Rauchen aufhören: Experte verrät 3 Tipps, mit denen es klappt – „Kombination“
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Rauchen zählt zu den größten Gesundheitsrisiken und kostet im Schnitt zehn Lebensjahre. Warum schon wenige Zigaretten das Krebsrisiko erhöhen, ob E-Zigaretten weniger schädlich sind und wie der Rauchstopp gelingen kann, erklärt Dr. Felix Bertram im Interview und im FUNKE-Podcast „Länger Leben“. Er selbst ist seit über zehn Jahren rauchfrei.
Herr Dr. Bertram, wie viele Lebensjahre kostet mich das Rauchen statistisch gesehen?
Felix Bertram: Wer raucht, verliert im Durchschnitt etwa zehn Lebensjahre gegenüber jemandem, der nie geraucht hat. Pro Zigarette verliert man statistisch gesehen ungefähr elf Minuten Lebenszeit. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann jedoch – abhängig vom Alter – fast alle verlorenen Lebensjahre zurückgewinnen. Ein Rauchstopp lohnt sich deshalb immer und zu jeder Zeit.
Beim Rauchen denken viele zuerst an Lungenkrebs. Welche gesundheitlichen Risiken gibt es noch?
In Deutschland sterben etwa 130.000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. Rund 40 Prozent dieser Todesfälle gehen auf Krebs zurück. Zwei Drittel davon sind Lungenkrebs, hinzu kommen unter anderem Bauchspeicheldrüsen-, Blasen- und Speiseröhrenkrebs. Etwa ein Drittel der tabakbedingten Todesfälle entfällt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, etwa ein Viertel auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).
Rauchen: Sind E-Zigaretten genauso schädlich?
Macht es einen Unterschied, ob jemand sechs Zigaretten oder eine ganze Schachtel am Tag raucht?
Natürlich macht die Menge einen Unterschied, aber das Risiko steigt nicht linear an. Die Risikokurve steigt bereits bei wenigen Zigaretten am Tag sehr steil und flacht später ab. Wer sechs Zigaretten täglich raucht, befindet sich also schon sehr weit oben auf dieser Kurve. Deshalb gilt wie beim Alkohol: Es gibt keine gesunde Menge.
Welche Stoffe in der Zigarette sind besonders schädlich?
Nikotin treibt die Abhängigkeit an, erhöht aber auch Herzfrequenz und Blutdruck und verengt die Gefäße. Die großen tabakbedingten Krebserkrankungen entstehen aber vor allem durch die Verbrennungsprodukte. Dazu gehören unter anderem Feinstaub und Kohlenmonoxid. Schädlich ist also die Kombination aus Nikotin und den Stoffen, die beim Verbrennen des Tabaks entstehen.
Sind E-Zigaretten und Tabak-Erhitzer eine „gesündere“ Alternative?
Sie sind weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, weil keine Verbrennung stattfindet. Harmlos sind sie aber nicht. Sie enthalten weiterhin ultrafeine Partikel, Metalle und Reizstoffe. Problematisch ist außerdem, dass viele Menschen E-Zigaretten und Tabakzigaretten parallel verwenden. Dann ist der gesundheitliche Vorteil praktisch null, weil schon wenige herkömmliche Zigaretten das Risiko deutlich erhöhen. Eine Risikoreduktion ist nur dann zu erwarten, wenn vollständig auf die weniger schädliche Alternative umgestiegen wird.
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Rauchen aufhören: Mit diesen Entzugserscheinungen muss man rechnen
Warum sind Zigaretten so ein starkes Suchtmittel?
Nikotin erreicht das Gehirn sehr schnell und aktiviert dort das Belohnungssystem. Gleichzeitig koppeln wir das Rauchen an bestimmte Gewohnheiten: die Zigarette zum Kaffee, nach dem Essen, in einer Arbeitspause oder abends zu einem Glas Wein. So verbinden sich körperliche Abhängigkeit, Belohnung und Ritual. Genau diese Kombination macht es so leicht, sich das Rauchen anzugewöhnen, und so schwer, wieder damit aufzuhören.
Was ist der bessere Weg, wenn man aufhören will: Sollte man die Zahl der Zigaretten langsam reduzieren oder sofort komplett aufhören?
