„Mnozil-Brass“-Trompeter von Musikschule fristlos entlassen

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns den Robert klaut.“ Es war ein Riesenwirbel am 26. Juni vor dem Wiener Neudorfer Gemeindeamt, als dort 300 Eltern und Musikschüler und -schülerinnen gegen die fristlose Entlassung des Musikschul-Standortleiters Robert Rother protestierten. Mit Reimen wie dem eingangs beschriebenen, die auf großen Transparenten zu lesen waren.

Jahrzehntelange Praxis

Wie war es dazu gekommen? Im Zuge der Strukturreform der Musikschulen in Niederösterreich werden nur mehr jene Schulen gefördert, die wöchentlich mindestens 300 Stunden Unterricht haben. Daher wurde die Wiener Neudorfer Musikschule in den Verband Laxenburg-Biedermannsdorf eingegliedert. Das passierte schon im September 2025.

Nun ist Robert Rother neben seiner Tätigkeit als Trompeten- und Blockflötenlehrer auch Mitglied des bekannten Bläserensembles „Mnozil Brass“. Und als solches viel unterwegs. Mit der Zusammenlegung der Musikschulverbände sei ihm plötzlich untersagt worden, seine Unterrichtsstunden wegen Konzerten oder Tourneen zu verschieben. Eine Praxis, die zuvor über Jahrzehnte problemlos funktioniert habe, wie er sagt. 

46-227216158

Robert Rother ist Trompeter bei "Mnozil Brass"

Schon im Vorfeld der Zusammenlegung von Wiener Neudorf mit Laxenburg habe es Gespräche mit David Berl, Obmann des Musikschul-Gemeindeverbandes und Bürgermeister von Laxenburg, gegeben, sagt Rother. Berl habe ihm gesagt, dass Stundenverschiebungen nicht mehr möglich seien. „Das ist ja ein Widerspruch zu einem fast 30-jährigen Gewohnheitsrecht“, sagt Rother. 

Die Eltern seiner Schüler habe das nie gestört. Im Gegenteil, wie Thomas Wasserscheid, Sprecher der Plattform Pro Musikschule NÖ, bestätigt. „Wir schicken ja unsere Kinder gerade deshalb in diese Schule, weil dort so erfahrene Konzertmusiker wie Rother unterrichten. Und trotz mancher Verschiebungen hat er immer zu 100 Prozent seine Verpflichtungen eingehalten“, sagt Wasserscheid.

Gemeindeverbands-Obmann Berl sagt dem KURIER, dass er sich nicht zu internen Angelegenheiten und arbeitsrechtlichen Themen äußern dürfe. Jedenfalls stimme es nicht, dass Rother seine Konzerttätigkeit verboten worden sei. Und die Musikschule arbeite qualitativ hochwertig und funktioniere, wie Berl versichert. 

Auch das Musikschulmanagement NÖ möchte sich nicht äußern: Die Gemeinde sei als Trägerin der Musik- und Kunstschulen für dienstrechtliche Angelegenheiten zuständig.

Klage auf Wiedereinstellung

Robert Rother jedenfalls will gegen die Fristlose vorgehen. „Eine fristlose Entlassung ist unverhältnismäßig, sie ist auch gegen alles, was wir in der Kultur forcieren.“ In seiner Zeit sei die Anzahl der Musikschüler und -schülerinnen von 150 auf 300 angewachsen, beim Musikwettbewerb Prima la Musica seien „seine“ Schülerinnen und Schüler regelmäßig ganz vorne mit dabei - nur einige der Erfolge, die er als Musikpädagoge erreicht habe. 

Die arbeitsrechtliche Angelegenheit hat Rother seinem Anwalt übergeben: Er klagt auf Wiedereinstellung.

kurier.at, ehi  |  13.07.2026, 18:10