Eintracht Frankfurt: Torwart Kaua Santos überzeugt gegen Hull City

Den Konkurrenzkampf im Eintracht-Tor führt Kaua Santos nicht im Stillen. Der 23-Jährige ist laut – und setzt damit den richtigen Ton auf dem Fußballplatz. Beim 2:0-Sieg im Testspiel gegen den Premier-League-Aufsteiger Hull City, das auf Initiative beider Teams auf 120 Minuten Spieldauer angelegt war, dirigierte der Torhüter umsichtig Frankfurts Hintermannschaft und begleitete die Spielzüge aufmerksam mit Kommentaren. Auf den Brasilianer mussten seine Mitspieler am Samstag im Sportpark Dreieich hören. Seine Präsenz erfüllte die Erwartungen an eine womöglich zukünftige Stammkraft.

Vor 2500 Zuschauern ließ Kaua Santos auch Leistung für sich sprechen. Seine spektakulärste Szene hatte er in der 56. Minute: Aus dem eigenen Sechzehnmeterraum schlug der Torwart einen langen Ball genau in den Lauf von Jonathan Burkardt. Der Stürmer, die Nummer eins in der Angriffshierarchie, vollstreckte nach starker Ballmitnahme im Duell mit Hull-City-Torhüter Konstantinos Tzolakis – als ihren Rekordtransfer ließen sich die Engländer den Griechen rund 20 Millionen Euro kosten – zielgerichtet zum 1:0-Führungstreffer. Kaua Santos hatte mit seiner Handlungsschnelligkeit und Maßarbeit großen Anteil an diesem Torerfolg, der zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt zu erwarten war.

Trainer Adi Hütter lobt Kaua Santos

In seinem Kerngeschäft verhinderte Kaua Santos auch Tore. Der Südamerikaner zeigte vor allem in der Schlussphase der ersten Halbzeit im XXL-Format, in der Hull City aus dem Nordosten Englands stärker aufkam, ein paar Paraden. „Das Tor hat er natürlich sensationell vorbereitet, und auch sonst hat er eine sehr ordentliche Leistung gebracht mit sehr guten Reaktionen“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter. Ob Kaua Santos als Nummer eins in die neue Bundesligasaison gehen wird, ließ der Österreicher abermals offen. Noch will er sich zumindest nach außen nicht festlegen.

DSGVO Platzhalter

Nach jetzigem Stand spricht einiges dafür, dass sich Michael Zetterer mit dem Platz auf der Ersatzbank wird begnügen müssen. Auch in Dreieich zählte dessen Konkurrent Kaua Santos zur Startformation mit dem neuen alten Kapitän Robin Koch als Anführer. Wohl mehr als nur ein Zeichen. Zwar bot Zetterers Auftritt in der zweiten Halbzeit keinen Anlass zur Kritik, nur wie Kaua Santos auszeichnen konnte er sich nicht. Punktsieger im direkten Duell war so der Brasilianer, der gereift wirkt und an seiner Souveränität momentan keine Zweifel lässt.

Zetterer wird das registrieren. Man darf gespannt sein, ob der 31-Jährige eine mögliche Reservistenrolle akzeptieren würde. Oder ob er unter diesen Umständen einen Vereinswechsel in Erwägung zieht, um woanders als Führungsperson gefragt zu sein. Über etwaige Angebote für ihn ist bisher nichts bekannt.

Adi Hütter wünscht sich Neuzugänge

Noch gibt es im Eintracht-Kader mehr als nur ein Fragezeichen. Seine Fertigstellung braucht offenbar noch ein bisschen Zeit. Knapp zwei Wochen vor dem Pokalspiel gegen den Oberligaverein SC St. Tönis in Krefeld wiederholte Adi Hütter in Dreieich den Wunsch nach weiteren Neuzugängen. „Der Kader ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle. Ich weiß, was ich brauche. Hinter den Kulissen arbeiten wir daran, dass wir eine ordentliche Mannschaft zusammenbekommen“, sagte er und berichtete von einem „engen Austausch“ mit Sportvorstand Markus Krösche.

Adi Hütter hat noch Handlungsbedarf: „Der Kader ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle“
Adi Hütter hat noch Handlungsbedarf: „Der Kader ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle“dpa

Vor allem in der Innenverteidigung, auf den defensiven Außenbahnen und womöglich auch im Angriff besteht nach Einschätzung des Fußballlehrers Handlungsbedarf. So durfte der linke Innenverteidiger Julian Etse an der Seite von Koch gegen Hull City von Beginn an spielen. Doch genügt das Leistungsvermögen des Spielers aus der zweiten Mannschaft aktuell nicht höchsten Ansprüchen; zu viele Bälle erreichten beispielsweise seinen Mitspieler auf der linken Seite, Keita Kosugi, nicht. Auch der 20 Jahre alte Japaner hatte diesmal mit seiner Aufgabenstellung sichtbar zu kämpfen. Junge Spieler hätten auch mal einen Durchhänger, sagte Hütter sinngemäß und äußerte Verständnis: „Man muss Geduld haben.“

Raphael Onyedika gibt sein Debüt

Sein Debüt für die Eintracht gab Raphael Onyedika in den ersten 60 Minuten. Frei von Fehlern war dessen Performance nicht. Der Nigerianer, eingeplant als neue Leitfigur auf der Sechserposition, konnte von Glück sagen, dass sein haarsträubender Ballverlust nach 52 Minuten nicht zu einem Gegentreffer führte.

Keine Einsatzzeit erhielten hingegen drei Profis, die Adi Hütter eigentlich voll auf der Rechnung hat, sofern sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sind: Nnamdi Collins, Noel Aseko und der 20 Jahre alte Innenverteidiger Otavio. Über den Neuzugang Otavio, der nur Zuschauer war, sagte der Trainer: „Er ist physisch noch nicht in der Verfassung, die ich mir vorstelle.“ Die Verletzungsgefahr sei groß, „wenn ein Spieler nicht auf Topniveau ist“. Otavios Aufbauarbeit dürfte also noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen.

Aseko ist da einen Schritt weiter. Hütter sprach von einem behutsamen Aufbau beim vom FC Bayern München gekommenen Mittelfeldspieler. „Es darf noch nicht zu intensiv für sein Knie sein.“ Der Trainer stellte einen Kaderplatz von Aseko für das Privatspiel an diesem Mittwoch beim FSV Frankfurt in Aussicht. Im Hinblick auf den Genesungsprozess von Collins, der aus einer langen Verletzung (Rücken) kommt, teilte Hütter mit, „dass wir in den kommenden Tagen gute Lösungen für seinen Einstieg finden wollen. Er hatte noch ein paar Probleme.“

Vor dem Abschied aus Frankfurt könnten indes Abwehrspieler Arthur Theate und Angreifer Elye Wahi stehen, die trotzdem vom Trainer mit Einsatzzeiten berücksichtigt wurden. „Sie sind Kaderspieler. Mit den Jungs wurde gesprochen, sie sind vorerst dabei.“ Man werde sehen, was mit ihnen in Zukunft passiert, sagte Hütter.

Die Darbietung seiner Mannschaft ordnete er insgesamt als „ordentlichen Test gegen einen physisch starken Gegner“ ein. „Ich möchte, dass wir künftig noch schneller nach vorne spielen und uns in der gegnerischen Hälfte festsetzen. Das braucht noch etwas Zeit.“ Kaua Santos ist aktuell auf dem besten Weg, als Nummer eins in die neue Saison zu starten. Er macht als mitteilsamer und leistungsstarker Torhüter weiter positiv von sich reden.