Wenn man sich für einen Weg entscheidet, ist das sofortige Aufhören erfolgversprechender. Eine britische Studie aus dem Jahr 2016 verglich den abrupten Rauchstopp mit einer schrittweisen Reduktion. Nach einer gewissen Zeit waren in der Gruppe, die sofort aufgehört hatte, noch 50 Prozent rauchfrei. In der Reduktionsgruppe waren es 40 Prozent.
Mit welchen Entzugserscheinungen muss man rechnen?
Die ersten vier bis fünf Tage sind meist am unangenehmsten. Typisch sind starkes Verlangen, Reizbarkeit, Unruhe, Konzentrations- und Schlafprobleme sowie mehr Appetit. Das sollte aber niemals ein Argument sein, nicht aufzuhören. Nach einigen Wochen wird es normalerweise besser. Das gelegentliche Verlangen kann bei manchen Menschen noch über Wochen oder Monate auftreten und ist sehr individuell.

Im FUNKE-Podcast „Länger Leben“ sprechen Redakteurin Natalja Fischer und Longevity-Experte Dr. Felix Bertram darüber, wie wir bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben können.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen
Mit dem Rauchen aufhören: Mit diesen Tipps kann es gelingen
Was erhöht die Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp?
Am besten wirkt eine Kombination verschiedener Maßnahmen: Verhaltenstherapie, ärztliche Beratung und Nikotinersatzprodukte. Pflaster geben das Nikotin über einen längeren Zeitraum ab und sorgen für eine Grundabdeckung. Kaugummis oder Sprays wirken schneller und können akutes Verlangen abfedern. Bei starker Abhängigkeit oder mehreren gescheiterten Versuchen kommen auch Medikamente infrage.
Und was ist mit Hypnose oder Akupunktur?
Für deren Wirksamkeit gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz. Ich kenne allerdings Menschen, denen es damit gelungen ist. Ob dabei ein Placeboeffekt eine Rolle spielt, ist für die Betroffenen letztlich zweitrangig. In fachkundigen Händen sind Hypnose und Akupunktur in der Regel unkritisch, und man kann das natürlich ausprobieren.
Wie sollte man den Ausstieg konkret vorbereiten?
Zunächst sollte man einen festen Stichtag wählen, möglichst in einer Phase mit geregeltem Alltag und ohne große Belastungen. In einer Verhaltenstherapie lassen sich typische Auslöser identifizieren und durch andere Handlungen ersetzen. Wer beispielsweise nach dem Essen raucht, könnte stattdessen die Zähne putzen. Alkohol sollte man zunächst vermeiden, weil er Hemmschwelle und Willenskraft senkt. Hilfreich ist auch, das Umfeld zu informieren oder gemeinsam mit einer anderen Person aufzuhören.
Lesen Sie hier alle Tipps von Longevity-Doc Felix Bertram
Regeneration: Was passiert, wenn man aufhört zu rauchen
Was raten Sie nach einem Rückfall?
Rückfälle gehören dazu und dürfen einem nicht den Mut nehmen. Wichtig ist, die Situation zu analysieren: War Stress der Auslöser? Ein bestimmtes Ritual? Alkohol? Danach sollte man eine Lösung finden und möglichst sofort wieder in den Rauchstopp zurückkehren. Ein Rückfall ist kein Grund, den gesamten Versuch aufzugeben.
Wie schnell erholt sich der Körper, wenn man aufgehört hat zu rauchen?
Die Kondition verbessert sich häufig schon innerhalb weniger Wochen. Das Kohlenmonoxid im Blut sinkt rasch, man bekommt besser Luft und hat mehr Energie. Auch die langfristigen Risiken gehen zurück. Nach ungefähr zehn Jahren Rauchstopp liegt das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, etwa halb so hoch wie bei Menschen, die weiterrauchen. Bis sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall entsprechend reduziert, können 20 bis 25 Jahre vergehen. Entscheidend sind unter anderem Rauchdauer, konsumierte Menge und das Alter beim Aufhören.
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Sie selbst haben 20 Jahre lang geraucht. Wie haben Sie aufgehört?
Ich habe mit Ende 30 von einem Moment auf den anderen aufgehört. Damals habe ich keine begleitende Verhaltenstherapie oder andere Hilfen genutzt, sondern es mit Willenskraft geschafft. Das ist möglich, aber die Willenskraft muss sehr stark sein. Heute würde ich die Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen. Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Den Rauchstopp gut planen, vorhandene Hilfe nutzen und sich von Rückfällen nicht entmutigen lassen.