Nach Alphaville-Eklat: „Niemals müde werden“ – diese Saar-Musiker setzen sich gegen Rechts ein

Nach Alphaville-Eklat „Niemals müde werden“ – diese Saar-Musiker setzen sich gegen Rechts ein

Saarland · Jüngst hat sich am Glücksgefühle Festival eine Diskussion um politische Bühnenansagen entfacht. Auch der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt umtreibt Kulturschaffende. Einige Saar-Künstler setzen Zeichen gegen Hass und für Liebe.

13.09.2026 , 19:37 Uhr

 Nicht nur Alphaville-Sänger Marian Gold setzt sich gegen Rechts ein – auch einige Musiker im Saarland. (Symbolbild)

Nicht nur Alphaville-Sänger Marian Gold setzt sich gegen Rechts ein – auch einige Musiker im Saarland. (Symbolbild)

Foto: Jens Kalaene/dpa/Jens Kalaene

Jüngst hat sich am Glücksgefühle Festival am Hockenheimring eine politische Diskussion entfacht. Die Festivalleitung lud die „Forever Young“-Stars von Alphaville aus, deren Sänger sich oftmals bei Liveauftritten öffentlich gegen Rechtsradikalismus äußert und für Freiheit, Toleranz und Demokratie plädiert. Das Festival, das von Donnerstag bis Sonntag, 2. bis 5. September am Hockenheimring stattfand, ist ein gemeinsames Projekt von Musikmanager Markus Krampe und Ex-Fußballprofi Lukas Podolski.

Alphaville traten trotz Entschuldigung nicht auf dem Glücksgefühle Festival 2026 auf

Mit Verweis darauf, „keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art“ auf den Bühnen des Festivals dulden zu wollen – so das Absageschreiben des Veranstalters laut Alphaville – wurde der Schritt begründet. Für Alphaville-Sänger Marian Gold gleiche die Begründung der Absage einem „Maulkorberlass – uns allen bestens bekannt aus Diktaturen“. Dass eine solche Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit auf einem der größten deutschen Pop-Festivals angekommen zu sein scheine, empfinde die Band als „absolut untragbar und erschütternd“.

Gold schreibt von einem „feindseligen und vollkommen unnötigen Akt“, der tief blicken lasse, „was das Demokratie- und Weltverständnis der Verantwortlichen des Glücksgefühle Festivals betrifft“. Alphaville werde sich weiterhin „für Freiheit, Toleranz und Demokratie in unserem Land einsetzen, gerade in diesen Zeiten, wo so viel auf dem Spiel steht.“ Der Beitrag hat auf Instagram 70.000 Likes bekommen.

Kurz danach entschuldigten sich die Veranstalter bei der Band und luden sie wieder ein. In einem weiteren Instagram-Beitrag nimmt die Band die Entschuldigung und erneute Einladung des Veranstalters Krampe zur Kenntnis. Sie hoffen, „dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim ‚Glücksgefühle Festival‘ gebührend“ respektiere. Auf einen Auftritt verzichtete die Gruppe dennoch, da die „vorangegangenen Äußerungen“ eine Atmosphäre geschaffen hätten, in der sie lieber davon absahen. Mehr als 52.000 Nutzern gefiel das Folgestatement der Band auf Instagram.

Deutscher Musikrat sorgt sich um künstlerische Freiheit in Sachsen-Anhalt nach AfD-Sieg

Um die Einschränkung künstlerischer Freiheit sorgt sich auch der Deutsche Musikrat. Er vertritt als Dachverband die Interessen von über 100 bundesweit agierenden Mitgliedsverbänden, wie etwa den Landesmusikrat Saar. Nach eigenen Angaben vertritt der Verband die Interessen von knapp 17 Millionen „musizierenden Menschen“. Nach dem Wahlsieg der AfD und ihres Spitzenkandidats Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt befürchtet der Rat „fundamentale Auswirkungen“ auf das Kultur- und Musikleben. Das Wahlergebnis sei eine „politische Zäsur“.

