Mückenschutz im Test - Was wirklich gegen Mücken hilft
«Kassensturz» testet Fallen, Sprays, Stecker, Spiralen und Ultraschall. Ernüchternd: Die meisten schützen kaum.
25.08.2026, 20:35
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Mückenstiche ruinieren laue Sommerabende und erholsame Nächte. Entsprechend gross ist der Markt für Abwehrprodukte gegen die Blutsauger: Ultraschallgeräte sollen Mücken vertreiben, Fallen sollen sie mit Licht anziehen und unschädlich machen.
Verdampfer und Rauchspiralen setzen Insektengift oder ätherische Öle in die Luft frei, Sprays sollen die Plagegeister dank künstlicher oder natürlicher Duftstoffe von der Haut fernhalten.
So haben die Mückenschutzmittel abgeschnitten
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Was wirklich schützt, hat das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) in Basel für «Kassensturz» in einem kontrollierten Vergleichstest von zwölf Produkten untersucht.
So wurde getestet
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Dreissig Tigermückenweibchen wurden im Testraum bei 27 Grad, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und gedimmter Beleuchtung freigelassen.
Das jeweilige Testprodukt wurde gemäss Herstellerangaben installiert und aktiviert. Die Testperson betrat den Testraum und zählte während fünf Minuten die Mückenlandungen auf dem exponierten Unterarm.
Zwei Sekunden nach der Landung durfte der Arm vorsichtig geschüttelt werden, um einen Stich zu vermeiden. Jedes Produkt wurde von drei Testpersonen nacheinander getestet. Zum Vergleich wurde der Testablauf ohne Abwehrmassnahmen durchgeführt.
Die Herausforderung für die Mückenabwehrprodukte: 30 hungrige Tigermücken in einem knapp 20 Quadratmeter grossen Testraum.
Diesen betritt eine Testperson und zählt während fünf Minuten, wie viele Mücken auf ihrem Unterarm landen: Ohne Schutz sind es über 150 Mal. Für jedes Produkt wird der Test von drei Personen durchgeführt.
Vier Produkte schützen im Test sehr gut
Die Mücken-Spiralen von Neocid Expert und der Verdampfer-Stecker von Optimum schützten die Testpersonen am besten. Die beiden Produkte mit dem Insektengift Prallethrin konnten Mückenlandungen um über 99 Prozent reduzieren.
Gleich gut wirkten die Sprays zum Einreiben von Anti-Brumm und Puressentiel. Diese wurden als Vergleichsprodukte in den Test aufgenommen, da ihre gute Wirksamkeit aus früheren Vergleichen belegt ist.
Eine «gute» Schutzwirkung erzielte der Mückenstecker von Finito, er verhinderte rund 80 Prozent der Mückenlandungen.
Schaden Insektizide der Gesundheit?
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Insektizidhaltige Produkte boten im Test den besten Mückenschutz. Doch wer einen Insektizidstecker die ganze Nacht laufen lässt, fragt sich vielleicht, ob das der Gesundheit schadet.
Toxikologe Lothar Aicher vom Schweizerischen Zentrum für Angewandte Humantoxikologie gibt Entwarnung: «Es gibt Berechnungen dazu, die zeigen, dass bei korrekter Anwendung die Menge, die wir über Nacht einatmen, wesentlich geringer ist als die notwendige Menge, um im Menschen Gesundheitsschäden zu verursachen.»
Das Insektizid sei gemäss Studien mehrere tausend Mal giftiger für Insekten als für den Menschen – deshalb sei ein wirksamer Schutz möglich, ohne die menschliche Gesundheit zu gefährden. Dennoch betont Aicher, dass die Verdampfer keine Alltagsprodukte sind, sondern hochaktive Nervengifte gegen Insektenenthalten.
Schwache Wirkung: Fallen und ätherische Öle
Keinen Schutz boten die UV-Fallen von Ohmex und Raid, nur eine geringe Schutzwirkung die von Starlyf und Swissinno. Testleiter Tobias Suter erklärt, dass Mücken durch das ausgeatmete CO₂, die Körperwärme und den Geruch der Haut gezielt Menschen zum Stechen finden. Das Licht einer UV-Falle wirke vergleichsweise wenig anziehend.
Rauchspiralen und Verdampfer mit ätherischen Ölen konnten im Test nicht mit den insektizidhaltigen Pendants mithalten, sie erzielten eine geringe oder gar keine Schutzwirkung.
Chancenlos: Ultraschall-Vertreiber
Keinen Schutz bot das getestete Ultraschallgerät. Das überrascht Mückenforscher Tobias Suter nicht: «Stechmücken haben sehr gute Hörorgane, aber diese sind ausgelegt auf tiefere Frequenzen. Töne mit einer so hohen Frequenz können sie gar nicht wahrnehmen.»
Die Hersteller der Produkte mit wenig oder keiner Wirkung widersprechen. Die Testanlage sei «irreführend» (Ohmex), sie erfasse «in keiner Art die Wirkungsweise» der Lichtfalle (Raid).
Swissinno schreibt: «Es handelt sich um ein ergänzendes Mittel für Innenräume mit geringem Befallsdruck – typischerweise Schlaf- oder Kinderzimmer –, das rund um die Uhr betrieben werden kann.»
