Mieter sind sauer: 18 Baustellen in neuem Quartier – und keine ist fertig
Stand: 28.08.2026, 07:30 Uhr
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Im neuen Quartier Fürstenried West entstehen bis 2030 rund 620 neue Mietwohnungen. Doch die Bewohner klagen über unkoordinierte Bauarbeiten, eine Rattenplage und ausgefallene Sprechstunden.
München – München braucht Wohnungen. Dringend. Doch Bauplätze sind in der Landeshauptstadt Mangelware, und falls es doch ein paar Quadratmeter Fläche gibt, im Grunde unbezahlbar. Da leuchtet ein Projekt wie das Quartier Fürstenried West umso heller, verspricht es doch bis zum Jahr 2030 den Neubau von rund 620 zusätzlichen Mietwohnungen. Zudem sollen die bisherigen rund 1500 Wohnungen umfassend saniert und modernisiert werden. Doch das sorgt bei etlichen der etwa 3000 Bewohner für mächtig Ärger.

München braucht neue Wohnungen – der Bau erfordert Geduld und starke Nerven
In mehreren Mails an unsere Redaktion und bei einem Ortstermin in dem Gebiet im Südwesten Münchens schildern uns einige der Bewohner die aktuelle Situation und zeigen auf Missstände. Seit knapp vier Jahren werde hier gebaut. Erste Ankündigungen von Sanierungsarbeiten in und an den Häusern, die in den Jahren 1968 bis 1972 entstanden, habe es bereits im Jahr 2010 gegeben. „Da wurde ein bisschen gemalert, das war eher eine Instandhaltung als eine Sanierung“, sagt Max Glonner. Der heute 74-Jährige war viele Jahre einer der Hausmeister in dem Wohngebiet. Heute ist er in Rente, aber es ist ihm nach wie vor nicht gleichgültig, wie es den Menschen in den Wohnanlagen geht. Bei unserem Rundgang in der Bellinzonastraße wird er immer wieder gegrüßt.

18 Baustellen gebe es momentan, sagt Max Glonner, „davon sind drei Großbaustellen, und keine ist fertig“. Auf unsere Nachfrage beim Quartiersmanagement Fürstenried West bezüglich der scheinbar unkoordinierten Bauarbeiten erhielten wir folgende Antwort: „Die pauschale Behauptung, die Baustellen seien unkoordiniert oder die Arbeiten ruhten ohne Grund, weisen wir entschieden zurück. Richtig ist, dass derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig gebaut wird. Gerade dieses parallele Vorgehen dient dazu, die Quartierserweiterung und -erneuerung möglichst schnell abzuschließen.“ Es gebe bei einem Projekt dieser Größenordnung immer wieder Phasen, in denen scheinbar keine sichtbaren Arbeiten stattfinden. Geduld müssen die Bewohner trotzdem noch eine Menge aufbringen: „Der Gesamtzeitplan sieht die Fertigstellung des Quartiers bis 2030 vor und wird nach aktuellem Stand eingehalten.“

„Derzeit keine aktiven Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung“
Angesprochen wurde bei unserem Ortstermin auch eine Rattenplage. Dazu erhielten wir unterschiedliche Antworten. „Einzelnen Hinweisen auf Sichtungen sind wir nachgegangen. Bei Bedarf wurde ein Schädlingsbekämpfer eingeschaltet. Es gibt derzeit keine Hinweise auf einen akuten oder flächendeckenden Befall“, schreibt uns das Quartiersmanagement Fürstenried West auf unsere Anfrage. Der Hausverwaltung Smart Property Management ist dagegen kein Rattenfall bekannt, weswegen es „derzeit keine aktiven Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung“ gebe.

Für einen regelmäßigen Austausch mit den Mietern gebe es die Mietersprechstunde, die zwei Mal pro Woche stattfindet, schreibt uns das Quartiersmanagement. Stimmt schon, sagen die Bewohner, die mit uns sprechen. In letzter Zeit falle diese aber wegen Krankheit und Urlaub nur allzu oft aus.
Auf einmal waren Bauschutt und gelagertes Material weggeräumt
Dass kritische Nachfragen aber durchaus etwas bewirken können, zeigt sich am Baustellenbesuch eines Mitarbeiters des Baureferats. Dieser wollte sich laut Auskunft des Amtes einen Überblick über die Situation beziehungsweise die Auswirkungen der Maßnahmen auf öffentlichem Grund verschaffen. Und siehe da, Bauschutt und gelagertes Material verschwanden.