Die Präsidentin des Musikrats, Lydia Grün, blickt „mit großer Sorge auf die möglichen Folgen für die Kultur, für ihre Freiheit und Vielfalt sowie für die zahlreichen Menschen und Institutionen, die sich in Sachsen-Anhalt für ein offenes und demokratisches Gemeinwesen engagieren“. Der Musikrat werde gemeinsam mit dem Landesmusikrat Sachsen-Anhalt die kulturpolitischen Entwicklungen im Bundesland beobachten und kritisch begleiten. Insbesondere gehörten „die möglichen Auswirkungen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die drohende Beschneidung von Kunstfreiheit durch neue Fördervorgaben und die Folgen einer restriktiven Migrationspolitik auf den Kultur- und Bildungsbereich“ dazu.

AfD in Sachsen-Anhalt will vorwiegend Kunst fördern, die einen Beitrag zur „deutschen Identitätsfindung“ leistet

Dieser Verantwortung werde „die Kunst“ derzeit „kaum noch gerecht“, findet die AfD in Sachsen-Anhalt. Sie klagt über „so gut wie keine deutschen Stücke mehr“ auf den Bühnen der Theater im Bundesland. Stattdessen böten die Theater „nur allerseichteste Unterhaltung oder International(istisch)es. Das Grundgesetz verpflichtet uns, auch solche Kunst zu akzeptieren. Das Grundgesetz verpflichtet uns aber nicht, solche Kunst zu fördern“. Die AfD wolle daher in Sachsen-Anhalt mit „Staats- und Steuergeld“ vorwiegend Kunst fördern, die einen Beitrag zur deutschen „Identitätsfindung“ leiste. Was das im Detail zu bedeuten hat, lässt die Partei an dieser Stelle offen. Der Landesverband in Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft.

Musiker und Bands aus dem Saarland beziehen Stellung gegen Rechts

Auch Musiker im Saarland setzen sich, ähnlich wie Alphaville, die Toten Hosen und viele weitere Musiker in Deutschland, gegen Rechtsradikalismus, Hass und Hetze ein. Wie etwa die Punk-Band „Small State“. Sie posten auf ihrem Instagram-Profil ein Bild von einer Anti-Nazi-Demo auf dem Max-Ophüls-Platz in Saarbrücken. „Niemals müde werden, raus und gegen Nazis aufstehen!“, schreiben sie dazu. Die Linksjugend Saarland und in Saarbrücken haben an diesem Tag zur Gegendemo gegen das „Kollektiv Saarpfalz“ aufgerufen. Die rechtsextreme Gruppierung hat zu einer Demonstration „durchs linke Nauwieser Viertel“ aufgerufen. Beworben wurde das Ganze mit einem KI-Flyer samt Reichsflagge.

Aus ihrer Haltung machen „Small State“, die schon Konzerte in den USA gespielt haben, keinen Hehl. In ihrer Instagram-Bio steht: „Anti fascist“ und „LGBTQIA+ ally“. In einem neueren Beitrag, mit dem die Gruppe ihr „Smallfest“ am 11. und 12. September in Saarbrücken bewirbt, trägt Bassist Carsten Jung beispielsweise ein T-Shirt mit der Aufschrift „FCK NZS“.

Heavysaurus ist für alle da, Donots stimmen Campino in Causa Alphaville zu

Dass die Band der Herzen für viele Saarländer, die Donots aus Ibbenbüren, sich gegen Hass und Rechtsextremismus einsetzen, ist bekannt. Zum Alphaville-Vorfall im Speziellen hat die Band ebenfalls Stellung bezogen. Zwar nicht in Form eines eigenen Statements, sondern mit einem Video einer Bühnenansage von Toten-Hosen-Frontmann Campino. Dabei setzt sich das Düsseldorfer Punkrock-Urgestein für politische Aussagen von Künstlern ein und stellt sich gegen die Entscheidung des Glücksgefühle Festivals. Die Donots teilen das mit der Bildunterschrift „Ansage“.

