Mercedes-Benz verbindet Werk und Verteilzentrum in Alabama per Brücke
Mercedes-Benz hat in den USA ein Infrastrukturprojekt abgeschlossen, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, für die Logistik des Konzerns aber erhebliche Folgen haben dürfte: Die neue „Marshalling Yard Access Bridge and Road“ verbindet das Werk Mercedes-Benz U.S. International (MBUSI) direkt mit dem Domestic Marshalling Yard (DMY), dem Verteilzentrum für den US-Markt.

Eine Meile Straße über Highway und Gleise
Bislang trennten zwei Hindernisse die beiden Standorte: der U.S. Highway 11 und die Gleise der Eisenbahngesellschaft Norfolk Southern, auf denen reger Betrieb herrscht. Fahrzeuge vom Plant Marshalling Yard (PMY) direkt neben dem Werk mussten bisllang deshalb auf öffentlichen Straßen zum Verteilzentrum gebracht werden. Eine neu gebaute Brücke mit rund einer Meile zweispuriger Fahrbahn macht diesen Umweg nun überflüssig.

Dem Bau gingen nach Unternehmensangaben eine ausführliche Prüfung von Machbarkeit, Kosten und Auswirkungen auf den Betrieb voraus. Der Baubeginn war 2025, fertiggestellt wurde die Anlage 2026. Anspruchsvoll war das Projekt vor allem wegen der Rahmenbedingungen: Grunderwerb, Genehmigungsverfahren und die Abstimmung mit dem laufenden Verkehr auf der Staatsstraße und dem aktiven Bahnbetrieb forderten die Planer.

Weniger Kosten, kürzere Standzeiten
Der wirtschaftliche Effekt ist laut Mercedes-Benz dabei beträchtlich. Die Kosten für das Shuttlen der Fahrzeuge sinken um schätzungsweise 70 Prozent, die Standzeit der Fahrzeuge bis zur Auslieferung an die Händler verkürzt sich um fast einen Tag. Der Weg vom Band zum Autohaus werde dadurch berechenbarer und effizienter. Mercedes-Benz sieht darin auch einen Beitrag zu seinem Absatzziel: man will bis zum Ende des Jahrzehnts jährlich 400.000 Fahrzeuge in Nordamerika verkaufen. Mit wachsenden Produktionsmengen stellte sich auch schnell die Frage, wie die Fahrzeuge dazu noch bequemer das Produktionsgelände verlassen können.

Sicherheit und Qualität
Neben der Kostenersparnis nennt Mercedes-Benz auch die Sicherheit als zentrales Argument. Weil keine Lkw-Fahrten über öffentliche Straßen mehr nötig sind, sinke das Unfallrisiko, zugleich werden die Fahrzeuge besser geschützt. „Indem wir Lkw-Bewegungen über öffentliche Straßen vermeiden, verbessern wir die Sicherheit, schützen die Fahrzeugqualität und vereinfachen den Arbeitsalltag“, so Federico Kochlowski, Präsident und CEO von MBUSI. Die Brücke stärke zudem die Rolle des Standorts als globaler Exportdrehscheibe und schaffe die Voraussetzungen für weiteres Wachstum.
Bilder: Mercedes-Benz Group AG / MBUSA