Monet, Renoir, Degas & Co.: Große Kunst, große Dramen – Luxemburg überrascht mit legendären Impressionisten
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Monet, Renoir, Degas & Co. Große Kunst, große Dramen – Luxemburg überrascht mit legendären Impressionisten
Luxemburg-Stadt · Harte Umbrüche, erzählt in leichten Farbtupfern: Eine Ausstellung in Luxemburg zeigt Werke von Renoir, Monet, Degas & Co. Der Coup dabei: Es geht um große Kunst des Impressionismus und eine legendäre deutsche Kunstsammlung.
21.10.2026 , 08:00 Uhr
Auguste Renoir vollendete das Porträt der „Frau mit Rose“ um 1876. Es ist eine von mehreren erstklassigen Leihgaben, die aus einer ganz besonderen deutschen Sammlung stammt und aktuell in Luxemburg-Stadt zu sehen ist.
Foto: Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF/Peter Schälchli
„Sie können auf dem Bild sitzen“, sagt der große und schnell sprechende Mann, der ausladende Bewegungen macht, wenn er auf die Gemälde zeigt, die an den Wänden hängen. Mit „dem Bild“ meint Chefkurator Ruud Priem ein Stillleben mit roten und rosa Blumen auf schwarzem Untergrund, das 150 Jahre alt ist. Die Einladung ist zwar ein Scherz – wer dem Kunstwerk auch nur mit dem Finger zu nahekommt, wird direkt bepiept. Priem selbst passiert es ständig. Und doch ist es ernst gemeint. Im Nationalmuseum am Fëschmaart (MNAHA) in Luxemburg können Kunstfans jetzt in der Ausstellung „Von Renoir bis Monet - Impressionismus aus der Rau-Sammlung“ einige der ganz Großen des Impressionismus entdecken: Gemälde von Degas, Caillebotte, Cassatt, Courbet, Manet, Modersohn-Becker, Monet, Renoir, Sisley und Signac. Von denen fraglich ist, ob sie so, und in dieser Form, bald wieder gezeigt werden können. Dazu gibt es in der Ausstellung einige im Saarland weniger bekannte Überraschungen – nämlich Schlüsselwerke der Luxemburger Museumssammlung.
Leihgaben aus der Rau-Sammlung in Luxemburg
Entdecken kann man rund 50 Werke von Impressionisten und Impressionistinnen hier mit den Augen. Und mit entspannten Beinen gemütlich auf dem Hintern – pro Saal hat das Team ein Gemälde ausgewählt, auf Stoff reproduzieren lassen und mit dem Stoff die gepolsterten Bänke verkleidet. Und so sitzt man im Saal mit den königsblauen Wänden auf roten und rosa Blumenstoff und schaut auf die rosa und roten Originalblumen, die der ungarische Maler Mihály von Munkácsy 1876 als Stillleben in Öl auf Holz gebannt hat. Kein immersiver Effekt, aber man fühlt sich in diesem Moment kuschelig wohl. Der Moment, darum dreht‘s sich hier.
Das Gemälde anschauen und auf einer Reproduktion des Motivs sitzen – entspanntes Betrachten ist möglich.
Foto: Saarbrücker Zeitung/Sophia Schülke
Neben 30 Leihgaben aus der legendär-kostbaren Kunstsammlung des deutschen Tropen- und Kinderarztes Gustav Rau für Unicef zeigt das Museum Gemälde aus eigenen Beständen – darunter Arbeiten von Théo van Rysselberghe, Otto Scholderer, Nicoline Tuxen und Dominique Lang.