Auch die Kinder-Metal-Band Heavysaurus, für die der Saarländer Frank Beck live singt, setzen Zeichen gegen Hass – und für Liebe. Beispielsweise mit ihrem Song „Dino-Metalheads“. Mit der Überschrift „Mehr Liebe, statt Hass“ teilen sie ein Video ihres diesjährigen Auftritts beim Summer-Breeze-Festival. Sänger „Mr. Heavysaurus“ singt auf dem Song: „Ganz egal, wie groß du auch bist, ob mittel oder klein. Bei uns sind alle gleich, genauso soll das sein“ – greifen sie das Thema in kindgerechter Sprache auf.

Saar-Band Christmas beteiligt sich an Video, das Seenot-Rettern zugutekommt

Eine weitere saarländische Band, die sich für Toleranz und gegen Ausgrenzung stellt, ist die Punk-Band Christmas aus St. Wendel. Erst jüngst war der Sänger mit dem Künstlernamen „Max Motherfucker“ – gemeinsam mit vielen anderen Musikern – Teil des Musikvideos zu „Refugees Are Welcome Here“ der Band Chaos Commute.

Mit dabei waren unter anderem auch Mitglieder der in der Szene bekannten Punk-Bands „Good Riddance“ aus Kalifornien sowie „Itchy“ (ehemals Itchy Poopzkid) aus Eislingen (Baden-Württemberg). Im Refrain singen Chaos Commute „Refugees are welcome here, say it loud and say it clear“, also auf deutsch: „Geflüchtete sind hier willkommen, sagt es laut und sagt es klar.“ Der Erlös des Musikvideos geht nach Angaben der Band an den Verein „Sea Punks“, der im zentralen Mittelmeer Menschen, die nach Europa flüchten, vor dem Ertrinken retten.

Rock und Rave gegen Rechts – Veranstaltungen in Saarlouis und Homburg zeigen Haltung

Es gibt auch Veranstaltungen im Saarland, die eigens darauf ausgerichtet sind, dass Besucher und Künstler gemeinsam ein Zeichen gegen Rechts setzen können. So zum Beispiel das Gratis-Festival „Rock gegen Rechts“ in Saarlouis, das seit vielen Jahren in der Kreisstadt steigt. „Small State“ spielten 2025 auf dem Festival. Auch andere aktive und ehemals aktive saarländische Gruppen, wie die Feelgood Mclouds, Waste of Mind, Indecent Behavior oder Almost Indie spielten bereits auf dem Festival – und bezogen damit Stellung. 2026 ist das Festival ausgefallen.

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500 Menschen demonstrieren in Illingen gegen die NPD

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Foto: Kai Schwerdt

Im Saarpfalz-Kreis gibt es ebenfalls seit einigen Jahren eine solche Veranstaltung. Denn auch in Homburg existiert das „Rock gegen Rechts“. Das Event wirbt mit dem Slogan „Dein antifaschistisches Sommer Open Air in Homburg“ auf seinem Instagram-Profil. Seit 2025 hat sich das Gratis-Festival mit einem Genre-Wechsel in „Rave gegen Rechts“ umbenannt.

Das diesjährige Line-up des Raves konnte sich in Sachen Prominenz sehen lassen: Neben dem bekannten DJ „Pappenheimer“, war auch der in den sozialen Medien viral gegangene „DJ Gysi“ im Stadtpark zu sehen. Dieser verbindet einen Techno-Sound mit allerlei Ausschnitten von Reden des Linken-Politikers Gregor Gysi, die DJ Gysi als sogenannte Samples über die Electro-Beats laufen lässt. Auf dem Lied „Nie wieder ist jetzt!“ ist zum Beispiel eine Gysi-Rede über dem treibenden Rhythmus zu hören, in der sich der Politiker gegen Rechtsextremismus ausspricht. Auf dem Cover des Liedes ist ein Bild des DJs mit dem „echten“ Gysi zu sehen.

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