Mit Helm, aber ohne Schlüppi durch Berlin: Erster World Naked Bike Day radelt durch die Hauptstadt
Sie ziehen blank – und fahren mit dem Fahrrad nackt durch Berlin: Am Sonntagvormittag ist in der Hauptstadt zum ersten Mal der Nacktradel-Tag, auch „World Naked Bike Ride“ genannt, gestartet. Etwa 500 bis 700 Menschen sind mit dabei. Bis circa 17 Uhr soll die fahrende Demonstration der Freikörperkultur (FKK) vom Mauerpark aus größtenteils entlang des Berliner Mauerwegs bis nach Schönefeld ziehen – 33 Kilometer lang.
Gegen 12 Uhr setzte sich der Tross an der Max-Schmeling-Halle in Bewegung. Die Mehrheit der Radelnden ist männlich und geschätzt über 50 Jahre alt, Frauen und jüngere Teilnehmer sieht man eher vereinzelt.
Mit dabei ist auch Vio. Sie ist mit ihrem Mann extra aus Aschaffenburg zur Demo gekommen – und wünscht sich, dass die Gesellschaft „ein bisschen offener ist für Nacktsein“. Seit 28 Jahren praktiziere sie selbst FKK – der World Naked Bike Day sei aber ihre erste Demonstration dafür.

© Tizian Glaser/[B]TSP
Jörg Meier aus Westfalen, 70, fährt als Ordner bei der Demonstration mit. „Uns ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Naturismus, also natürliche Nacktheit, nichts Verrücktes oder Anstößiges ist“, sagt er. „Wir wollen niemanden provozieren. Aber Nacktheit ist etwas Normales.“

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Jack aus der Schweiz, 50, ist gerade als Tourist in Berlin und entdeckt die Stadt. Er mag den frischen Wind auf der Haut, erzählt er kurz vor dem Start. „Es gibt nichts Besseres.“ Ihm geht es nicht nur um die Nacktheit, sondern vor allem darum, Rechte für Fahrradfahrer zu erkämpfen. „Wir haben sonst keine Aufmerksamkeit“, erzählt er. Autofahrer hätten zu wenig Respekt vor Radfahrern. „Da muss man sich einfach mal zeigen“, sagt er.
Ralf Sprenger, 58, ist einer der Mitorganisatoren. Er ist Mitglied der Taunus-Nackt-Mountainbike-Gruppe – einer Gruppe von Naturisten, die gerne in der Natur nackt Rad fährt. Normalerweise initiiert er Touren im Hohen Taunus und Hintertaunus – nun in Berlin.
Seit Jahren habe die Naturisten-Gemeinschaft versucht, ein solches Event hier zu organisieren. Die Hauptstadt habe für solch eine Veranstaltung eine gewisse Strahlkraft und eine Symbolik, sagt Sprenger – auch für künftige Demonstrationen in anderen Städten.

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„Als Naturisten ist für uns Nacktheit etwas völlig Natürliches. Wir wollen zeigen, dass natürliche Nacktheit nicht mit sexuellen Handlungen verbunden ist und man mit Nacktheit einen sehr guten Zugang zu seinem eigenen Körper finden kann“, sagt Sprenger.
Nacktheit sei gut für Körper und Psyche. Es gehe um Selbstakzeptanz und die Auseinandersetzung mit sich selbst. „Das ist genau das, was wir hier leben wollen“, sagt der 58-Jährige. Und zwar bewusst in der Öffentlichkeit: „Das, was wir hier ausleben, ist ein ganz hoch erkämpftes Recht unserer Demokratie, nämlich die Versammlungsfreiheit. Dass das nicht jedem recht ist, ist eine Sache. Aber wir dürfen nicht etwa wegen entsprechender Ressentiments freiwillig auf dieses Recht verzichten“, sagt er.