Stellungnahmen der Hersteller
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Ohmex zur Anti-Mücken-Lampe MSK-6000: «Wir finden die Art und Weise, wie der Test durchgeführt wurde, irreführend. Denn unser Produkt dient dazu, Mücken zu töten, und nicht dazu, sie fernzuhalten. Ein solcher Test kann daher keinen repräsentativen Eindruck von der Wirkung des Produkts vermitteln.» Ohmex schreibt weiter, Tests in ihrer Fabrik seien zu einem erfolgreichen Ergebnis gekommen: 50 Mücken seien in einem Mückenkäfig (70 x 70 x 70 cm) 24 Stunden mit der Falle eingesperrt worden. Dabei seien 80 Prozent der Mücken getötet worden.
Zum Vorwurf der Schädigung der Biodiversität beim Gebrauch im Freien schreibt Ohmex: «Das Produkt ist so konzipiert, dass es Mücken aufgrund seiner Lampe anlockt und tötet; leider kann es nicht zwischen verschiedenen Insektenarten unterscheiden. (…)
Das Bild auf der Produktverpackung zeigt die Verwendung im Inneren eines Campingzeltes und nicht im Freien; ausserdem wird das Produkt auf dem Bild im Inneren aufgehängt, um zu vermeiden, dass irgendwelche Insekten getötet werden.»
Raid zur Essentials-Lichtfalle: «Die Raid Essentials Flying Insect Trap ist ein für den Innenbereich entwickeltes, insektizidfreies Gerät, das eine Vielzahl als lästig empfundener fliegender Insekten anzieht und mit der Zeit physisch einfängt, anstatt einen sofortigen Schutz vor Mückenlandungen auf der Haut zu bieten.
Der «Kassensturz»-Test erfasst deshalb in keiner Art die Wirkungsweise unseres Produkts. Es enthält keine Wirkstoffe, gibt keine Substanzen an die Umwelt ab und funktioniert ausschliesslich durch einen physikalischen Wirkmechanismus. Damit entspricht es den Zielsetzungen der EU, sicherere und nicht-chemische Alternativen zu fördern. Das Gerät ist damit ideal für die Verwendung in der Nähe von Kindern, Haustieren und Pflanzen.»
Balthasar zum Essenzstecker und zur Essenzspirale «finito green»: «Die Finito-Produktlinie mit dem grünen Logo wurde bewusst als natürliche Alternative zu klassischen biozidhaltigen Mückenabwehrsystemen entwickelt. Beide getesteten Produkte enthalten keine Insektizide oder sonstige Biozide.
Stattdessen basieren sie auf natürlichen Duftstoffen und ätherischen Ölen wie beispielsweise Citronella, Lavendel oder Eucalyptus, deren Geruch von Mücken als unangenehm empfunden wird. Aus diesem Grund unterscheiden sich diese Produkte grundlegend von klassischen insektizidhaltigen Steckern oder Spiralen: Die Produkte sind explizit nicht darauf ausgelegt, Mücken zu töten. Sie sollen Mücken auf natürliche Weise fernhalten. Sie richten sich gezielt an Konsumentinnen und Konsumenten, die eine kinder- und haustierfreundliche Alternative ohne Biozide suchen.
Vor diesem Hintergrund erachten wir den gewählten Testrahmen als absolut ungeeignet für die Bewertung solcher Produkte. Der Test wurde in einem vollständig geschlossenen Raum mit hoher Mückendichte durchgeführt. Bei Produkten, deren Wirkprinzip auf Fernhaltung und nicht auf Tötung basiert, entsteht dadurch ein grundlegendes methodisches Problem: Die Mücken haben keine Möglichkeit, den Raum zu verlassen oder dem Duftbereich auszuweichen.»
Fust zur Starlyf‑UV-Mückenschutzlampe: «Gemäss Hersteller wird dieses Produkt nicht mehr hergestellt und nur noch Restware wird verkauft.»
Swissinno zum Insektenvernichter LED Mini: «Die Testergebnisse überraschen uns nicht und stehen im Einklang mit unserem eigenen Produktverständnis. Der Mini UV-Insektenvernichter ist ausdrücklich nicht als primäres Stechmücken-Repellent positioniert. Es handelt sich um ein ergänzendes Mittel für Innenräume mit geringem Befallsdruck – typischerweise Schlaf- oder Kinderzimmer –, das rund um die Uhr betrieben werden kann und im Dunkeln zusätzlich als Nachtlicht dient.
Dieser Einsatzbereich kann durch Hautrepellents oder Räucherspiralen nicht abgedeckt werden. Es ist bekannt, dass Stechmücken primär von Kohlendioxid, Körperwärme und Körpergerüchen angezogen werden, nicht von UV‑Licht. Unser Gerät ist entsprechend nicht als Stechmückenfalle vermarktet, sondern als dezenter Allround-Insektenvernichter für geschlossene Innenräume.»
Balthasar schreibt zu den beiden Produkten mit ätherischen Ölen, der gewählte Testrahmen sei «ungeeignet». «Die Produkte sind explizit nicht darauf ausgelegt, Mücken zu töten. Sie sollen Mücken auf natürliche Weise fernhalten.»
Alternative: Mechanischer Schutz
Wer ganz auf Wirkstoffe verzichten möchte, hat laut Testleiter Suter einfache Alternativen: Fliegengitter an Fenstern und Türen, ein Mückennetz über dem Bett oder ein Ventilator, der Luft übers Bett bläst und Mücken das Absitzen erschwert. Diese Massnahmen helfen auch wirklich – anders als die (fast) wirkungslosen Produkte im Test.
Kassensturz, 25.08.2026, 21:10 Uhr;liea