Mit Kuchinke als Verteidiger: RSV verliert gegen Celle nur knapp
Stand: 27.09.2026, 21:41 Uhr
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Trotz der 1:2-Niederlage gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter überragen bei Rotenburg Justin Kuchinke in ungewohnter Rolle und Keeper Jascha Tiemann.
Rotenburg – So entspannt war Dennis Mandel selten nach einer Niederlage. „Grundsätzlich hat die Mannschaft unter diesen Umständen versucht, alles auf dem Platz zu lassen“, meinte der Coach des Rotenburger SV lobend. Seine Landesliga-Fußballer waren so gehandicapt ins Spitzenspiel gegen den ungeschlagenen Tabellenführer MTV Eintracht Celle gegangen, dass sogar Offensivspieler und Kapitän Justin Kuchinke erstmals in seiner Karriere als Innenverteidiger auflaufen musste – und diese Rolle überragend ausfüllte. Dennoch stand am Ende eine 1:2 (1:2)-Niederlage, mit der die Wümmestädter umzugehen wussten.
Vor dem ersten Heimspiel nach dem Tod von Peter Grewe gedachte der RSV seines langjährigen Vorsitzenden, der am Samstag beigesetzt worden war. Der zweite Vorsitzende Thorsten Nitz, der nun kommissarisch bis zur Mitgliederversammlung im November den Verein führt, würdigte in einer Rede dessen Verdienste.

Die Mannschaft musste hingegen vor dem Spiel einen weiteren Defensivausfall verkraften: Auch Moritz Schmökel, neben Daniel Luckyman einer von zwei verbliebenen Innenverteidigern, meldete sich aufgrund von Knieschmerzen ab. „Ich habe Donnerstag schon das Training abgebrochen und hatte schon mal Probleme mit dem Knorpel“, berichtete er. Abwehrchef Sämi van den Berg war erst kürzlich operiert worden, weil er einen Knorpelschaden hatte.
Beim RSV war damit die Not noch größer geworden, sodass Mandel zur ungewöhnlichen Maßnahme griff und Kuchinke, zuletzt stets als Achter aufgeboten, nach hinten zog. „Was der da wieder gerissen hat, ist unfassbar. Der hat den Torjäger aus dem Spiel genommen. Großes Kompliment!“, meinte Mandel. In der Tat kam Stürmer Jean-Luca van Eupen (bisher elf Saisontore) kaum zur Geltung. Kuchinke gewann gefühlt jeden Zweikampf und profitierte von seiner Ball- und Passsicherheit. „Er hat alles abgeräumt“, urteilte Co-Trainer Timo Kanigowski. „Man muss sich da schon drauf einstellen, aber dann geht das“, meinte Kuchinke selbst. „Und man muss sich auch mal fürs Team opfern.“ Offiziell erfahren hatte er von seiner „Versetzung“ erst vor dem Spiel. „Aus anderen Quellen wusste ich es aber schon vorher“, gestand er.
Ich kann mich doch nicht wegbeamen.
Neben Kuchinke glänzte Keeper Jascha Tiemann, der sein Team mit etlichen Paraden bis zum Ende im Spiel hielt. Denn zur Wahrheit gehörte auch: Celle hatte beste Chancen, um eigentlich frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen, ging damit aber schlampig um. So rief Mandel nach gut 70 gespielten Minuten und einer weiteren Großchance auch seinem Trainerkollegen Hilger Wirtz von Elmendorff zu: „Wenn du so weitermachst, kriegst du gleich noch einen.“ Der entgegnete: „Hundertprozentig, da bin ich voll bei dir.“ Letztlich erfüllte sich diese Fußballweisheit jedoch nicht.
So sicherten zwei frühe Tore Celle die drei Punkte. Eher unglücklich fiel das 1:0 der Gäste in der neunten Minute. Weil Luckyman den Ball fast auf der Torauslinie eingeklemmt hatte, entschied Referee Paul-Moritz Kauff (TSV Eiche Neu St. Jürgen) auf indirekten Freistoß im Fünfmeterraum, den Michael Trautmann vorbei an die Elf-Mann-Mauer ins Netz setzte. „Der Ball ist ein, zwei Sekunden zwischen meinen Füßen gewesen. Ich kann mich doch nicht in Luft auflösen und mich wegbeamen“, wunderte sich Luckyman über den Pfiff.

Nur drei Minuten später staubte Trautmann zum 2:0 ab – und für den RSV deutete sich ein Debakel an. Doch dazu kam es nicht, weil sich die Gastgeber immer mehr ins Spiel kämpften. „Es hat Spaß gemacht, denn der Wille war da, alle wollten“, fand Kuchinke. „Die letzten 20 Minuten der ersten Halbzeit waren wir fast überlegen“, beobachtete Mandel. So fiel der Anschlusstreffer nicht überraschend. Bjarne Kämmer brachte den Ball von der Grundlinie zurück auf Fabian Wapsas, dessen Schuss noch abgefälscht wurde – 1:2 (44.). Zwar hätte Celle schon zuvor auf 3:0 stellen können, der RSV bis zur Pause aber auch auf 2:2. Robert Posilek köpfte dabei eine Flanke von Can Sengül an die Latte (45.+3). Die Rotenburger forderten zudem einen Elfmeter, weil Sengül bei seiner Vorlage von Emil Roselieb umgestoßen wurde. Der Außenverteidiger aus Celle hatte schon früh nach einem Foul an Sengül Gelb gesehen. Ohnehin lief viel über die linke Seite.
Im zweiten Durchgang blieb es ein Spiel, das bis zum Ende spannend für die 220 Zuschauer blieb. Vor allem Tom Schaper scheiterte mehrfach an Tiemann (60.), ebenso Hilger-Noel von Elmendorff (83.), direkt vor dem Abpfiff noch Magnus Bahr. Björn Lambach traf wiederum die Latte (67.). Für den RSV war es hingegen Posilek, dessen Kopfball-Lupfer gerade noch von Karim Jelalli vor der Linie geklärt wurde (90.+4).
Rotenburger SV: Tiemann - Breitweg (84. Friesen), Luckyman, Kuchinke, Kämmer, Krämer, Wapsas (84. Porquet), Dziubinski (78. Stripling), Trabelsi, Sengül, Posilek.