Mieten in Deutschland: Der Bau-Turbo zündet noch nicht
Stand: 13.08.2026, 18:32 Uhr
Kommentare
Mieten in Deutschland steigen um 3,2 Prozent, Immobilienpreise ziehen an. Der Bau-Turbo der Bundesregierung soll helfen, doch die Wirkung bleibt bislang Ankündigung, nicht Ergebnis.
Wer 2025 eine Wohnung sucht, zahlt drauf. Neuvertragsmieten in deutschen Mehrfamilienhäusern legten im zweiten Quartal um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, wie der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) meldet.
Content Business Punk
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit Partner Business Punk.
Der eigentliche Konflikt liegt aber nicht in dieser Zahl, sondern in der Frage, ob die von der Bundesregierung versprochenen Digital- und Verfahrensreformen überhaupt greifen, bevor der nächste Preisschub kommt. Der VDP, in dem rund 50 Immobilienfinanzierer wie Deutsche Bank, Commerzbank und Sparkassen organisiert sind, stützt seine Daten auf mehr als 700 Banken und reale Vertragsabschlüsse. Das macht die Zahlen belastbarer als viele Umfragewerte, ändert aber nichts am Grundproblem: Es fehlen laut Verband rund eine Million Wohnungen in Deutschland.

Digitalisierte Verfahren sollen Tempo bringen, liefern aber noch keine Wohnung
Die Bundesregierung setzt auf den sogenannten Bau-Turbo und den vereinfachten Gebäude-Typ E, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und technische Standards zu senken. VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt begrüßte den Kurs deutlich: „Dass Planungsverfahren drastisch beschleunigt werden sollen und von übertriebenen technischen Anforderungen abgewichen werden kann, ist genau das richtige Signal an alle Marktakteure.“ Das Problem: Schnellere Verwaltungsprozesse sind kein Ersatz für tatsächlich gebaute Wohnungen.
Zwischen Genehmigung und Bezugsfertigkeit liegen weiterhin Jahre, in denen sich Angebot und Nachfrage weiter entkoppeln können. Die Reform adressiert einen bürokratischen Flaschenhals, nicht die strukturelle Verteilung von Bauaktivität, die laut Tagesschau weiterhin vor allem auf dem Land stattfindet, während Ballungsräume unterversorgt bleiben.
Regionale Schere bleibt größer als jede bundesweite Durchschnittszahl
Bundesweit wirkt der Mietanstieg dramatisch, in den sieben Metropolen zeigt sich ein anderes Bild: Dort legten die Mieten nur um 1,5 Prozent zu, deutlich schwächer als im Bundesschnitt. Düsseldorf verzeichnete mit 3,6 Prozent das stärkste Wachstum, Berlin kam mit 0,6 Prozent kaum vom Fleck. Bei den Immobilienpreisen dreht sich das Verhältnis: Metropolen wuchsen mit 2,1 Prozent stärker als der Bundesdurchschnitt von 1,9 Prozent. Hamburg führte mit 3,8 Prozent, gefolgt von Köln (2,5 Prozent), Frankfurt und Düsseldorf (je 2,4 Prozent). Stuttgart bildete mit 0,7 Prozent das Schlusslicht.
Bemerkenswert: Im ersten Quartal hatten sich Immobilien in Metropolen teils um mehr als vier Prozent verteuert, laut WEB.DE hat sich das Tempo also bereits abgeschwächt. Ein weiterer Faktor bleibt in der öffentlichen Debatte unterbelichtet: Laut Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verknappen auch Bestandsmieter das Angebot, weil sie trotz veränderter Lebenssituation in ihren günstigen, oft nicht mehr passenden Wohnungen bleiben. Das verschärft die Lage in Ballungsräumen zusätzlich, unabhängig von jeder Neubauquote.
Business Punk Check
Der Bau-Turbo ist PR mit Verfallsdatum, solange keine Fertigstellungszahlen folgen. Tolckmitts Lob für die Reform kommt aus einem Verband, dessen Mitglieder von jedem zusätzlichen Baukredit profitieren, das ist keine neutrale Einschätzung, sondern Interessenvertretung mit Mikrofon.
Was belegt ist: schnellere Genehmigungen, niedrigere technische Standards beim Typ E. Was nicht belegt ist: dass daraus kurzfristig neue Wohnungen entstehen. Zwischen Gesetzesreform und Baukran liegt eine Lücke, die kein Pressestatement schließt.
Für Investoren und Bauträger zählt jetzt die Genehmigungsdauer in einzelnen Bundesländern, nicht das bundespolitische Signal. Wer in Neubau-Projekte einsteigt, sollte prüfen, ob die jeweilige Kommune den Bau-Turbo real umsetzt oder nur zitiert. Das Enteignungsverbot für Landesebene, das CDU, CSU und SPD beschlossen haben, verschiebt zusätzlich die politische Risikolage für institutionelle Wohnungsunternehmen.
Auf einen Blick
Die Neuvertragsmieten in deutschen Mehrfamilienhäusern stiegen im zweiten Quartal um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in den sieben Metropolen dagegen nur um 1,5 Prozent. Immobilienpreise legten bundesweit um 1,9 Prozent zu, in Metropolen um 2,1 Prozent, mit Hamburg als Spitzenreiter bei 3,8 Prozent. Der VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt begrüßt die Reformen der Bundesregierung wie Bau-Turbo und Gebäude-Typ E, konkrete Fertigstellungszahlen liegen dazu bislang nicht vor. Laut Instituts der deutschen Wirtschaft verschärfen auch Bestandsmieter in nicht mehr passenden Wohnungen die Angebotsknappheit in Ballungsräumen.