Millionen HU-Daten ausgewertet: Große E-Auto-Studie räumt mit Mythen auf – und enthüllt das echte Problem

Millionen HU-Daten ausgewertet: E-Autos schlagen Verbrenner bei Langlebigkeit

Stand: 24.09.2026, 13:24 Uhr

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Wie zuverlässig sind gebrauchte E-Autos mit vielen Kilometern auf dem Tacho wirklich? Eine Datenauswertung aus Großbritannien liefert überraschende Erkenntnisse.

London – Elektroautos erfreuen sich seit Anfang des Jahres in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Die Neuzulassungen reiner Stromer sind deutlich angestiegen – was unter anderem mit der E-Auto-Prämie als auch den extrem hohen Spritpreisen zusammenhängt. Auch gebrauchte E-Autos werden speziell wegen der Treibstoffkosten inzwischen immer interessanter. Nur: Wie sieht es mit der Langlebigkeit von Stromern aus? Viele haben Sorge, das schwere Batteriepack in Elektroautos führe mit der Zeit bei Fahrwerk und anderen Komponenten zu schnellerem Verschleiß als bei Verbrennern. Eine neue Analyse im Auftrag der britischen Fahrzeug-Vermietungs- und Leasing-Vereinigung BVRLA räumt mit diesem Bild auf.

Stecker am E-Auto

Wie steht es um die Langlebigkeit von E-Autos? Eine Studie aus Großbritannien hat dazu eine große Menge von Daten aus Hauptuntersuchungen ausgewertet. (Symbolbild) © Manngold/Imago

Für die Studie wurden 47,4 Millionen britische Hauptuntersuchungen (MOT) aus den Jahren 2024 bis 2026 ausgewertet, dazu historische Daten von 141 Millionen Fahrzeugen. Das Ergebnis: Wer Elektroautos und Verbrenner nur nach Alter vergleicht, kommt zu einem falschen Schluss. E-Autos fallen bei gleichem Alter zunächst häufiger durch – allerdings legen sie im Median auch deutlich mehr Kilometer zurück, weil sie oft als Firmen- oder Leasingwagen genutzt werden (mittlere Laufleistung bei der ersten HU nach drei Jahren bei E-Autos: 43.568 Kilometer, bei Verbrennern: 32.990 Kilometer). Rechnet man diese höhere Fahrleistung heraus, dreht sich das Bild komplett.

E‑Autos vs. Verbrenner: Der Wendepunkt liegt bei rund 97.000 Kilometern

Bis zu einer Laufleistung von rund 65.000 Kilometern unterscheiden sich E-Autos und Benziner bei der Hauptuntersuchung kaum. Doch jenseits von etwa 97.000 Kilometern öffnet sich die Schere: Während die Durchfallquote bei Benzinern und Diesel-Fahrzeugen weiter steigt und bei über 190.000 Kilometern auf über 23 Prozent klettert, pendelt sie sich bei Elektroautos bei rund 16 Prozent ein. Ab dieser Laufleistung fallen E-Autos also deutlich seltener durch als vergleichbare Verbrenner.

Auch bei der Langlebigkeit zeigt sich ein klarer Vorteil: Von den 15 Jahre alten Elektroautos sind laut der Untersuchung noch 94,6 Prozent im Straßenverkehr aktiv – bei Benzinern sind es nur 88,1 Prozent. E-Autos bleiben demnach mehr als doppelt so oft im Betrieb wie gleichaltrige Benziner, statt verschrottet oder exportiert zu werden.

Modelle im direkten Vergleich: Verbrenner gegen E-Auto

Direkte Modellvergleiche stützen den Trend: Bei neun Fahrzeugpaaren mit identischer Karosserie, aber unterschiedlichem Antrieb – etwa VW e-Up gegen den Benziner-Up oder Hyundai Kona Elektro gegen die Benzinversion – gewinnt die E-Variante fünfmal, dreimal gibt es ein Unentschieden. Nur beim VW e-Golf schneidet der Verbrenner besser ab.

Schwachstellen von E-Autos: Wo es laut der Studie hakt

Allerdings legt die Studie auch die Schwachstellen von Elektroautos offen: Reifen verschleißen demnach bei E-Autos rund 1,8-mal schneller, weil das hohe Gewicht und das sofort verfügbare Drehmoment zu höheren Belastungen führen. Besonders betroffen sind der Untersuchung zufolge Modelle, bei denen einfach eine Batterie in ein bestehendes Benziner-Fahrgestell eingebaut wurde – ohne entsprechende Fahrwerks-Anpassungen. Vor allem bei älteren E-Autos mit wenig Laufleistung rosten außerdem Bremsscheiben leichter, weil die Bremsen durch die Rekuperation seltener beansprucht werden.

Ein wichtiger Vorbehalt bleibt: Die Hauptuntersuchung prüft die reine Fahrsicherheit – Bremsen, Reifen, Fahrwerk, Beleuchtung. Der Zustand der Batterie selbst, also Kapazitätsverlust oder Ladeverhalten, wird davon nicht erfasst. Wer einen gebrauchten Stromer kauft, sollte sich daher trotz der guten HU-Bilanz zusätzlich den Akkuzustand unabhängig prüfen lassen. (Quelle: BVRLA & Ben Kilbey Used Electric Vehicle Durability Report) (sop)