Große Impressionisten in Luxemburg zu sehen
Zu sehen gibt es große Kunst – und vielfältige Motive. Monet malt 1886 die „Felspyramiden von Port-Coton“ mit vielen Schaumkämmen und blau-lila-grün schimmernden Wellen, Signac lässt 1890 für „Das Meer“ eine Strandlandschaft in unzähligen azurblauen und sonnengelben Tüpflein leuchten. „Es ist wie beim Fernseher, wenn man direkt davorsteht, sieht man nur Pixel, erst wenn man zurücktritt, ergibt sich ein Bild. Für uns ist das längst normal, aber damals war diese Art zu Malen etwas ganz Neues“, sagt Priem.
Für Meeresfans einer der Hingucker der Ausstellung: Claude Monet verewigte „Die Felspyramiden von Port-Coton“ 1886.
Foto: Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für Unicef/Peter Schälchli
Caillebotte malt die winterlichen Dächer über Paris so, dass man meint, man könne gleich den Rauch aus den Schornsteinen riechen und die Kühle des Schnees spüren Köcke lässt 1909 einen Nachtzug mit Dampfmaschine und erleuchteten Waggonfenstern durchs verschneite Dunkel paffen, Nicoline Tuxen malt 1886 ihr Zimmer mit einer Kopie der Venus von Milo als Studienobjekt und setzt damit im Kampf um Anerkennung als Malerin ein deutliches Zeichen, Maximilien Luce hält fest, wie die Rue Réamur im Zuge der Haussmann’schen Umgestaltung von Paris verbreitert wird.
Dramen hinter fröhlichen Farbtupfern
Mit diesen Werken bilden sie auch die Umbrüche ihrer Zeit ab – hinter den auf den ersten Blick unschuldig wirkenden Motiven stecken Geschichten – und zuweilen große Dramen. Priem erzählt sie prägnant. Etwa die jungen Mädchen in Amsterdam, die sowohl Nicolaas van der Waay als auch Max Liebermann gemalt haben, sind Waisen. Van der Waay malte sie in ihren feinen Sonntagskleidern, Liebermann in einem behaglichen Hof.
Um diese Zeit, so Chefkurator Priem, habe es viele Waisen in der Stadt gegeben. „Sowohl die Väter als auch die Mütter arbeiteten, beide in gefährlichen Berufen, in denen die Sterblichkeit hoch war.“ Auch Emilio Poy Dalmaus Brücke über den Eisenbahngleisen von Madrid sieht weniger unschuldig aus, nachdem Priem erzählt, dass damals Arbeiter mit Suizidabsichten gezielt diesen Ort aufsuchten.
Ein Gemälde ist „ein Moment zwischen zwei Welten“
Aber die Impressionisten und Impressionistinnen hielten nicht nur soziale Umbrüche oder Schattenseiten der Industriellen Revolution fest. Renoir verewigt 1876 im Porträt „Frau mit Rose“ einmal mehr den verträumten Blick eines seiner Lieblingsmodelle, und Mary Cassatt hält in „Louise, ihr Kind stillend“ 1899 einen innigen Moment zwischen Mutter und Kind fest.
Die Themen der Ausstellung sind vielfältig. Über den Moment, und die Poesie, die sich um ihn spinnen lässt, soll sie zusammengehalten werden. In einem Vergleich mit dem zentralen Motor der Industrialisierung stellt Édouard Manet den Bezug zur Kunst her. „Der Zug ist kein Monster; er ist ein Übergang. Wie es ein Gemälde sein sollte – ein Moment zwischen zwei Welten“, schrieb Manet 1873 in einem Brief an den Dichter Stéphane Mallarmé. Die Flüchtigkeit des Moments haben die Impressionisten und Impressionistinnen zu bannen gewusst. Wohl wissend, dass dieser, in dem Moment, in dem sie zu malen begannen, schon verflogen war. Die sehenswerte Ausstellung verfliegt zum Glück nicht so schnell. (jos)
Ausstellung „Von Renoir bis Monet – Impressionismus aus der Rau-Sammlung“ im Nationalmusée um Fëschmaart bis 4. April 2027. Weitere Informationen unter www.nationalmusee.lu und https://arpmuseum.org/