Mordprozess in Marburg: Angeklagter räumt Tritte gegen 76-Jährigen ein

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Tödliche Attacke in Marburg Angeklagter räumt Tritte gegen 76-Jährigen ein

Ein 76-Jähriger starb nach einer Attacke in seinem Haus in Marburg-Moischt. Im Prozess hat der Angeklagte Schläge und Tritte eingeräumt, aber eine Tötungsabsicht bestritten. Es geht vor allem um die Frage: Wollte er den Mann töten oder nahm er dessen Tod zumindest in Kauf?

Ein Mann im Anzug und ein Mann im T-Shirt, desse Kopf verpixelt ist, stehen in einem Gerichtssaal hinter einem Tisch.

Der 34-jährige Angeklagte mit seinem Pflichtverteidiger vor dem Marburger Landgericht. Bild © Rebekka Dieckmann (hr)

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00:40 Min.|Anna Spieß

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Eine weniger als eine Minute lange Videoaufnahme steht im Mittelpunkt des Prozesses gegen einen 34-Jährigen vor dem Landgericht Marburg. Sie zeigt, wie der Angeklagte nach Überzeugung der Ermittler mehrfach auf den am Boden liegenden 76-Jährigen eintritt.

Die Aufnahmen stammen von der anderen Straßenseite eines Einfamilienhauses im Marburger Stadtteil Moischt. Der Angeklagte ist darauf zu erkennen. Nach der Attacke verlässt er das Haus zunächst, kehrt aber kurz darauf zurück.

Angeklagter räumt Gewalt ein

Vor einem Jahr war der 76-Jährige schwer verletzt in seinem Haus gefunden worden. Wenige Stunden später starb er im Krankenhaus. Seit Mittwoch muss sich der 34-Jährige vor dem Landgericht Marburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Einbruch und Mord zur Verdeckung einer Straftat vor.

Der Angeklagte räumte den Einbruch sowie Schläge und Tritte gegen den Hausbesitzer direkt nach der Anklageverlesung ein. Den Tod des Mannes habe er allerdings nicht gewollt.

Nach der Tat am 13. August 2025 war öffentlich nach dem mutmaßlichen Täter gefahndet worden. Neun Tage später wurde der Verdächtige festgenommen.

Schwere Verletzungen nach der Attacke

Obduktion, Zeugenaussagen und erste Spurenauswertungen machten am ersten Prozesstag das Ausmaß der Gewalt deutlich. Der 76-Jährige erlitt zahlreiche Verletzungen und wurde bewusstlos im Haus gefunden.

Mediziner berichteten vor Gericht von schweren Verletzungen. Der Rechtsmediziner sprach von massiver Gewalteinwirkung. Im Krankenhaus wurde der Mann unter anderem am Gehirn operiert. Nach Angaben eines Notfallmediziners hatte er kaum Überlebenschancen.

Staatsanwaltschaft sieht Mordmerkmal

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte den Mann bewusst töten wollte, um den vorausgegangenen Einbruch zu verdecken. Am Tatort habe er Schmuck und eine mitgebrachte Schreckschusswaffe zurückgelassen, heißt es in der Anklage.

Das Opfer habe den Angeklagten demnach erkannt, als dieser zum Haus zurückkehrte. Die Ermittler fanden nach Angaben der Anklage zudem weitere Spuren, die auf den Angeklagten hindeuten.

Angeklagter entschuldigt sich

Seine Erklärung zur Tat ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger verlesen. "Es tut mir leid, dass Herr B. an den Folgen meiner Schläge und Tritte gestorben ist", hieß es darin. "Das wollte ich nicht."

Er habe den 76-Jährigen bei einer Möbelanlieferung kennengelernt und dabei gesehen, dass dieser größere Mengen Bargeld im Haus aufbewahrte. Er selbst sei seit früher Jugend stark drogenabhängig. Vor der Tatnacht sei er fünf Tage lang wach gewesen.

Nach dem Einbruch habe er von dem gestohlenen Geld Kokain gekauft und konsumiert. Danach habe er den Entschluss gefasst, noch einmal zurückzukehren. Gedanken daran, sich zu maskieren, habe er sich nicht gemacht.

Nachdem er durch eine Terrassentür wieder ins Haus gelangt sei, habe ihn der 76-Jährige entdeckt und beschimpft. Danach, so schildert es der Angeklagte, habe er einen Blackout gehabt.

Wollte der Angeklagte den Mann töten?

Dass der Angeklagte den 76-Jährigen angegriffen hat, dürfte nach dem ersten Prozesstag kaum noch strittig sein. Ob er bei der Tat tatsächlich unter Drogeneinfluss stand, wie von ihm geschildert, wird sich dagegen nur schwer klären lassen.

Bei seiner Festnahme neun Tage nach der Tat fanden die Ermittler eine hohe Konzentration von Amphetaminen in seinem Blut. Rückschlüsse auf seinen Zustand in der Tatnacht seien daraus aber nicht möglich, erklärte der rechtsmedizinische Gutachter.

Im Zentrum der weiteren Verhandlung steht deshalb die Frage, ob dem Angeklagten eine Tötungsabsicht nachgewiesen werden kann. Zudem wird es darum gehen, inwieweit er die tödlichen Folgen seiner Gewalt absehen konnte.

Zum Prozessauftakt war auch ein Vertreter der Tochter des Getöteten als Nebenklägerin anwesend. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.