Microsoft räumt intern „größten Diebstahl“ durch KI-Training ein

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Nach einer Großklage der New York Times wegen Urheberrechtsverletzung durch Sprachmodelle musste Microsoft interne Dokumente herausrücken. Die zeigen: Auch hohe Manager des Konzerns sehen KI-Training problematisch.

Microsoft intern: Selbst Manager halten KI-Training für riesigen Diebstahl

Microsoft: Interne Kritik an der KI-Strategie (Bild: Shutterstock/Mijansk786)

Die Worte sind hart: Das massenhafte Einlesen urheberrechtlich geschützter Texte für das KI-Training sei ein „erstaunlicher Diebstahl von beispiellosem Umfang“ und womöglich gar „der größte Diebstahl von Arbeitskraft in der Geschichte der Menschheit“. Diese Einschätzung stammt nicht von einem Vertreter der Kreativbranche, sondern von Brent Hecht, Leiter des Bereichs Angewandte Wissenschaften bei Microsoft.

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Öffentlich geworden sind die Aussagen in einem großen Gerichtsverfahren, das die New York Times gegen Microsoft und OpenAI angestrengt hat. Die Dokumente machen deutlich, dass es in den KI-Konzernen offensichtlich intern erhebliche Bedenken gegen das eigene Vorgehen gibt. Sie werden nur nicht öffentlich genannt.

Intern andere Ansichten als öffentlich

Nicht nur bei Microsoft sieht man das so. So räumte OpenAIs ChatGPT-Chef Nick Turley demnach bereits im Juni 2023 intern ein, dass KI für Verlage eine „existenzielle Bedrohung“ darstelle. Turley soll intern zudem gesagt haben, KI diene „größtenteils als Ersatz [für Pressetexte], Punkt“. Die Einschätzung: Je besser die Modelle werden, desto stärker ersetzen sie die Produkte von Verlagen.

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Auch das wichtigste Rechtsargument der Branche steht intern offenbar auf wackligen Füßen: Öffentlich verweisen die Konzerne darauf, dass das Training mit Nachrichtentexten unter die US-Urheberrechtsausnahme „Fair Use“ falle – eine Regelung, die die Nutzung geschützter Werke in bestimmten Fällen ohne Erlaubnis der Rechteinhaber:innen erlaubt. Hecht soll intern eingeräumt haben: Setze man sich damit vor Gericht durch, „würde das den Begriff vollkommen lächerlich machen“.

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Die New York Times hatte Ende 2023 gegen OpenAI und Microsoft geklagt, das Verfahren läuft immer noch. Die Zeitung wirft beiden Unternehmen vor, Millionen ihrer Artikel unerlaubt zum Training von KI-Modellen genutzt zu haben. Aus Sicht des Verlags bedrohen ChatGPT und ähnliche Dienste die eigenen Einnahmen aus Abos, Lizenzen und Werbung. Der Fall gilt als einer der zentralen Präzedenzfälle – also als Musterverfahren, an dem sich künftige Urteile orientieren dürften – für die Frage, ob KI-Training unter „Fair Use“ fällt.

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Weniger Klicks auf die Quelle

Die veröffentlichten Interna deuten darauf hin, dass die Konzerne die Kernargumente der New York Times intern teilen. Bei Microsoft habe man beobachtet, dass fast niemand mehr auf einen Link zu der Zeitung klickt, wenn die eigene KI Fragen zu Nachrichtenthemen beantwortet. Der Vorteil der Technik liege gerade darin, dass sie Antworten liefere statt einer Liste von Links, erklärte demnach Microsofts leitender Rechtsberater. Microsoft-Chef Satya Nadella räumte laut der Gerichtsunterlagen gar unter Eid ein, dass Chatbot-Gespräche den Besuch der Originalquelle ersetzen können.

Offenbar wissen die Konzerne auch, dass das nicht ewig so weitergehen kann – und gar die Zukunft des Web riskiert. „Unsere KI-Content-Strategie hat einen ‚Teufelskreis‘ in Gang gesetzt, der sowohl die Leistung unserer Modelle als auch das gesamte Internet beeinträchtigen wird“, heißt es in einem internen Microsoft-Dokument. Es sei „höchst ungewöhnlich“, dass ein Produkt die eigene wirtschaftliche Grundlage gefährde – denn die Modelle bräuchten genau jene Texte, deren Geschäftsmodell sie untergraben.

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