Minijobs vor dem Aus? Viele aus dem Landkreis sind dagegen

Stand: 20.07.2026, 06:04 Uhr

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Die Rentenkommission will den Sonderstatus von Minijobs abschaffen.

Die Rentenkommission will den Sonderstatus von Minijobs abschaffen.  © Peter Kneffel/dpa

Die Rentenkommission will den Sonderstatus von Minijobs abschaffen. Marika Hofmann aus Immenhausen zum Beispiel fragt sich dann, wer in ihren drei Edeka-Märkten noch die Regale auffüllen soll.

Kreis Kassel – Das mögliche Aus für Minijobs in ihrer bisherigen Form sorgt für kontroverse Diskussionen – auch im Kreis Kassel. Die Rentenkommission hat vorgeschlagen, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobbern abzuschaffen. Künftig sollen die Beschäftigten in Renten-, Pflege- und Krankenkasse einzahlen. Ausnahmen soll es nur für Schüler geben. Für Arbeitgeber würden die Abgaben steigen. Die größte Gruppe der Minijobber arbeitet im Bereich Handel und Gastronomie.

Mehr Minijobs neben Hauptberuf

Ausschließlich geringfügige Beschäftigungen hätten zwar abgenommen. Zusätzliche Minijobs zum Hauptberuf seien aber mehr geworden, teilt die Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage mit. In der Stadt Kassel gibt es derzeit 24.451 Minijobber. Davon sind 14.024 ausschließlich Minijobber und 10.427 im Nebenjob geringfügig beschäftigt. Im Landkreis sind es 17.859 geringfügig Beschäftigte. 9854 Menschen sind ausschließlich Minijobber, 8005 im Nebenjob geringfügig beschäftigt.

„Da wird mir angst und bange“, sagt Marika Hofmann. Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas betreibt sie Edeka-Märkte in Immenhausen, Zierenberg und Fuldabrück. In den drei Märkten beschäftigen die Hofmanns etwa 50 Minijobber. Sie befürchtet, dass viele aufhören, wenn die Bundesregierung ihre Pläne umsetzt.

Unter den Minijobbern sind viele Rentner. „Die werde ich nicht dazu bewegen können, in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu gehen“, erwartet Marika Hofmann. Für sie lohne es sich dann nicht mehr, auf Steuerkarte zu arbeiten. Und das gelte vermutlich auch für die, die noch nicht das Rentenalter erreicht haben. Das seien wertvolle Mitarbeiter, die sehr zuverlässig und flexibel seien.

„Ich wüsste nicht, wer bei uns die Regale auffüllen soll, wenn die Minijobber wegbrechen“, ergänzt die Chefin. Beim Verräumen der Ware helfen in den drei Geschäften die meisten Minijobber. Marika Hofmann verweist auch darauf, dass einige das Geld benötigen, das sie bisher unversteuert verdienen konnten.

Entspannter sieht Klaus Vering, Leiter der Hofgeismarer Altenheime der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen, die Entwicklung. Im Pflegebereich setze die Altenhilfe keine Minijobber ein. Das schließe die Tarifbindung aus, außerdem sei das Betreuungskonzept der Altenhilfe nicht mit Minijobbern zu realisieren.

Im Fahrdienst der Tagespflege bietet die Altenhilfe derzeit neun Menschen die Möglichkeit, sich zu ihrer Rente etwas hinzuzuverdienen. Sollten die Minijobs wegfallen, sieht Vering „eine realistische Möglichkeit, um diese Beschäftigung für Menschen im Ruhestand nicht zu zerstören“. Unter der Überschrift Aktivrente sei einiges möglich.

Aus Sicht von Lukas Frankfurth, Betreiber der Bad Emstaler Höhe in Bad Emstal und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), wäre die Umsetzung der Pläne eine ganz schlechte Idee. „Das sind zum Teil Menschen, die auf den Minijob angewiesen sind, wie Alleinerziehende.“

Diese würden durch eine neue Regelung genauso bestraft wie die Betriebe, auf die Mehrkosten zukommen. Frankfurth befürchtet mehr Schwarzarbeit durch Änderungen beim Minijob. (Bernd Schünemann, Julian Brückmann, Bea Ricken)