruf zu erkennen“, sagt Michèle Scherer, Digitalexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Für die Täuschung genügten bereits kurze Sprachaufnahmen. Diese könnten Kriminelle aus sozialen Netzwerken oder anderen Quellen im Internet kopieren. Eine passende Software erzeuge daraus manipulierte Audiodateien. In solchen Aufnahmen scheinen Menschen dann Aussagen zu machen, die sie tatsächlich nie getroffen haben.

Schockanruf: Warum die Opfer nicht leichtgläubig sind

Die Polizei möchte vor allem den Vorwurf entkräften, Betroffene seien einfach „leichtgläubig“. Hinter den Anrufen steckten Täter, die professionell vorbereitet und psychologisch geschickt vorgingen. Moderne Technik mache ihre Methoden zusätzlich glaubwürdiger. Im entscheidenden Moment setzen die Kriminellen auf Angst und Zeitdruck. Dadurch bleibt den Angerufenen kaum Gelegenheit, die Geschichte zu überprüfen oder einen Angehörigen zurückzurufen. Genau diese kurze Phase der Überforderung nutzen die Täter aus.

Polizei warnt vor der zweiten Betrugsstufe

Mit dem ersten Anruf endet die Gefahr nicht immer. Manchmal melden sich laut Polizei die Kriminellen anschließend erneut. Dann treten sie als Polizeibeamte oder Rechtsanwälte auf und versprechen, das bereits verlorene Geld oder die Wertgegenstände zurückzuholen. Dafür verlangen sie jedoch eine weitere Zahlung. Die Polizei stellt klar: Auch dahinter steckt ein Betrugsversuch. Wer tatsächlich helfen will, fordert kein Geld per Telefon und schickt niemanden los, um Schmuck oder andere Wertsachen abzuholen.

Diese Regeln schützen vor dem Schockanruf

Wer einen verdächtigen Anruf erhält, sollte sich an folgende Schritte halten:

  • Sofort auflegen. Das ist nicht unhöflich, sondern verschafft Abstand und Zeit zum Nachdenken.
  • Eine Vertrauensperson zurückrufen. Dafür sollte ausschließlich eine selbst bekannte Telefonnummer verwendet werden.
  • Niemals persönliche oder finanzielle Angaben am Telefon nennen.
  • Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände nicht an fremde Personen übergeben.
  • Bei einem Verdacht selbst die 110 wählen und die echte Polizei informieren.
  • Wer bereits Geld oder Wertsachen ausgehändigt hat, sollte unverzüglich Anzeige erstatten. Für die Ermittlungen sind möglichst genaue Angaben wichtig: Welche Nummer hat angerufen? Welche Namen wurden genannt? Was wurde wann übergeben?

Die Polizei empfiehlt Familien außerdem, ein gemeinsames Kennwort zu vereinbaren. Ein verkürzter Vorname oder ein gelöschter Eintrag im Telefonbuch kann es Betrügern erschweren, gezielt Kontakt aufzunehmen. Wer sich gedanklich auf einen solchen Schockanruf vorbereitet, gewinnt im Ernstfall wertvolle Zeit und kann sein Vermögen besser schützen. (Quellen: Polizeipräsidium Trier, Verbraucherzentrale Brandenburg) (sop)