Meinungen der Abendblatt-Leser: 8. September 2026

KI-Stimme. Info

Palette ist kein Luxus

4. September: „Ausgerechnet am Drogen-Hotspot“: Aus für Hilfseinrichtung schockiert Altona

Wir arbeiten seit einigen Jahren mit Palette zusammen. Ich kenne die Einrichtung persönlich und habe gemeinsam mit Florian Pittner obdachlose Menschen am Holstenbahnhof und unter den Brücken aufgesucht. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung: Palette ist kein Luxus und kein „nice to have“. Sie ist für viele Menschen ein Stück Überleben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen genau, wo Hilfe gebraucht wird und wie diese Hilfe bei den Menschen ankommt. Sie erreichen Menschen, die von anderen Hilfsangeboten kaum oder gar nicht erreicht werden. Gerade deshalb ist es für mich völlig unverständlich, dass ausgerechnet hier der Rotstift angesetzt wird. Was läuft eigentlich falsch in unserer Politik? Auf der einen Seite wird ständig davon gesprochen, dass Hamburg etwas gegen Obdachlosigkeit unternehmen müsse. Auf der anderen Seite wird genau den Einrichtungen gekürzt, die tagtäglich mit den betroffenen Menschen arbeiten. Das ist für mich keine verantwortungsvolle Sozialpolitik. Das ist Politik auf dem Rücken der Schwächsten. Es werden Sparmaßnahmen beschlossen, obwohl allen Beteiligten bekannt ist, dass die Zahl der obdachlosen Menschen steigt. Gleichzeitig werden Schulen, Polizei und nun auch die Wohnungslosenhilfe mit Kürzungen konfrontiert. Besonders enttäuschend finde ich, dass die Entscheidung offenbar getroffen wurde, ohne diejenigen ausreichend einzubeziehen, die seit Jahren in diesem Bereich arbeiten.

Elke Franke, Der Norden hilft e. V.

Aufbruch satter Demokraten ist gefragt

3. September: Fegebank fordert AfD-Verbotsverfahren: „Wir sind jetzt an diesem Punkt“

Frau Fegebank, was haben Sie sich eigentlich bei solchem Ansinnen gedacht? Wollen Sie allen Ernstes Weidel, Chrupalla, Tillschneider und ein Fünftel der deutschen Wähler zu Märtyrern machen? Diese Leute warten doch geradezu auf den Versuch eines solchen Verfahrens, um genüsslich daraus Honig zu saugen. Sind Sie naiv genug, zu glauben, dass ein deutsches Gericht – trotz erwiesenen Rechtsextremismus – dieses Fünftel einfach wegverbieten könnte und sich der braune Spuk dann in Rauch auflöste? Fragen Sie sich doch besser, wo Sie, Ihre Partei und die Vertreter der anderen demokratischen Parteien waren, als in ostdeutschen Dörfern AfD‑Helfer Kinderfeste organisierten, die Tradition der Volkssolidarität aufrecht erhielten oder reanimierten, ins Hinterland mobile Lebensmittelhändler schickten und halfen, kleine Konsumläden und Dorfgasthöfe vor der Schließung zu bewahren und Opa beim Ausfüllen des Rentenantrags zu unterstützen. Da gibt es einiges, vor der eigenen Tür zu kehren. Ein Verbotsverfahren ist das Letzte, was es jetzt braucht. Aufbruch satter Demokraten zu den Menschen „draußen im Lande“ ist gefragt.

