Viviane Obenauf wehrt sich gegen Therapie – und sieht es als Kampf ihres Lebens

Publiziert3. August 2026, 20:36

Ex-ProfiboxerinMit Brian Keller: Mörderin Obenauf wehrt sich gegen Therapie

Das Berner Justizvollzugsamt will eine ambulante Therapie für die ehemalige Profiboxerin aus Brasilien. Nun geht sie mit einer Beschwerde gegen die Massnahme vor, weil sie die Vorwürfe weiterhin zurückweist.

Benedikt Hollenstein

Darum gehts

  • Die wegen Mordes verurteilte Ex-Boxweltmeisterin Viviane Obenauf wehrt sich per Beschwerde gegen eine angeordnete ambulante Therapie.
  • Das Berner Justizvollzugsamt will mit der «deliktorientierten Therapie» den Mord aufarbeiten und das Rückfallrisiko beurteilen.
  • Obenauf bestreitet die Tat weiterhin und argumentiert, eine Therapie setze ein Schuldeingeständnis voraus.

Der Fall der ehemaligen Boxweltmeisterin Viviane Obenauf beschäftigt die Schweizer Justiz seit Jahren: Die Brasilianerin wurde Anfang 2025 wegen Mordes rechtskräftig zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Oktober 2020 soll sie ihren Ehemann, einen Wirt aus Interlaken, mit einem Baseballschläger erschlagen und dabei getötet haben.

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Das Urteil stützt sich auf eine Vielzahl von Indizien, darunter Blutspuren auf ihrem Schuh und weitere forensische Erkenntnisse. Obenauf bestreitet die Tat bis heute und kämpft öffentlich für ihre Unschuld – aktuell mit einer Beschwerde gegen eine ambulante Therapie.

Das soll die Therapie erreichen

Denn die Berner Vollzugsbehörden haben für die 39-Jährige eine sogenannte deliktorientierte Therapie angeordnet. Diese soll den Mord aufarbeiten und das Rückfallrisiko beurteilen. Dagegen wehrt sich die 39-Jährige vor Gericht. Sie argumentiert, eine Therapie setze ein Schuldeingeständnis voraus. Dieses könne sie aber nicht abgeben, da sie sich weiterhin als unschuldig betrachtet.

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Der Fall werfe grundsätzliche Fragen zum Schweizer Strafvollzug auf, schreibt die «Aargauer Zeitung»: Im Prozess hatten die Gerichte nämlich weder ein Gutachten noch eine Therapie für die Boxerin angeordnet, weil keine Hinweise auf eine psychische Störung bestanden hätten.

Brägger: Beschuldigte sollen Mitwirkungsrecht haben

Die jetzt angeordnete ambulante Therapie basiert auf der Risikoeinschätzung zu Obenauf – und genau hier liegt aus Sicht von Benjamin Brägger, einem der bekanntesten Justizvollzugsexperten der Schweiz, das Problem. Wie er erklärt, könne die Risikoabklärung schnell wie ein Gutachten wirken, die Betroffenen hätten aber weniger Rechte als bei einem gerichtlichen Gutachten. Er fordert deshalb, dass die Beschuldigten im Zuge solcher Abklärungen die gleichen Mitwirkungsrechte wie bei einem Gerichtsprozess haben sollen.

Das Gegenargument des Autors der «Aargauer Zeitung»: «Wer zu 18 Jahren Freiheitsentzug verurteilt ist, hat kein Grundrecht auf Lockerungen und eine vorzeitige Entlassung. Das sind Privilegien, die sich eine Mörderin erarbeiten muss.» In der Vergangenheit hatte das Justizvollzugsamt der 39-Jährigen auch angeboten, die Haftstrafe in ihrem Heimatland in Brasilien abzusitzen. Dadurch würde die Schweiz die knapp drei Millionen Franken, die die voraussichtlich 18-jährige Inhaftierung der Ex-Profiboxerin den Steuerzahler schlussendlich kosten dürfte, einsparen. Sie lehnte das Angebot ab, da sie in der Nähe ihres Sohnes bleiben wolle.

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Unterstützung bekommt Obenauf auch von Brian Keller: Der wohl berühmteste Ex-Häftling der Schweiz besuchte die verurteilte Boxerin im Oktober 2025 anlässlich ihres Geburtstages hinter Gittern. «Schon als ich ihn sah, wusste ich: Das wird ein guter Tag», schreibt Obenauf dazu auf ihrer Website, die von Unterstützern der 39-Jährigen betreut wird. Die fortwährende Gegenwehr gegen die Justiz beschreibt sie dort als den Kampf ihres Lebens.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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