Musikcharts: Labels wollen KI-Songs aus den Charts fernhalten
KI-generierte Songs sollen künftig zumindest teilweise aus den offiziellen Musikcharts ausgeschlossen sein, fordern elf Musikfirmen in einer gemeinsamen Mitteilung. Beteiligt haben sich unter anderem Universal Music Group, Sony Music und Warner Music Group. Sie haben am Mittwoch sechs Kriterien vorgelegt, die eine mit generativer KI entstandene Aufnahme erfüllen muss, um doch chart-tauglich zu sein.
Drei davon gelten laut Music Business Worldwide als Kernanforderungen: Der genutzte KI-Dienst muss autorisiert sein, der Titel muss substanziell von Menschen gemacht sein und darf keinen Verdacht auf Stream- oder Chart-Manipulation aufwerfen. Zudem fordern sie eine für Hörer erkennbare Kennzeichnung des KI-Einsatzes. Diese Kennzeichnung schreibt die europäische KI-Verordnung ab August ohnehin vor. In der Praxis würde damit nicht jeder KI-Einsatz in Musik automatisch ausgeschlossen werden: Ein überwiegend von Menschen geschaffener Song, der KI legal als Hilfsmittel nutzt, bliebe laut dem Hollywood Reporter zugelassen.
Freiwillig und ohne Zusage
Verbindlich ist der Vorstoß nicht, umsetzen müssten ihn die Chart-Betreiber selbst. Bislang hat sich keiner von ihnen dazu verpflichtet. In Deutschland betreibt GfK Entertainment die Hitlisten im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI).
Im Juli hatten die Branchenverbände IFPI und RIAA mit weiteren Organisationen ein freiwilliges Kennzeichnungssystem vorgeschlagen, das zwischen „AI-Generated“ und „AI-Assisted“ unterscheidet. Titel der ersten Kategorie wären nach den neuen Grundsätzen nicht chartfähig, weil ihnen der menschliche Anteil fehlt.
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Offen bleibt, wann ein KI-Dienst als autorisiert gilt. Autorisiert wird er durch Lizenzverträge mit den Rechteinhabern – also durch die Labels selbst. Der KI-Dienst Suno hat einen Vertrag mit Warner Music, der Konkurrent Udio zusätzlich mit Universal. Aktuell sind KI-Titel in den Charts noch nicht so recht angekommen. Erste Fälle gibt es aber bereits: Der Song „I Run“ von Haven wurde nach einer Beschwerde über unlizenzierte KI aus den Charts in Großbritannien und den USA genommen und wurde erst nach einer Neuaufnahme zum Hit, berichtet Music Week.
Bei Streamingdiensten findet sich derweil bereits eine Menge KI-Musik: Auf Deezer war im Juni erstmals die Mehrheit der neu hochgeladenen Musik KI-generiert, rund 90.000 Titel pro Tag. Auf sie entfallen nach Angaben des Dienstes trotzdem nur 1 bis 3 Prozent aller Streams.
(dahe)