Minijob-Reform stößt bei Gastronomen und Händlern auf Kritik
Stand: 20.07.2026, 06:06 Uhr
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Die Rentenkommission will den Sonderstatus von Minijobs streichen. Gastwirte und Einzelhändler im Altkreis Münden warnen vor Personalproblemen.
Altkreis Münden – Die Rentenkommission schlägt vor, Minijobs zu reformieren. Ihr steuer- und sozialversicherungspflichtiger Sonderstatus soll abgeschafft werden und es soll – ohne Ausnahmemöglichkeit – in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden. Besondere Regeln soll es nur noch für Schüler und Studenten geben. Der Vorschlag stößt in den Branchen, in denen es viele geringfügig Beschäftigte gibt, nicht gerade auf Gegenliebe. So ist es auch im Altkreis Hann. Münden.
Verhältnis hat sich verschoben
In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Verhältnis von ausschließlich im Minijob arbeitenden Menschen zu der Gruppe, die den Minijob zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung hat, verschoben. So sank die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten im Agenturbezirk Göttingen von Dezember 2015 bis Dezember 2025 um 15,5 Prozent auf 23.585. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der im Nebenjob beschäftigten geringfügig entlohnten Beschäftigten um 28,8 Prozent auf 15.620 angestiegen.
„Das würde uns hart treffen. Wir haben schon jetzt Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden“, sagt Guido Einecke, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Hann. Münden. Minijobs seien für viele ansprechend, weil der Verdienst nahezu vollständig ausgezahlt wird. Wenn Arbeitnehmer höhere Renten- und Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssten, würden diese Jobs unattraktiver und Personalprobleme sich verschärfen, ist sich Gastwirt Einecke sicher. In der Gastronomie seien Minijobber aber unerlässlich, um die Herausforderungen in Spitzenzeiten, etwa in den Abendstunden oder saisonal bedingt, abzufangen. „Mit der Reform würde viel Flexibilität verloren gehen.“ Für Arbeitgeber, aber auch Arbeitnehmer. Denn vielfach würden Minijobber nicht von diesem Job leben, sondern sich etwas dazuverdienen, und sie hätten gar kein Interesse an einer Voll- oder Teilzeitstelle.
„Wir haben etwa drei bis vier Aushilfen auf Mindestlohnbasis“, schildert der Dehoga-Co-Vorsitzende Angelo Angelili, der in Münden das Restaurant Antico & Abruzzo, sowie das Hotel Eisenbart betreibt. „Ohne diese Unterstützung wären die Sommermonate undenkbar“, führt er weiter aus. Bisher hätte es laut Angelili für alle Beteiligten gepasst, dass die Minijobs flexibel angelegt sind: „Viele können sich so eine Scheibe Brot obendrauf verdienen.“
Auch im Einzelhandel spielen Minijobs eine wichtige Rolle: Beim Mündener Edeka Daube sind nach eigenen Angaben bis zu 35 Aushilfskräfte auf Minijobbasis beschäftigt. Klassisches Aufgabenfeld ist hier das Wareneinräumen, seltener Aushilfe an der Kasse oder Theke in den Abendstunden. „Das machen vor allem Schüler, Studenten und Rentner“, erklärt Kaufmann Bertram Daube. Entsprechend schwer sei abzuschätzen, wie sich die diskutierte Regelung auswirkt – Schüler sollen ja zum Beispiel ausgenommen sein. In jedem Fall lohne es sich aber nicht, für das Einräumen Beschäftigte in Voll- oder Teilzeit einzustellen: „Wir benötigen dann viele Helfer im Laden.“
Im Bezirk Göttingen der Arbeitsagentur gab es im Dezember 2025 39.205 geringfügig entlohnte Beschäftigte. Zum Vergleich: Im Dezember 2015, gab es im Agenturbezirk 40.036 geringfügig entlohnte Beschäftigte. Das entspricht einem Rückgang von 2,1 Prozent.