Ludwig Tampe

Kultur miteinander erleben

29. August: Magazin „Hamburg – Shanghai. 40 Jahre Städtepartnerschaft“

Mit Interesse habe ich die Berichte zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai gelesen. Dabei musste ich an einen Ort denken, an dem diese Partnerschaft eigentlich schon seit vielen Jahren sichtbar sein sollte: den Yu Garden in Rotherbaum. Am 3. September wurde dort ein Zentrum für chinesisches immaterielles Kulturerbe vorgestellt. Traditionelle Handwerkskunst, überliefertes Wissen und kulturelle Techniken sollen dadurch in Hamburg stärker erfahrbar werden. Das kann ein Anfang sein. Aber vielleicht sollte die entscheidende Frage lauten: Was verstehen wir eigentlich unter kulturellem Austausch? Wenn in Hamburg chinesische Kultur präsentiert wird, lernen wir etwas über China. Austausch entsteht daraus aber nicht automatisch. Er beginnt dort, wo Menschen miteinander arbeiten, Fragen stellen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken und vielleicht sogar etwas Neues entwickeln. Warum also nicht chinesische und Hamburger Handwerker zusammenbringen? Junge Künstler und Designer aus beiden Städten? Schulen und Hochschulen? Menschen, die sich mit der Weitergabe alter Techniken beschäftigen? Und warum nicht irgendwann Hamburger Kultur und Handwerk im Gegenzug in Shanghai zeigen? Nach 40 Jahren Städtepartnerschaft müsste es eigentlich weniger darum gehen, einander Kultur zu zeigen, sondern stärker darum, Kultur miteinander zu erleben und weiterzuentwickeln. Der Yu Garden könnte dafür einen Raum bieten. Das Gebäude ist längst vorhanden. Nun stellt sich die viel interessantere Frage, wie man es dauerhaft mit Leben füllt – nicht nur für einige Veranstaltungen im Jahr und nicht nur mit Kultur aus China, sondern mit Begegnungen zwischen Hamburg und Shanghai. Vielleicht wäre das eine gute Aufgabe für die nächsten 40 Jahre.

Dr. Li Yang

Unfaire Verteilung

2. September: Hamburg investiert eine Milliarde in neue Sportstätten

Milliarden sollen in den Hamburger Sport investiert werden. Gut so. Aber die Verteilung ist ungleichmäßig, insbesondere hinsichtlich der sportlichen Perspektiven. Extremer Verlierer: der Hamburger Eishockeysport. Noch bis Mai 2016 war der Eishockeysport in Hamburg in der 1. Liga (DEL) vertreten. Eine Profi-Spielstätte plus drei weitere Nachwuchs-, Spiel- und Trainingsstätten gab es bis dahin. Im Mai 2016 dann das Aus der DEL-Truppe, samt der DEL-Spielstätte. Die Crocodiles Hamburg wurden zum ranghöchsten Club der Stadt. In der 3. Liga (Oberliga), die erst später zur Profi-Liga wurde. Auch die schlechten Perspektiven führten zum Rückzug der Farmsener aus dem Profibereich. Dann fiel 2024 die qBeyond-Arena als modernste Spiel- und Trainingsstätte weg. 2025 dann die Schließung des Eissportstadions in Stellingen – wegen Investitionsstaus! Aktuell konzentriert sich der Hamburger Eishockeysport auf das Eisland in Farmsen. Investitionen in moderne Spielstätten, mit Perspektive für die Zukunft, zurück in den Profibereich, bleiben aus. Trotz der Milliarden für den Sport wird das Hamburger Eishockey abgewirtschaftet. Man muss fast sagen, es wird zusehends abgewickelt. Auch der Hamburger Eishockeysport hat enorme Bedarfe und muss endlich fair berücksichtigt werden.

Sven Wendland

Ein Unding

Ich habe mit Erstaunen den Bericht und auch die Leserbriefe dazu gelesen. Es wird immer nur über die Eisbahnstraße in der Hagenbeckstraße geschrieben. Es wird hier immer vergessen, dass es sich dort um eine Radrennbahn handelt, die nur im Winter als Eisbahnstraße genutzt wird. Die Radsportler in Hamburg müssen, um trainieren zu können, nach Cottbus fahren. Das ist ein Unding. Schon seit etwa 2018, als ich noch GF vom Radsport-Verband war, wurden zig Gespräche über einen Neubau geführt. Schon zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass die Anlage kurz über lang geschlossen werden muss. Also, es wird Zeit, dass die Anlage neu gebaut wird. Für den Sportpark Hagenbeckstraße hatte doch Johannes Kahrs von seinem Parteifreund Olaf Scholz, als der noch Wirtschaftsminister war, größere Geldbeträge besorgt, sodass eigentlich die Sportplätze nicht erneuert werden müssen.

