„Niemanden enteignen“: Trigema-Chef Grupp kritisiert Linken-Pläne – Wohnungsstreit in Berlin geht weiter

Massive Kritik an Berliner Enteignungs-Plänen: Trigema-Chef Grupp mit klarer Ansage

Stand: 22.09.2026, 07:10 Uhr

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Wohnen war ein Hauptthema der Berlin-Wahl. Die Linke will Vergesellschaftungen – Unternehmer Wolfgang Grupp warnt jetzt vor fatalen Folgen.

Berlin – Die Pläne der Berliner Linkspartei für die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen stoßen in der Wirtschaft auf massiven Widerstand. Trigema-Chef Wolfgang Grupp kritisierte das Vorhaben in der Bild-Zeitung scharf: „In einer Marktwirtschaft kann man niemanden enteignen, nur weil sein Unternehmen gut läuft.“

Zugleich forderte der 84-jährige Unternehmer Verantwortung von der Immobilienbranche ein: Wohnungsgesellschaften müssten für ihr Handeln haften, Mieten dürften nicht grenzenlos steigen.

Scharf ins Gericht geht Grupp mit der gängigen Praxis, Unternehmen als GmbH zu gründen.

Spricht sich gegen endlos steigende Mieten aus: Trigema-Chef Wolfgang Grupp (Archivbild) © Marijan Murat/dpa

Wahl in Berlin: Linke fordert Vergesellschaftung – Branche warnt vor Kapitalabfluss

Hintergrund der Debatte ist die Ankündigung der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp. Sie stellte die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne in den Mittelpunkt für mögliche Koalitionsverhandlungen nach der Wahl in Berlin. Eralp beruft sich dabei auf den erfolgreichen Volksentscheid aus dem Jahr 2021.

Die Immobilien- und Bauwirtschaft reagierte alarmiert. Der Präsident des Immobilienverbandes BFW, Dirk Salewski, beobachtete bereits den Abzug von Kapital: „Jetzt gehen die Investments eben nach Warschau oder in andere europäische Großstädte, nicht nach Berlin.“ Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes HDB, kritisierte, dass Summen für Entschädigungen fließen müssten – Geld, das letztlich für den Neubau fehle. Vonovia-Chef Luka Mucic ergänzt in der Bild: Vergesellschaftungen schafften keine einzige neue Wohnung.

Kritik an Berliner Linken: „Sozialistisches Himmelfahrtskommando“

Die Union auf Bundesebene will dem Vorhaben nun per Gesetz ein Ende setzen. CSU-Generalsekretär Martin Huber nannte die Pläne der Linken in den Funke-Zeitungen ein „sozialistisches Himmelfahrtskommando“, das private Investitionen abschrecke. Er forderte, einen Beschluss des Koalitionsausschusses vom Juli rasch umzusetzen: Dieser sieht vor, Immobilien-Enteignungen per Bundesgesetz auszuschließen, um das Eigentum zu schützen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte an, das Gesetz schnell voranzutreiben, um internationalen Investoren Sicherheit zu geben. Ein konkreter Zeitplan der Bundesregierung fehlt laut AFP-Informationen bislang jedoch.

Unabhängig von der Vergesellschaftungsdebatte wächst in der Wirtschaft die Ungeduld. Nach dem Ausscheiden der CDU aus dem Landtag in Mecklenburg-Vorpommern forderte BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner in der Bild, politische Blockaden zu lösen. Wer Reformen scheue, stärke radikale Kräfte. Der Berliner VBKI-Präsident Harald Christ warnte SPD und Grüne derweil eindringlich vor einer Koalition mit der Linken: Diese stelle die Soziale Marktwirtschaft infrage.

Kanzler Merz nach Wahldebakel: Überraschender Vorstoß in der Gesundheitspolitik

Während die Wirtschaft Reformen verlangt, sorgte Kanzler Merz in der Gesundheitspolitik für Irritationen. Auf der Pressekonferenz zu den jüngsten Wahlniederlagen kritisierte er überraschend die Ungleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten.

Hinter diesem Vorstoß verbergen sich mutmaßlich mehrere Motive:

  • Überraschungseffekt: Das Gesundheitsministerium und die SPD waren auf die Äußerungen, die den Kern der SPD-Forderung nach einer Bürgerversicherung berühren, nicht vorbereitet.
  • Parteiinterner Druck: Aus der CDU – unter anderem von Boris Rhein und Gordon Schnieder – soll zuvor Kritik an Merz‘ hartem Auftreten und mangelnder Empathie laut geworden sein.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann dürfte Merz die Gerechtigkeitslücke bei den Krankenkassen als soziales Thema angeraten haben. Kurz darauf musste eine Regierungssprecherin dementieren, dass Merz das duale Krankenversicherungssystem antasten wolle. (Quellen: Bild, AFP, dpa) (frs)