Milliardäre verbieten bei der Erziehung ihrer Kinder etwas, das andere täglich machen

Stand: 14.07.2026, 19:53 Uhr

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Tech-Unternehmer halten von ihren Kindern in der Erziehung etwas fern, das andere Jugendliche täglich mehrere Stunden nutzen. Eine Pädagogin erklärt die Folgen.

Hamburg – Tiktok, Snapchat und Youtube: Viele Kinder und Jugendliche nutzen diese und ähnliche Anwendungen täglich – teilweise sogar stundenlang. Expertinnen und Experten plädieren dafür, den Zugang zu einigen Social-Media-Apps einzuschränken. Australien hat 2025 als weltweit erstes Land ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren umgesetzt. Mehrere EU-Länder wollen nachziehen; in Frankreich wird die Nutzung von sozialen Medien ab September dieses Jahres für unter 15-Jährige verboten. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Forderungen nach einem solchen Mindestalter.

Kleines Mädchen weint

Mehrere Tech-Unternehmer haben erklärt, dass sie die Bildschirmzeit ihrer Kinder stark einschränken. (Symbolbild) © IMAGO / Depositphotos

Deutsche Jugendliche verbringen rund vier Stunden täglich am Smartphone. Das ergab die repräsentative JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK) aus dem Jahr 2025. 95 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone und nutzen dieses auch regelmäßig. Die meistgenutzten Apps sind Whatsapp, gefolgt von Instagram, Snapchat, Tiktok und Youtube. Während Whatsapp vor allem zur Kommunikation mit Freundinnen und Freunden genutzt wird, dienen die übrigen vier Apps auch der Unterhaltung, etwa mit Video- und Storyformaten.

Tech-Milliardäre setzen Kindern Grenzen am Bildschirm

Bildschirmzeiten fangen früh an: Schon kleine Kinder bekommen zur Beruhigung von ihren Eltern Smartphones oder Tablets in die Hand – und schauen darauf Kinderserien auf Youtube und anderen Videodiensten. Ausgerechnet Tech-Milliardäre aber schirmen ihre eigenen Kinder von ihren Produkten ab. Bereits 2010 sagte Apple-Gründer Steve Jobs der New York Times, dass seine eigenen Kinder nie ein iPad benutzt haben und er „limitiert, wie viel Technologie unsere Kinder zu Hause nutzen“.

Auch weitere Tech-Größen sprechen sich gegen eine Nutzung von Kurzvideos und sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen aus. Der Mitgründer von Youtube, Steve Chen, sagte 2025, dass er nicht möchte, dass seine eigenen Kinder Kurzinhalte konsumieren. Es sei besser, wenn Kinder nur Videos schauen dürften, die länger als 15 Minuten sind – „Kurzvideos führen zu kürzeren Konzentrationsspannen.“ Auch der Tech-Unternehmer und Facebook-Investor Peter Thiel erklärte 2024, dass er seinen Kindern nur eineinhalb Stunden Bildschirmzeit in der Woche erlauben würde. Und Elon Musk, der seit 2022 X besitzt, sagte, es sei ein „Fehler“ gewesen, seinen Kindern keine Grenzen für ihre Social-Media-Nutzung gesetzt zu haben.

Expertin: Besonders für Kinder hat Bildschirmnutzung negative Folgen

Auch Fachleute warnen vor einer zu frühen und intensiven Nutzung von digitalen Medien. Eine Meta-Analyse von 71 Studien mit insgesamt fast 100.000 Teilnehmenden zeigt: Wer viele Kurzvideos auf Tiktok und ähnlichen Apps schaut, leidet häufiger unter Konzentrationsproblemen, eingeschränkter Impulskontrolle sowie erhöhtem Stress und Angst.

„Problematische Nutzung kann negative Folgen haben“, sagt Paula Bleckmann, Professorin für Medienpädagogik an der Alanus Hochschule, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Darunter Übergewicht, Schlafstörungen und schlechtere Schlafqualität, Schwierigkeiten mit Gefühlsregulation, Konzentrationsprobleme, Sprachverzögerungen, Empathieverlust.“

Die Bildschirmnutzung entziehe den Kindern Lebenszeit, die für reale Erfahrungen fehle. „Kleinkinder brauchen keine Bildschirme, sondern echtes Leben – Sinneseindrücke, Kontakt zu Bezugspersonen. Das ist der Motor für neuronales Wachstum.“ Wenn Kinder derart früh mit digitalen Medien in Kontakt kommen, bestehe besondere Gefahr für ein späteres suchtartiges Verhalten. Das Risiko entstehe besonders dann, „wenn Kinder mit Bildschirmzeit belohnt oder bestraft werden“. Das störe die Selbstregulation von Kindern. Zudem sollten Kinder so spät wie möglich ein eigenes Gerät erhalten – bestenfalls nicht vor Beginn der weiterführenden Schule, erklärt Bleckmann. „Ein eigenes Tablet oder Smartphone im Kindergarten‑ oder Grundschulalter ist keine gute Idee.“ (Quellen: JIM-Studie (2025), Fortune, Nguyen et al. (2025), New York Times, eigene Recherche)