„Maximal miesepetrig“: Kommentar zum Trachten-Verbot in München während der Wiesn

Stand: 15.09.2026, 07:15 Uhr

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Lokalchef Stefan Sessler (rundes Foto) kommentiert die Trachten-Regeln.

Lokalchef Stefan Sessler (rundes Foto) kommentiert die Trachten-Regeln. © Mauritius

Ein Wirt im Münchner Glockenbach hat ein Schild aufgehängt, das Trachtenträger explizit aussperrt. Das ist maximal miesepetrig – stattdessen bräuchte es eine andere Botschaft, findet Lokalchef Stefan Sessler. Sein Kommentar:

München – Das weiß jedes Münchner Kindl: Tracht ist während der Wiesn ein Indiz dafür, dass der Träger und die Trägerin schon zwei bis fünf Mass und zig Hendl intus haben, wenn man sie strahlend, aber leicht derangiert in der Bahn oder auf dem Trottoir antrifft.

Deswegen ist es verständlich, dass einige Gastronomen nur mittelbegeistert sind, wenn Oktoberfest-Heimgänger noch auf einen Schnitt Edelstoff vorbeischauen.

Botschaft von Münchner Lokal: „Trachtenverkleidete nicht erwünscht“

Folglich könnte man den Kneipen-Betreiber aus dem Glockenbach fast verstehen, der keine Trachtler in seinem Laden sehen will. Aber nur fast, denn er hat ein maximal miesepetriges Anti-Dirndl-und-Lederhosen-Schild entworfen. Er schreibt, dass „Trachtenverkleidete und generell alle sparsamen Aufstreber mit Streifenhemd bzw. Guccitascherl“ nicht erwünscht sind.

Hier geht es nicht um Alkohol, sondern um ein Grundmisstrauen gegenüber einem Lebensgefühl. Tenor: Tracht ist Schickeria, ewiggestrig, altbacken, reaktionär.

Unerwünschte Kleidungsstile ausgerechnet im bunten Glockenbach

Hier wird es schwierig. Ausgerechnet im regenbogenbeflaggten Glockenbach gibt es also unerwünschte Kleidungsstile. Hier, wo seit Ewigkeiten jeder sein kann, was er will. Punk, Bayern-Profi im Designer-Anzug, Millionen-Erbe im Schottenrock, aber bittschön keine Besucher aus Feldmoching oder Rimini in Lederhosn.

Wir leben in aufgewühlten Zeiten, die AfD erobert Landtage, Hass ist vielerorts präsenter als Menschlichkeit. Vielleicht sollte man sich besonders gut überlegen, wer im Jahr 2026 der Feind ist, neben dem man in der Kneipe auf keinen Fall sitzen mag. Deswegen wäre das das bessere Schild im Glockenbach und im Rest der Republik: „Kein Bier für Nazis“.