Mileis KI-Wette: Was Argentinien anders macht als Europa
Stand: 24.09.2026, 18:49 Uhr
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Europa setzt bei KI auf Regeln, Argentinien auf möglichst wenig präventive Regulierung. Milei macht daraus eine Standortwette – mit offenem Ausgang.
Während Europas Politik neue Technologien zuerst begrenzen will, setzt Argentiniens Präsident auf Freiheit und Tempo. Vor der UN hat Javier Milei erklärt, warum er die Angst vor KI und Fortschritt für den falschen Ratgeber hält.
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Javier Milei hat vor den Vereinten Nationen einen Satz gesagt, den deutsche Unternehmer sich merken dürfen: „Wo viele eine Bedrohung sehen, sehen wir eine Grenze.“ Er meint die künstliche Intelligenz. Während ein Teil der Tech-Elite inzwischen vor den eigenen Maschinen warnt, sie aber gleichzeitig munter fortentwickelt, setzt Argentiniens Präsident auf die Gegenposition: nicht bremsen, sondern machen.

KI als Stecknadelfabrik: Mileis Versprechen vom Produktivitätssprung
Milei zieht dafür eine historische Linie: Buchdruck, Dampfmaschine, Elektrizität und Internet hätten jedes Mal Ängste ausgelöst. Die Katastrophen seien aber ausgeblieben. Stattdessen hätten neue Technologien die Möglichkeiten des Menschen erweitert.
Sein Bild für KI leiht Milei bei Adam Smith: Sie werde die „Stecknadelfabrik des 21. Jahrhunderts“. Smith beschrieb an der Stecknadelproduktion, wie Arbeitsteilung die Produktivität vervielfacht. Milei erwartet von KI den nächsten großen Produktivitätssprung. Daraus macht er Standortpolitik. Argentinien soll zum attraktiven Ort für KI-Entwicklung werden: Energie, Rohstoffe, Talente, Steuervorteile und das Versprechen, künstliche Intelligenz nicht präventiv zu regulieren. Man kann Milei vieles vorwerfen. Unklarheit gehört nicht dazu.
Argentinien gegen den AI Act: Zwei Strategien für dieselbe Technologie
Sein Gegenmodell steht in Brüssel. Europa hat mit dem AI Act das umfassendste Regelwerk für künstliche Intelligenz geschaffen. Seit August werden zentrale Vorschriften durchgesetzt. Anbieter müssen dokumentieren, Transparenzpflichten erfüllen und bei besonders leistungsfähigen Modellen systemische Risiken bewerten und begrenzen. Die EU baut damit die Kontrollarchitektur für eine Technologie, deren wirtschaftliche Möglichkeiten gerade erst sichtbar werden.
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Wie viel Regulierung braucht KI wirklich?
Natürlich braucht KI Grenzen. Niemand will Deepfakes oder Maschinen, die Menschen ohne Kontrolle über existenzielle Fragen entscheiden lassen. Aber Europa hat eine fatale Neigung: Bei neuen Technologien denkt es früh ans Risiko und spät ans Geschäft.
Milei dreht diese Reihenfolge um. Damit steht er auch gegen jene, die künstliche Intelligenz selbst entwickeln. OpenAI-Chef Sam Altman warnt vor Szenarien, in denen Menschen die Kontrolle über KI verlieren oder enorme Macht bei einzelnen Unternehmen, Personen oder Staaten landet. Andere Forscher gehen weiter und diskutieren sogar existentielle Risiken für die Menschheit. Mileis Antwort darauf lautet: „Prudencia no significa miedo“ – Vorsicht bedeutet nicht Angst. Dieser Satz trifft den Kern der Auseinandersetzung besser als hundert Seiten Regulierung. Denn natürlich weiß Milei nicht, wohin KI führt. Altman weiß es allerdings auch nicht.
Für den Mittelstand ist das keine philosophische Debatte. KI entscheidet über Produktivität, Entwicklungskosten, Verwaltung und Geschwindigkeit. Die EU dagegen will Weltmeister im Regulieren einer Technologie werden, deren Weltmarktführer anderswo sitzen. Argentinien hat sich für die andere Wette entschieden. Milei verspricht der KI keinen sicheren Ausgang. Er verspricht ihr zunächst einmal einen Platz.