„Wir brechen gerade zusammen“: Hitzewelle vernichtet laut Prognose zehn Millionen Tonnen Getreide in Europa

Massive Ernteausfälle durch Hitzewelle: Europas Landwirte verlieren wohl zwei Milliarden Euro

Stand: 22.07.2026, 14:18 Uhr

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Die Rekordhitze im Juni hat auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Eine Analyse prognostiziert massive Ernteausfälle – mit schweren Folgen.

Frankfurt am Main – Die historische Hitzewelle im Juni dieses Jahres könnte den europäischen Getreidebauern Ernteausfälle in Milliardenhöhe beschert haben. Das geht aus einer Analyse der Nichtregierungsorganisation „Energy and Climate Intelligence Unit“ (ECIU) hervor. Demzufolge könnten der extremen Hitze rund zehn Millionen Tonnen der zuvor prognostizierten Ernte von Weizen, Mais und Gerste zum Opfer gefallen sein.

Trockenheit in Deutschland - Köln

Die Hitzewelle im Juni hat der europäischen Landwirtschaft schwer zugesetzt. (Symbolbild) © Henning Kaiser/dpa

Laut ECIU würde sich das auf einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro summieren. Zum Vergleich: Die Menge der prognostizierten Ernteverluste ist laut Analyse in etwa so groß, wie die gesamten erwarteten Ernten von Österreich, Irland und den Niederlanden zusammen.

Ernteausfälle in Milliardenhöhe – Extremwetter bringt Landwirte in Europa in Bedrängnis

„Die Hitzewelle im Juni traf die europäischen Getreidebauern zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie beeinträchtigte das Pflanzenwachstum und führte zu Ernteausfällen auf dem gesamten Kontinent“, sagt Tom Lancaster, Landwirtschaftsexperte der ECIU. Viele Landwirte werde diese Entwicklung „finanziell hart treffen“.

Laut Lancaster sind die Ernteausfälle ein direkter Beweis für die reale Bedrohung durch den Klimawandel. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft seien dabei nur „ein Vorbote der zukünftigen Auswirkungen“, sollten die globalen Emissionen nicht drastisch reduziert werden. Die erwarteten Verluste würden europäische Länder voraussichtlich stärker von Importen abhängig machen, so die Analyse. Außerdem dürfte die Entwicklung in der Landwirtschaft die Preise für Getreide anheben.

Die größten Rückgänge bei der Getreideernte seien in Frankreich zu beobachten, so die Analyse. Dort werde ein prognostizierter Rückgang von 4,1 Millionen Tonnen beobachtet. Damit würden alleine in dem deutschen Nachbarland finanzielle Lücken für Landwirte in Höhe von 891 Millionen Euro entstehen. Nach Frankreich seien Ungarn (-2,4 Millionen Tonnen) und Spanien (-1,4 Millionen Tonnen) am härtesten getroffen. In Deutschland wird ein Ernterückgang in Höhe von 1,4 Millionen Tonnen im Vergleich zur prognostizierten Erntemenge erwartet – ein prognostizierter Verlust von 233 Millionen Euro.

„Am Ende weniger Ertrag“ – auch Bauern in Deutschland fürchten sinkende Getreideernten

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sagte laut der Zeit, dass auch Landwirte in Deutschland mit geringeren Ernten für das Jahr 2026 rechnen würden. Bereits bei Temperaturen über 27 Grad könne es zu Problemen beim Weizen kommen. „Es gibt dann Qualitätseinbußen und kleinere Körner. Das heißt am Ende weniger Ertrag“, so Rukwied.

Die Temperaturrekorde in Europa lassen viele Bäuerinnen und Bauern verzweifeln. „Ich arbeite seit zehn Jahren daran, meinen Hof durch Zwischenfrüchte, Fruchtfolgen und an heißere und trockenere Bedingungen angepasste Pflanzenarten widerstandsfähiger zu machen. Doch bei Temperaturen über 38 °C, die wochenlang anhalten, bricht alles zusammen“, zitiert das ECIU Benoît Merlo, einen französischen Landwirt. „Ich rechne mit Ertragsverlusten von mindestens 50, vielleicht sogar 70 Prozent bei bestimmten Kulturen wie Soja. Wir steuern nicht mehr auf einen Zusammenbruch zu – wir sind bereits mittendrin.“ (Quellen: Zeit, Energy and Climate Intelligence Unit) (nhi)