Merz und der Kassen-Frust: Wo der Bundeskanzler Recht hat
Stand: 22.09.2026, 21:47 Uhr
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Der Kanzler und die Krankenkassen: Nein, er will das System aus Gesetzlichen und Privaten nicht zerschlagen, aber Ungerechtigkeiten beseitigen. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.
Berlin – Der Kanzler hat sich, leider schon wieder, recht unklar ausgedrückt, als er diese Woche mit einem mächtigen Wumms das komplette System der Krankenversicherungen infrage zu stellen schien. Was er nicht wollte: das Nebeneinander von Gesetzlichen und Privaten zu sprengen. Was er meinte: In der Praxis empfinden viele Versicherte einen Teil der Unterschiede als ungerecht. Da hat Friedrich Merz schlicht und einfach Recht.

Krankenkassen-System im Visier von Merz: Ungerechtigkeiten beseitigen
Dass es private Versicherungen gibt, trägt viel zum hohen medizinischen Versorgungsniveau bei und zur Finanzierung des gesamten Systems. Das nutzt auch gesetzlich Versicherten – wohl viel mehr als eine Zerschlagung. Es ist auch fair, unterschiedliche Leistungsniveaus privat hinzubuchen zu können, etwa das Klinik-Einzelzimmer. Und wer sich komplett privat versichert, muss damit klarkommen, im Alter massiv höhere Beiträge zu zahlen.
Ungerechtigkeit gibt es bei der Terminvergabe besonders bei Fachärzten. Hauptproblem: längere Wartezeiten. Kein Vorwurf an die Ärzte, auf deren Schultern so viele Fehlentwicklungen der Gesundheitspolitik abgeladen werden. Aber die Bundesregierung muss wohl beim Thema Terminvergabe nochmals steuernd eingreifen.
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Es gibt ein zweites Gerechtigkeitsproblem. Die Menschen haben den Eindruck, dass der externe Zugang zu den Leistungen der gesetzlichen Versicherung zu einfach ist. Inzwischen mehrere Millionen Flüchtlinge und Asylbewerber – anerkannt, subsidiär geschützt oder nach Ablauf der 36-Monatsfrist – haben den vollen Zugang, aber meist nie Beiträge gezahlt. Ähnlich beim Sozialleistungs-Missbrauch, oft über kriminelle Strukturen. Der Kreis derer, die nur noch eine Akutversorgung bekommen, müsste viel größer sein.
Zu lange Wartezeit, zu schneller Zugang ins Leistungssystem für andere: Das ärgert langjährige Versicherte.
Der Großteil der gesetzlich Versicherten arbeitet und drückt gemeinsam mit dem Arbeitgeber vom Brutto im Schnitt über 17 Prozent Beitrag ab – lebenslang, später auch als Rentner, tapfer im Solidarsystem. Sie finanzieren übrigens auch noch zwei Drittel der Krankheitskosten im Bürgergeld mit. Wenn dann noch Leistungskürzungen kommen (müssen), reagieren viele Menschen sensibel auf das, was sie als doppelte Ungerechtigkeit empfinden. Statt Merz weiter lustvoll misszuverstehen: Es ist gut, wenn seine Koalition bei den Berliner Reformpaketen diese Sorgen anpacken will.