Mit Steuergeld gebaut – doch die Badeplattform für den Donaukanal darf nicht ins Wasser

Platsch!

Mit Steuergeld gebaut – doch die Badeplattform für den Donaukanal darf nicht ins Wasser

40 Grad und trotzdem kein Sprung ins Nass: Während andere Städte ihre Gewässer zum Baden öffnen, bleibt ein Wiener Pilotprojekt auf dem Trockenen, weil Genehmigungen fehlen

Bernadette Redl

Er liegt so nah und doch so fern. Wer in der Wiener Innenstadt bei sommerlich heißen Temperaturen eine Abkühlung sucht, hat mit dem Donaukanal zwar ein Gewässer direkt vor Augen, aber hineinspringen? Davor schrecken die meisten zurück.

Menschen genießen einen sonnigen Tag an einem gelben, schwimmenden Ponton auf einem Fluss. Einige stehen und unterhalten sich, andere sitzen oder schwimmen im Wasser. Im Hintergrund sind Gebäude, Graffiti und Bäume zu sehen.
Visualisierung: So könnte sicheres Baden im Donaukanal aussehen: mit der Badeplattform Strøm.

Zwar ist das Baden und Schwimmen im Donaukanal grundsätzlich erlaubt, er ist jedoch keine offizielle Badestelle. Ein paar Hartgesottene wagen sich auch regelmäßig hinein, etwa die Mitglieder des Schwimmvereins Donaukanal. Doch auch sie warnen: Die größte Gefahr beim Schwimmen im Kanal sind die Schiffe.

Zwei, die diesen Zustand ändern wollen, sind der Landschaftsarchitekt Thomas Kerekes von Placemaking Austria sowie der Stadtplaner Jan Gartner von den Raumpionieren. "Du bist bei 40 Grad am Donaukanal und kannst das Wasser anschauen", sagt Kerekes. Die beiden haben deshalb eine Badeplattform für den Donaukanal entwickelt. Strøm nennt sich die rund 35 Quadratmeter große Schwimminsel mit einem Wassereinstieg in der Mitte, die es bei einem Wettbewerb der Wirtschaftsagentur Wien im Rahmen der Klima Biennale unter die Top 10 geschafft hat.

Internationale Vorbilder

In anderen Ländern hüpfen die Menschen längst mitten in der Stadt in Flüsse und Kanäle. Kopenhagen, Rotterdam, München, Amsterdam und Basel haben ihre Wasserwege in den letzten Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zuletzt auch Paris im Zuge der Olympischen Spiele. Konstruktionen aus Holz und Metall machen den Einstieg ins Wasser dort möglich. Der Rhein wird teilweise sogar als Transportmittel ins Büro oder nach Hause genutzt: An einer Stelle steigt man ein, lässt sich flussabwärts treiben und steigt an anderer Stelle wieder aus.

"Warum also nicht auch in Wien?", haben sich Kerekes und Gartner gedacht. Ihre Plattform schafft einen geschützten Rahmen, in dem gebadet werden kann. "Es geht uns nicht ums Sportschwimmen, sondern ums Füßereinhalten, sich in der Mittagspause abkühlen", sagt Kerekes. Mit einer Plattform könnten auch Kinder und ältere Menschen ins Wasser. Man wolle sichere Zonen und Zugänge schaffen, die Plattform verankern, mit zusätzlichen Bojen den Bereich absperren.

Trockenbaden

Zumindest in der Theorie. Denn zu Wasser gelassen wurde ihr Projekt nie, bis heute liegt es in einer Halle am zukünftigen Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof auf dem Trockenen. Der Grund: fehlende Genehmigungen. "Es gibt aktuell kein Formular dafür, kein Prozedere wie z.B. bei den Grätzloasen", sagt Kerekes bei einem Besuch. Statt Wasser liegen in der Mitte der Plattform blau eingefärbte Maischips, wie sie als Füllmaterial in Paketen verwendet werden – um das Wasser zumindest zu imitieren.

