Bezirk in München als „modernes Dorf in der Stadt“: Rundgang zeigt ungewöhnliche Gegensätze
„Modernes Dorf in der Stadt“: Ein Münchner Bezirk und seine Gegensätze
Stand: 18.09.2026, 19:29 Uhr
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Dass der Stadtbezirk mitunter unter dem Radar fliegt, stört seine Bewohner kaum. Bei einem Rundgang zeigt sich Moosachs Vielfalt.
München – „Wo du wohnst, da ist fast schon Dachau.“ Von Freunden bekomme sie das immer mal wieder zu hören, sagt Julia Schönfeld-Knor. Sie hegt keinen Groll. „Vielleicht ist es gut, dass Moosach ein wenig unter dem Radar fliegt. Dann bleibt es hier so schön beschaulich.“ Seit über 30 Jahren lebt Schönfeld-Knor im zehnten Münchner Stadtbezirk. Die Geschäftsführerin des örtlichen Kultur- und Bürgerhauses erklärt: „Man wird schnell Moosacher – und bleibt es auch gern.“
„Moosach hat Geschichte, dass Menschen dort zusammenhalten“
Moosach gehört zu den ältesten Orten in München. Im Jahr 807 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Heute leben etwa 57.000 Menschen in dem Stadtbezirk, der sich auch durch seine Vielfalt auszeichnet. Es gibt viele Grünflächen, das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), mit der Borstei eine „Stadt in der Stadt“ und mit dem Uptown das zweithöchste Gebäude Münchens. „Wir haben keinen Donnerhall-Ruf wie Schwabing, oder ein Überthema wie Giesing mit den Löwen“, sagt Schönfeld-Knor. „Moosach hat die Geschichte, dass die Menschen dort zusammenhalten und gemeinsam etwas auf die Beine stellen.“
Und da kommt Alois Lang ins Spiel. Als Erster Vorsitzender des Gesamtvereins Moosach e.V. ist er Vorsitzender von 30 Vereinen. Unter anderem Freiwillige Feuerwehr, Gartenbaugruppe, Schach-Union und Schwimmfreunde sind Teil des Dachverbands. „Bei uns rührt sich das gesamte Jahr was“, freut sich der gebürtige Niederbayer. Maifest, Sommerfest, Musiknacht – Lang kann den Eventkalender auswendig herunterrattern.
Kein Wunder, dass er den St.-Martins-Platz mit Pelkovenschlössl und Hacklhaus als seinen „Moosacher Lieblingsort“ auserkoren hat. Denn dort schlägt das kulturelle Herz des Stadtbezirks (siehe Infobox). „Hier zeigt sich der ursprüngliche Charakter unseres Stadtbezirks besonders schön. Und gleichzeitig ist er mit der U-Bahn super angebunden“, schwärmt Lang.
Kultur- und Bürgerhaus Moosach
Am 29. April 1981 schlossen sich die Moosacher Vereine zum „Gesamtverein Moosach e.V.“ zusammen, um gemeinsam für ein Bürgerhaus in Moosach zu kämpfen. „Es gab ja keinen Ort, an dem sich die Vereine treffen konnten“, blickt Lang zurück. 1982 bot die Stadt dem Gesamtverein das Hacklanwesen am Moosacher St.-Martins-Platz an, das schließlich renoviert wurde. Von den Vereinen wird es seither rege genutzt. 2004 kam das zuvor bewohnte Pelkovenschlössl dazu, in dem heute Konzerte, Lesungen und kulinarische Events stattfinden. Beide Gebäude bilden das Kultur- und Bürgerhaus Moosach.
Quelle: pelkovenschlössl.de

Bei einer zurückliegenden Veranstaltung habe er Moosach einmal „das Dorf in der Stadt“ genannt, erinnert sich Lang. Das gefalle ihm noch heute. „Wobei es aber auch ein sehr modernes Dorf ist“, präzisiert Schönfeld-Knor – um mit einem Schmunzeln zu ergänzen: „Was uns vielleicht fehlt, ist eine Kneipe.“
Ein Ort, an dem Moosachs Gegensätze augenscheinlich werden, ist der Rangierbahnhof Nord. 1991 in Betrieb genommen, gilt er deutschlandweit als einer der modernsten seiner Art. Hier wird der Güterwagenumschlag für Südbayern abgewickelt, viele Züge fahren nach Österreich und Italien. Rundherum ist es grün, zahlreiche Fahrrad- und Spazierwege locken. „Mit dem Radl bin ich von hier ganz schnell am Waldschwaigsee“, sagt Lang.

Auf der Brücke, die über die Gleise führt, haben schon viele Moosacher Silvester gefeiert, andere ihre erste Zigarette geraucht. „Für mich ist das so ein bisschen das Tor in die Welt“, sagt Schönfeld-Knor. „Weil du merkst, dass du doch in einer großen Stadt wohnst.“ (Quellen: Ortstermin mit Julia Schönfeld-Knor und Alois Lang, pelkovenschloessl.de, muenchen.de)