Gebetsteppich-Eklat in Stäfa: Busfahrer darf nicht mehr öffentlich beten

Publiziert19. Juli 2026, 18:03

Gebetsteppich-EklatMuslimischer Busfahrer darf nicht mehr in Öffentlichkeit beten

In Stäfa ZH ist ein Busfahrer aufgefallen, der vor dem Bus seinen Gebetsteppich ausrollte und niederkniete. Nun haben die Verkehrsbetriebe mit ihm das Gespräch gesucht. Er wird angehalten, in einem Pausenraum diskreter zu beten.

Céline Trachsel

Darum gehts

  • Ein muslimischer Busfahrer der VZO hat an der Endhaltestelle Frohberg in Stäfa ZH während seiner Pause öffentlich auf einem Gebetsteppich gebetet.
  • Die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) haben das Gespräch mit dem Fahrer gesucht und ihn angehalten, künftig im Pausenraum zu beten.
  • VZO-Direktor Joe Schmid betont, man respektiere die Religionsfreiheit, erwarte aber, dass sichtbare persönliche Aktivitäten in geeigneten Räumen stattfinden.

Anfang Juli hielt der Chauffeur eines Busses der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) an der Endhaltestelle Frohberg in Stäfa ZH an und machte seine Pause. Während andere Fahrer in diesen Pausen lesen, telefonieren, rauchen, swipen oder sich die Beine vertreten, entschied sich der muslimische Mann zum Gebet.

Er breitete vor dem Fahrzeug seinen Gebetsteppich aus, dann kniete er sich nieder und betete Richtung Mekka – was ein Augenzeuge auf einem Foto festhielt. Die «Weltwoche» echauffierte sich daraufhin extrem über die Situation. «Es ist ein Bild, das zumindest erstaunt, wenn nicht befremdet», schreibt der ehemalige SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

Chauffeur musste zum Gespräch antraben

Nun haben die VZO reagiert: Man habe mit dem Chauffeur das Gespräch gesucht, teilt Direktor Joe Schmid 20 Minuten mit. Das Gebet fand zwar während der Standzeit des Busses an der Endstation statt und der Fahrplan war nicht betroffen. Dennoch möchten die VZO den Fahrer nicht mehr in der Öffentlichkeit beten sehen.

«Die VZO respektiert die Glaubens- und Religionsfreiheit ihrer Mitarbeitenden. Gleichzeitig erwarten wir, dass persönliche Aktivitäten, die im öffentlichen Raum besonders sichtbar in Erscheinung treten können, in den dafür geeigneten Räumen stattfinden», schreibt der Direktor.

Pausenraum, um «Missverständnisse zu vermeiden»

«Für Pausen und persönliche Aktivitäten, einschliesslich religiöser Handlungen, stehen unseren Mitarbeitenden geeignete Pausenräume mit entsprechender Diskretion zur Verfügung.» Die Pausenräume würden einen ruhigen und diskreten Rahmen bieten und «Missverständnisse gegenüber den Fahrgästen und der Öffentlichkeit» vermeiden.

Joe Schmid betont: «Als Direktor der VZO ist mir wichtig, dass wir bei aller Diskussion die Verhältnismässigkeit wahren. Unser täglicher Auftrag ist es, unsere Fahrgäste sicher, pünktlich, zuverlässig und freundlich an ihr Ziel zu bringen. Darauf konzentrieren wir uns. Und daran lassen wir uns messen.»

Wie stehst du dazu, wenn Mitarbeitende im öffentlichen Dienst ihre Religion offen zeigen?

Finde ich gut, jeder soll seine Religion frei ausüben dürfen.

Solange es die Arbeit nicht beeinträchtigt und diskret geschieht, ist es in Ordnung.

Ich finde, im öffentlichen Dienst sollte man neutral auftreten.

Religion ist Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit.

Das ist mir egal, solange der Service stimmt.

Céline Trachsel

Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.

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