Mediziner fordern: Kein Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland
Stand: 19.09.2026, 18:23 Uhr
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Sie schmecken nach Gummibärchen oder Lakritz – und ihr Verkauf ist in Deutschland verboten. Trotzdem werden Nikotinbeutel immer beliebter. Ein Bündnis von medizinischen Organisationen warnt vor einer Legalisierung.
Berlin (KNA) – Ein Bündnis aus Verbänden, Organisationen und medizinischen Fachgesellschaften appelliert an die Bundesregierung, das bestehende Nikotinbeutel-Verbot beizubehalten. „Mit großer Sorge beobachten wir konkrete Bestrebungen, die Zulassung des Verkaufs von Nikotinbeuteln in Deutschland voranzutreiben“, erklärten die mehr als 60 Unterzeichner des Appells am Dienstag in Berlin. Eine Aufhebung des Verbots wäre aus Sicht des Jugend- und Gesundheitsschutzes das falsche Signal.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Unterzeichnet haben den Appell unter anderen die Bundesärztekammer und Länderärztekammern, der Bundeselternrat, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Herzstiftung.

Mehr Nikotin im Blut als bei Zigaretten
Nikotinbeutel dürfen in Deutschland derzeit nicht in den Verkehr gebracht werden. Besitz und Konsum sind für den Eigenbedarf ab 18 Jahren allerdings gestattet. Dies ermöglicht in der Praxis den Bezug etwa über Online-Händler aus dem Ausland. Da Tabak fehlt, fallen die Beutel nicht unter das Tabakgesetz, sondern unter das Lebensmittelrecht. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung hat ergeben, dass bei hoch dosierten Nikotinbeuteln mehr Nikotin im Blut beobachtet wurde als bei herkömmlichen Zigaretten.
Nikotinbeutel bergen aus Sicht der Unterzeichner erhebliche gesundheitliche Risiken. Besonders besorgniserregend sei die Verbreitung unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit hatten 2025 bereits 5,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen sowie 18,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Erfahrungen mit Nikotinbeuteln.
Hohes Abhängigkeitspotenzial
Nikotin besitzt laut dem Appell ein hohes Abhängigkeitspotenzial und kann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen die Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Unabhängig vom Alter birgt der Konsum zudem Risiken für Herz und Kreislauf und die Mundgesundheit.
Die Unterzeichner werfen den Herstellern vor, dass Nikotinbeutel insbesondere für junge Menschen attraktiv vermarktet werden. Über soziale Medien und eine jugendaffine Produktgestaltung würden sie als Lifestyleprodukte präsentiert. Fruchtige Aromen sowie die Möglichkeit eines geruchsfreien und diskreten Konsums könnten die Hemmschwelle für den Gebrauch zusätzlich senken.
Zwischen Lippe und Zahnfleisch
Nikotinbeutel sind neuartige, tabakfreie Nikotinprodukte, die meist zwischen Lippe und Zahnfleisch platziert werden. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Der Nikotingehalt kann dabei erheblich variieren und ist nicht immer eindeutig aus den Herstellerangaben ersichtlich. In Belgien und den Niederlanden wurde der Verkauf von Nikotinbeuteln untersagt. Frankreich hat ein weitreichendes Verbot oraler Nikotinprodukte eingeführt.
Der Absatz von Nikotinbeuteln lag der WHO zufolge 2024 bei mehr als 23 Milliarden Stück. Das ist ein Anstieg von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die WHO berichtet. 2025 seien damit umgerechnet fast sechs Milliarden Euro umgesetzt worden.