Kerekes hält die Füße rein und erzählt vom mühsamen Hin und Her mit den Behörden. Geht es um den Donaukanal, seien viele Akteurinnen und Akteure involviert: Stadt-, Landes- und Bundesbehörden sowie Dienststellen für Gewässermanagement, Schifffahrt, Hochwasserschutz, Feuerwehr und Fischerei.

Ein Mann sitzt auf einer hölzernen Plattform und hat seine Schuhe ausgezogen. Unter ihm befindet sich eine Fläche mit blauen Schaumstoffstücken. Die Konstruktion ist von gelben und blauen Streben umgeben, und oben hängen bunte Wimpel. Der Hintergrund zeigt eine weitläufige, industrielle Halle.
Thomas Kerekes hält die Füße ins imaginäre Donaukanalwasser.

Von der Viadonau, der Betreibergesellschaft der österreichischen Donau und ihrer Nebenflüsse, heißt es auf die Frage, warum der Antrag abgelehnt worden sei, in einer Stellungnahme zum STANDARD: Die Unterlagen seien "nicht ausreichend konsistent" gewesen. Zudem befinde sich der geplante Standort auf einem Wendeplatz für die Schifffahrt. Gartner und Kerekes hingegen sagen, man hätte in der Nähe des Flex einen Standort mit geringer Strömung gewählt, wo es keinen Schiffsverkehr gibt, weil er sich nicht in der Schiffsrinne befinde – und zudem noch einige weitere Standorte vorgeschlagen.

30 Seiten haben die beiden eingereicht, dazu einen zehnseitigen Statikbericht. "Ich bin gewohnt, dass es schwierig sein kann, aber das hat alles gesprengt", sagt Gartner. Immer wieder sei er von einer Stelle zur nächsten geschickt worden, klare Antworten gab es nie oder gar den Willen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Was kam, sagt Gartner, war lediglich der Vorschlag, die Plattform in der Neuen Donau ins Wasser zu lassen, doch das habe "völlig am Thema vorbeigeführt".

"Wenig Spielraum"

Die beiden wären auch bereit gewesen, die Plattform nur für einige Tage oder Wochen zu testen, auch nur stundenweise. Mit einem Steg, der zum Ufer führt, kann der Zugang eingeschränkt werden, etwa nachts. Doch für innovative Experimente gebe es leider in Wien "rechtlich wenig Spielraum", findet Kerekes. Sämtliche bestehenden Genehmigungsverfahren für den Donaukanal sind für permanente Infrastruktur gedacht, was temporäre Projekte schwer umsetzbar macht. Aus anderen Städten wissen sie, dass Gesetze, Standards und Verwaltungsmodelle geändert wurden, um sicheres Baden in Flüssen zu ermöglichen. Etwa in Kopenhagen, wo Kerekes lange gelebt hat, habe es immer wieder kleine Projekte gegeben, die man einige Zeit getestet hat, bevor sie, bei erfolgreicher Nutzung, im größeren Stil umgesetzt wurden, etwa Badeplattformen oder schwimmende Saunas im Hafen.

Dabei ist das Baden im Donaukanal nicht neu. Vor hundert Jahren gab es bereits Strombäder im Donaukanal. Es waren große Schiffe mit Gittern, die ein sicheres Baden ermöglichten. "Die Arbeiterklasse hat dort schwimmen gelernt", sagt Gartner. Am Kanal gab es damals sogar einen Strand. Nach dem Krieg sind die Strombäder verschwunden. Auch heute ist der Donaukanal für viele in der Stadt wesentlich leichter erreichbar als die Alte oder Neue Donau.