Harald Lerche

Es ist so schade

7. September: AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt, CDU verliert dramatisch
7. September: Kommentar „Es geht um Vertrauen“

Nun, wäre ich ärztliches Personal oder Pflegepersonal, ServicemitarbeiterIn etc., und hätte einen Migrationshintergrund, käme ich sehr ins Grübeln. Ich arbeite selbst in einem Krankenhaus in Brandenburg. Wir wären nicht mehr funktionsfähig, wenn uns diese Mitarbeitergruppen verlassen würden. Und da gibt es viele Firmen und Arbeitsplätze, die ohne diese Mitarbeitenden nicht überleben könnten. Auf geht‘s in die „deutsche Selbstversorgung“. Wie sagten viele vorher dort: „Es muss alles besser werden.“ Nur wie das mit dem Parteiprogramm umgesetzt und bezahlt werden soll, da bin ich wirklich gespannt. Die deutschen Männer vor Ort werden richtig zupacken müssen, denn der Arbeitsplatz der Frauen ist ja auch wieder vakant. Die sollen zu Hause ihre alte Rolle einnehmen. Wie ausgerechnet die ostdeutschen Frauen das mittragen, ist für mich das größte Rätsel. Es ist so schade.

Diana Baumann 

Vermessen

Herr Quoos, Sie haben vollkommen recht mit Ihrer Aussage: „Politik muss zum Volk passen – nicht das Volk zur Politik!“ Vermessen ist meines Erachtens, in welcher Arroganz Politiker der etablierten Parteien über Wähler der AfD urteilen. Und wenn die Politik dem Volk nicht passt, dann wird sie halt verboten, ohne sich mit den Sorgen auseinanderzusetzen. Das nennt man dann Demokratie, so einfach ist das. Und das mit mittlerweile bundesweit 20 Prozent, Tendenz steigend, und jetzt in Sachsen-Anhalt bei knapp 45 Prozent. Welche Partei konnte so ein Ergebnis in den letzten Jahren für sich verbuchen? Ich kenne solche Prozente nur aus den 70er/80er Jahren, desgleichen die Höhe der Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent – wann hatte man das schon bei den Wahlen der vergangenen Jahre? „Die Lehre: Politik muss sich mehr auf die Bedürfnisse der Regierten konzentrieren. Manches mag dem regierenden Personal in seiner abgehobenen Lebenswelt unsympathisch sein. Aber es bleibt die ungeschriebene Grundregel einer echten Demokratie: Die Politik muss zum Volk passen – und nicht das Volk zur Politik.“ Ihrem Zitat, Herr Quoos, ist nichts hinzuzufügen, und alle Politiker sollten sich ausdrucken und dies gut leserlich aufhängen!

Ingrid Kallbach

Es wird nichts besser werden

Die Wähler haben mit eindeutigem Votum und hoher Wahlbeteiligung entschieden: Die AfD soll es künftig richten. Deren Wahlprogramm rund um Schuldige wird indes keinerlei Verbesserung für die Bevölkerung mit sich bringen. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, die AfD regieren zu lassen und sie damit zu entzaubern. Die Wähler hätten außerdem den Eindruck, dass ihr Votum ernst genommen und die Demokratie respektiert wird. Falls eine AfD-Regierung jedoch das Land Sachsen-Anhalt in eine Autokratie umwandeln sollte, muss man auf den zivilen Widerstand auch des Verwaltungsapparats und der Resilienz der Judikative hoffen.

Dr. Robert Degenhardt

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