Milchbauer Frank Cordes für „Landwirt des Jahres“ nominiert – Jury prüft Hof
Stand: 29.08.2026, 16:30 Uhr
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Frank Cordes aus Reeßum bewirbt sich um die Auszeichnung „Landwirt des Jahres 2026" in der Kategorie Rind. Die Jury des Ceres-Award besucht seinen Milchhof an diesem Nachmittag – und diskutiert kontrovers über Kälberhaltung.
Reeßum – Zwei Männer und zwei Frauen stehen in blauen Ganzkörperanzügen und mit Schuhüberziehern aus Plastik auf dem Milchhof von Frank Cordes. Dieser ist für die Auszeichnung „Landwirt des Jahres 2026“ in der Kategorie Rind nominiert. An diesem Nachmittag besucht die Jury des Ceres-Award den Landwirt auf seinem Hof.

Vor dem Hofrundgang geht es in den Besprechungsraum, der über eine schmale Treppe direkt über dem Stall liegt. „Ich habe den Betrieb 1995 von meinem Vater übernommen“, beginnt Cordes. Schon damals hatten sie den ersten Milchroboter. Die anfängliche Zeit sei belastend gewesen, denn „wir hatten keine Zeit mehr für die Familie. Ich glaube, es ging Richtung Burn-out bei uns.“ Daraufhin hätten sie zusammen mit Freunden der Familie den Milchhof Reeßum KG gegründet.
Ceres-Award in Reeßum: Jury prüft Milchhof von Frank Cordes
Für die Zukunft „wollen wir unseren eigenen Körnermais füttern“, berichtet er. Auf dem eigenen Hof könne man ihn einlagern. „Nächstes Jahr wollen wir mit unserem eigenen Biogas Biomethan herstellen“, zählt Cordes weiter auf. Mit EWE sei man bereits in der Genehmigungsphase.
Aus Reeßum erhalte der Landwirt Zuspruch. „Die Gemeinde Sottrum will da“, er zeigt hinter sich aus dem schmalen Fenster auf eine Fläche, „Gewerbe bauen, wo wir die Biogasaufbereitungsanlage hinbauen wollen.“ Einige hätten daraufhin gesagt: „Aber Frank soll seine Anlage bauen können.“
Auch bietet der Hof regelmäßig Tage der offenen Tür an. Der nächste ist diesen Sonntag, den 30. August. „Wir wollen agieren und nicht reagieren“, erklärt Cordes. „Dafür benötigt man Personal.“ Denn „wer mit Bananen bezahlt, bekommt Affen“. Er lacht. „Damit will ich sagen, dass wir einen fairen Lohn bezahlen“, fügt er hinzu. Die Frauen bekämen dasselbe wie die Männer, die schließlich gleich viel arbeiteten, weiß der Bauer. „Außerdem steigt mir meine Frau sonst aufs Dach.“
Neben den Gesundheitsdaten der Kühe, dem Futter – natürlich nur das beste, ohne Sojaschrot und Gentechnik – sowie dem Ertrag haken die Jurymitglieder auch bei den Angestellten nach. „Die Melker kommen alle aus Polen“, erklärt Cordes. Einige wohnen fest vor Ort. Insgesamt beschäftigt der Milchhof 28 Mitarbeiter, 24 davon in Vollzeit.
Für Cordes gehören das Wohl der Beschäftigten und das der Kühe eng zusammen. Gute Arbeitsbedingungen seien die Voraussetzung dafür, dass sich die Mitarbeiter intensiv um die Tiere kümmern könnten – und gesunde Kühe wiederum die Grundlage für eine wirtschaftliche Milchproduktion. „Durch die gute Betreuung der Kühe geben sie mehr Milch“, ist Cordes überzeugt. Wie sich Tierwohl und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden lassen, zeigt sich an der Technik: Der Hof setzt etwa auf neue Melkmaschinen, die schneller und leichter zu bedienen seien. Hinzu kommt ein digitales Kontrollsystem: „Wir können jede einzelne Kuh auf dem PC sehen“, erklärt Cordes. Ebenso alle Gesundheitsdaten. Dadurch wirke es so, als sei die Krankenquote auf seinem Hof hoch, aber „eine Kuh mit kalten Ohren hat bei uns schon Milchfieber“. Das sei wichtig, denn „nur wenn man hinterher ist, hat man weniger Abgänge“, erklärt der Reeßumer.

Dann geht es über den Hof. Cordes läuft vorweg und erklärt. Die Jury fragt, notiert und fotografiert. Es geht zu den Kälbern. Diese stehen derzeit draußen in Einzelhaltung. Aber nicht mehr lange: Ein neuer Innenstall für eine Gruppenhaltung ist in Arbeit. Der Landwirt führt zum Neubau. Hier zischt ein Schweißgerät und zwei Arbeiter hämmern zu Radiomusik. Eines der Jurymitglieder kritisiert: „Unsere Kühe kalben draußen.“ Die geschlossene Haltung sei ein Widerspruch dazu, wie ein Rind leben würde. Cordes sagt: „Ich mache den Betrieb schon eine Weile und ich habe gelernt, dass man auf die Wissenschaft hören sollte.“ Diese besage unter anderem, dass eine Gruppenhaltung tiergerecht sei. Nach den Erfahrungen des Reeßumers hätten die Kälber auch keinen Trennungsschmerz, wenn man sie direkt vom Muttertier trennt. Denn was man nicht kenne, könne man nicht vermissen.
„Da muss ich dir widersprechen“, sagt das Jurymitglied. „Das eine ist extensiv und hier ist es auf einem ganz anderen Level mit einer anderen Züchtung“, so ein anderes Mitglied. Sie selbst hätte „auch schon Kälber im geschlossenen System gehalten und ich hatte immer beste Ergebnisse“. Für die Gruppenhaltung seien 80 Kälber ab einem Alter von einem halben Tag geplant. Um Infektionen vorzubeugen, sollen die Ställe immer mal leer stehen und beheizt werden. „Ich denke, wir können uns die Prophylaxe dann sparen“, sagt der Landwirt. Die Jury hakt nach, wie aktuell gegen Krankheiten vorgebeugt wird. Cordes: „Seit einigen Jahren impfen wir gegen Röteln und Corona.“ Für ihn steht eines fest: „Bei weniger Stress brauchen wir weniger Prophylaxe.“ Und das beginne bei der Gruppenhaltung mit ausreichend Wärme für die Neugeborenen.
Cordes führt die Gruppe zum Silo. „Von 1.300 Maisproben hatten wir die zweitbeste“, erwähnt dieser. Die Jury tritt heran, nimmt das Futter in ihre Hände und riecht dran.
Zurück geht es über den Hof zu den erwachsenen Kühen im Stall. Diese stehen auf einem Gummiboden. Auf Beton rutschten sie aus. „Der Boden ist auch weicher“, erklärt Cordes. Durch die eingearbeiteten Rillen werde Kot von Urin getrennt und es entstehe weniger Ammoniak, weiß der Bauer. Die rund 35 Kühe, die hier stehen, bleiben ruhig, während die kleine Gruppe in ihren blauen Anzügen an ihnen vorbeiraschelt.