Erst warnte Musk vor KI, jetzt kapituliert er – das steckt hinter seinem radikalen Kurswechsel
Musk vergleicht Menschen mit Schimpansen – und erklärt, warum KI bald die Kontrolle übernimmt
Stand: 27.07.2026, 07:27 Uhr
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Elon Musk prophezeit eine KI-Zukunft mit grenzenlosem Wohlstand. Doch der Tesla-Chef räumt ein: Menschen werden nicht mehr das Sagen haben. Seine neue Devise: Kapitulation statt Kontrolle.
New York – Der reichste Mensch der Welt hat kapituliert. Elon Musk, der jahrelang vor den Gefahren Künstlicher Intelligenz warnte und OpenAI mitgründete, um die Technologie zu zähmen, verkündet jetzt im Interview im Rahmen eines Podcasts von The Economist: Die Menschheit sollte aufhören, KI kontrollieren zu wollen. Stattdessen gelte es, die Fahrt zu genießen.
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In den kommenden ein bis zwei Jahrzehnten werde KI eine Ära des Überflusses einläuten, in der jeder alles haben könne, was er sich vorstelle. Musk spricht davon, dass Geld in etwa zehn Jahren weitgehend bedeutungslos werden könnte. Maschinen würden produzieren, Roboter arbeiten, Menschen konsumieren. Klingt nach Utopie. Ist aber nur die halbe Wahrheit.

Musk rechnet damit, dass Künstliche Intelligenz Ende der 2020er oder Anfang der 2030er Jahre die gesamte menschliche Intelligenz übertreffen werde. Nicht einzelne Menschen, sondern die Summe aller. Danach gebe es praktisch nichts mehr, was KI nicht besser könne als der Mensch.
Außer vielleicht Mensch sein. Diese Prognose basiert auf der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit von Large Language Models und neuronalen Netzen, die exponentiell wachsen. Was Musk verschweigt: Selbst Tech-Insider streiten darüber, ob diese Kurve linear weitergeht oder abflacht.
Der Schimpansen-Vergleich entlarvt die Machtverhältnisse
Wer glaubt, Menschen würden in dieser schönen neuen Welt das Sagen behalten, den desillusioniert Musk mit einem brutalen Vergleich. Der Intelligenzabstand zwischen Mensch und Superintelligenz entspreche jenem zwischen Mensch und Schimpanse. Seine Schlussfolgerung: „Es ist schwer vorstellbar, dass der Schimpanse die Kontrolle haben wird.“
Menschen seien evolutionär betrachtet nur weiterentwickelte Primaten, die bis vor Kurzem noch auf Bäumen lebten. Und Bananen essen würden sie immer noch. Diese Selbstverachtung ist neu bei Musk – früher nannte ihn Google-Gründer Larry Page einen „Specieist“, weil er die Menschheit über KI stellte.
Vom Warner zum Kollaborateur
Der Sinneswandel hat System. Musk gibt zu, dass seine Versuche, KI sicherer zu machen, die Entwicklung paradoxerweise beschleunigt hätten. OpenAI sollte ein Gegengewicht zu Google werden – heute ist das Unternehmen Marktführer und Musk verklagt seinen Mitgründer Sam Altman.

Trotzdem fordert er jetzt Kooperation statt Konkurrenz: Die großen KI-Entwickler sollten neue Modelle gegenseitig prüfen, bevor sie live gehen. Selbst mit Altman würde er zusammenarbeiten, persönliche Differenzen müssten zurückstehen. Klingt vernünftig – aber wer kontrolliert die Kontrolleure?
Politik als Ablenkung vom Tech-Rennen
Parallel zu seiner KI-Kapitulation räumt Musk ein, sich zu sehr in die Politik eingemischt zu haben. Nach seiner Unterstützung für Donald Trump hat Musk wiederholt politische Forderungen zur Ausgabendisziplin und Haushaltskonsolidierung geäußert.
Musk habe sich mitreißen lassen, sagt er selbstkritisch. Tatsächlich könnte das politische Engagement eine strategische Pause vom KI-Wettlauf gewesen sein – während OpenAI, Google und Anthropic neue Modelle launchen, bastelt Musk an xAI und seinem Grok-Chatbot. Der Rückstand ist real.
Die Wohlstands-Wette mit nuklearem Vorbehalt
Musks Vision vom grenzenlosen Wohlstand steht unter einer Bedingung: kein Dritter Weltkrieg. Sollte es keinen massiven thermonuklearen Konflikt geben, steuere die Menschheit auf ein Zeitalter des Überflusses zu.
Diese Einschränkung ist keine Nebensächlichkeit – sie zeigt, wie fragil das Szenario ist. KI-Entwicklung findet in einem geopolitischen Kontext statt, in dem die USA und China um technologische Vorherrschaft kämpfen. Wer garantiert, dass Superintelligenz nicht zuerst militärisch eingesetzt wird?
Business Punk Check
Musks KI-Utopie ist ein trojanisches Pferd. Die Verheißung von grenzenlosem Wohlstand verschleiert, dass sie die zentrale Frage nicht beantwortet: Wem gehört die KI, die alles produziert? Wenn Maschinen arbeiten und Menschen konsumieren, braucht es Umverteilungsmechanismen – sonst besitzen einige wenige Tech-Konzerne die Produktionsmittel des 21. Jahrhunderts. Musk selbst ist Teil dieser Elite.
Seine Kapitulation vor der KI-Entwicklung ist bequem für jemanden, der mit seinem KI-Unternehmen xAI, den KI-basierten Autopilot- und FSD-Systemen von Tesla sowie mit Neuralink, das KI in Neurotechnologie einsetzt, maßgeblich am Rennen um fortschrittliche KI beteiligt ist.
Die Wahrheit: KI wird nicht automatisch Wohlstand für alle schaffen, sondern Macht konzentrieren. Wer jetzt nicht über Eigentumsrechte an KI-Outputs, Datensouveränität und demokratische Kontrolle von Algorithmen spricht, wird 2036 aufwachen und feststellen, dass der Überfluss nur für Aktionäre gilt.
Early Adopters sollten weniger auf Musks Versprechen hören und mehr darauf achten, wer die Infrastruktur kontrolliert. Open-Source-KI, dezentrale Modelle und regulatorische Frameworks sind die eigentlichen Hebel – nicht die Hoffnung, dass Superintelligenz gnädig sein wird.