Mehr als 20 Jahre lang: Stadt vergisst Statue in Werkstatt – nun gibt es Streit um die Kosten

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Streit um Lagerkosten Stadt Darmstadt vergisst mehr als 20 Jahre lang Statue in Werkstatt

Für einen Bronzeabguss sollte eine Germania-Statue in Darmstadt restauriert werden. Das war 2003. Erst jetzt fiel auf, dass das Original noch immer in der Werkstatt steht. Deren Besitzerin will jetzt die Lagerkosten erstattet bekommen.

Eine große grün patinierte Germania-Skulptur mit Helm, Umhang und Schwert steht in einer Werkstatt voller Skulpturen, Gipsabgüsse, Arbeitsmaterialien und historischer Bilder.

Seit 23 Jahren in einer Bildhauer-Werkstatt zu Hause: die vergessene Germania-Skulptur Bild © Uwe Gerritz (hessenschau.de)

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Update 26. August

Der Darmstädter Skulptur-Streit nimmt offenbar ein versöhnliches Ende. Wie Bildhauerin Ruth Andres der hessenschau am Mittwochabend mitteilte, sicherte ihr Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) in einem persönlichen Telefonat zu, die vergessene Statue von der Stadt abholen und offene Rechnungen für die langjährige Lagerung begleichen zu wollen.

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Das Atelier von Steinbildhauermeisterin Ruth Andres ist gar nicht so leicht zu finden. Es liegt auf halbem Wege entlang eines nicht asphaltierten Weges inmitten des Darmstädter Stadtteils Arheilgen - eingebettet zwischen Pferdekoppeln, Bäumen und anderen Handwerksbetrieben.

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02:27 Min.|Raphael Stübig

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

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Dass hier mal etwas in Vergessenheit geraten kann, lässt sich gut vorstellen. Dass aber eine mehr als 120 Jahre alte Statue aus dem Besitz der Stadt Darmstadt hier ein jahrzehntelanges Dasein fristet, ohne dass es jemand merkt, ist schon kurios.

Restaurierung im Jahre 2003

Im Jahre 2003 gab die Stadt die Restaurierung einer Germania-Statue bei Andres und ihrem Kollegen Andreas Heimbrock in Auftrag. Die etwa 1,60 Meter hohe Gipsplastik mit feinem Bronzeüberzug stellt eine Frau mit Harnisch und Lorbeerkranz dar, eine Hand am noch nicht gezogenen Schwert.

Die Statue erinnerte im Stadtteil Eberstadt seit 1899 an die Opfer des deutsch-französischen Krieges der Jahre 1870/1871. Doch Wind und Wetter hatten an ihr genagt. Deshalb sollte sie 2003 durch eine Bronzefigur ersetzt werden.

Eine Germania-Statue auf einem hohen Sockel mit Inschrift steht auf einem kleinen Platz

In Bronze steht die Germania seit 2003 in Darmstadt-Eberstadt Bild © Raphael Stübig (hr)

Um von dem Original einen Abguss machen zu können, musste es aber erst einmal restauriert werden. "Wir haben verschiedene Ergänzungen gemacht", erzählt die Bildhauerin, "hier Faltenmuster, dass die Oberflächen wieder geschlossen waren, und wir haben auch das Schwert rekonstruiert."

"Solche Sachen dauern schon mal"

Abguss und Form wurden in einer Gießerei gemacht. In Eberstadt erinnert an der Heidelberger Landstraße, Ecke Seeheimer Straße nun eine wetterfeste Bronzekopie an den Krieg. Der Auftrag wurde wie gewünscht ausgeführt und von der Stadt auch ordnungsgemäß bezahlt.

Die Original-Statue wanderte von der Gießerei vorerst zurück in die Werkstatt von Andres und Heimbrock und sollte später einen Platz im trockenen Eberstädter Rathaus finden.

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02:05 Min.|26.08.26, 19:30 Uhr|hr

Die vergessene Germania-Statue

Statue

Bild © hr

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Doch niemand holte die Figur jemals ab. Andres dachte sich erstmal nichts dabei. "Die wollten noch statische Überprüfungen machen. Solche Sachen dauern schon mal", sagt sie verständnisvoll.

Anruf nach zwei Jahrzehnten

Aus Tagen werden Wochen, Monate, Jahre. Die Plastik steht derweil in einer Ecke in der Werkstatt in Arheilgen - und gerät in Vergessenheit. Bis Ruth Andres nach mehr als zwei Jahrzehnten einen Anruf von der Stadt erhält, ob sie denn wisse, wo die Figur sei.

Bei internen Recherchen war wohl jemandem im Rathaus aufgefallen, dass die originale Germania noch irgendwo sein muss. Und da fiel auch Andres die verhüllte Statue zwischen all den anderen Werken in ihrem Atelier wieder ein.

"Sie stand da in der Ecke, war abgedeckt - ich habe einfach nicht mehr dran gedacht", räumt sie ein. Von sich aus habe sie deshalb auch keine Anstrengungen unternommen, die Figur ihrem Besitzer zurückzugeben.

Lagerkosten für 23 Jahre: 2.200 Euro

Doch nun bat die Bildhauerin um ordnungsgemäße Abholung der Figur und Begleichung der Lagerkosten für 23 Jahre in Höhe von 2.200 Euro. "Acht Euro pro Quadratmeter und Monat. Also, das ist echt wenig."

Schließlich habe die Germania all die Jahre in ihrem versicherten und trockenen Atelier gestanden, schreibt sie der Stadt. "Wäre die Figur nicht so untergestellt gewesen, wäre sie jetzt ganz kaputt."

Doch die Stadt geht laut Andres auf diese Forderung gar nicht ein, kündigt stattdessen kurzfristig eine Ad-hoc-Abholung an. Zum Thema Rechnung könne man nichts sagen, schreibt das Kulturamt.

Eine Frage des Umgangs

"Das ist einfach eine Frage des Umgangs" sagt Andres. "Ich finde schon, dass wir auf die Figur aufgepasst haben anstelle desjenigen, der sie in seinem Projekt hatte." Und mal eben so vorbeikommen und die 500 bis 600 Kilogramm schwere Figur aufladen sei auch nicht drin.

"Schauen Sie sich das Grundstück hier an", sagt Andres. Da müsse einiges aufwendig weggeräumt werden, eventuell sogar Bäume zurückgeschnitten. "Das wäre bei einer ordentlichen Abholung doch unbedingt nötig, dass jemand kommt und sich anschaut, was man dabei haben muss."

Stadt droht mit gerichtlichen Schritten

Die Spontanabholung lehnt Andres ab, zumal die Frage der Lagerkosten weiter ungeklärt bleibt. Nun setzt ihr die Stadt die Pistole auf die Brust, verlangt Alternativ-Termine innerhalb der nächsten zwei Wochen und geht sogar noch weiter.

Wenn sie weiterhin die Herausgabe der Figur "verweigere", werde man gerichtlich dagegen vorgehen, habe die Stadt ihr geschrieben. Für die Bildhauerin ein Hohn. "Ich finde, das hätte man auch anders handhaben können."

Wie es nun weitergeht, ist derzeit noch unklar. Die Stadt hat sich auf hr-Anfrage bislang nicht zu dem Sachverhalt geäußert.