Eine Indoor-Plattform aus Holz mit Geländern in Gelb, umgeben von dekorativen Wimpelketten. Sie steht in einer Halle mit sichtbaren blauen Stützpfeilern und einer hohen Decke. Darunter befindet sich ein kleiner Bereich mit blauen Kugeln, ähnlich einem Bällebad.
Die Badeplattform liegt auf dem Trockenen und zwar in einer Halle am Nordwestbahnhofgelände. Was mit ihr geschehen wird, ist ungewiss.

Die Wasserqualität im Kanal ist laut Kerekes und Gartner sowie dem Schwimmverein Donaukanal genauso gut wie in der Alten und der Neuen Donau, wo schließlich auch jeden Tag gebadet wird. Laut Angaben der Stadt werden schon seit einigen Jahren keine ungeklärten Abwässer mehr in den Donaukanal eingeleitet, lediglich nach stärkeren Unwettern oder einem Donau-Hochwasser – beides kann das Kanalsystem überlasten – rät man beim Schwimmverein vom Baden ab. Die grünliche Färbung und Trübung des Wassers komme vom Schlamm, den die Donau mitträgt, und sei völlig normal für einen Fluss dieser Größe, heißt es. Offizielle Messungen der Wasserqualität im Donaukanal gibt es jedoch nicht.

Gerade für ungeübte Schwimmerinnen und Schwimmer kann allerdings die Strömung im Kanal eine Herausforderung werden, warnt der Schwimmverein, vor allem beim Ein- und Aussteigen. In anderen Städten, etwa in Bern, gebe es aber Flüsse, die weit wilder seien als der Donaukanal, und auch darin werde geschwommen, heißt es.

Sicher schwimmen

Und auch die Schiffe können gefährlich werden. Zwischen Flex und Strandbar Herrmann gilt daher ein striktes Badeverbot. Überall sonst sollte man sich mittels Fahrplänen oder App informieren, wann und wo die Schiffe fahren, rät der Schwimmverein. All jenen, die trotzdem jetzt schon im Donaukanal schwimmen wollen, rät Ana Mumladze Detering vom Schwimmverein Donaukanal, nie alleine, sondern in der Gruppe ins Wasser zu gehen und bunte Schwimmsäcke zu verwenden. Das erhöhe die Sichtbarkeit und zeige auch Zuschauerinnen und Zuschauern, "dass man nicht versehentlich reingefallen ist. So werden unnötige Rettungseinsätze verhindert."

Eine Gruppe von Menschen badet und steht im Wasser eines Flusses. Einige steigen eine Treppe hinab, die mit Graffiti bemalt ist. Im Hintergrund ist eine Brücke sowie mit Graffiti versehene Wände und städtische Gebäude zu sehen.
Der Schwimmverein Donaukanal setzt sich dafür ein, das der Donaukanal dauerhaft und für alle zum Baden zugänglich wird.

Mit ihrer Plattform wollen Gartner und Kerekes einen breiten Diskurs darüber anstoßen, wie ein zukunftsfitter Donaukanal, der noch dazu eine wichtige Kaltluftschneise in der Stadt ist, aussehen und wie Wasser als öffentlicher Raum genutzt werden könnte. "Es ist nur logisch, dass wir in immer heißer werdenden Sommern jede mögliche Option zur Abkühlung nutzen, das ist Klimawandelanpassung und muss geschehen, die Stadt darf nicht zu lange warten, denn die Zeit drängt", sagt Gartner.

Ihre Schwimminsel wäre schon fertig, noch dazu mit Steuergeld finanziert – rund 15.000 Euro haben sie beim Wettbewerb für den Bau von Strøm erhalten –, und müsste nur noch ins Wasser gelassen werden. Doch das wird, Stand jetzt, nicht passieren. Was mit ihr geschieht, ist ungewiss. "Vielleicht findet sich ja noch eine Gemeinde, die sie nehmen würde", sagt Kerekes. Falls nicht, rollen im Oktober die Bagger auf das Nordwestbahngelände und könnten mitsamt den Hallen auch die Badeplattform planieren. (Bernadette Redl, 20.7.2026)

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