Nach Anschlag in Berlin - «Lassen wir uns nicht einschüchtern» – So reagiert die Politik
Nach dem Autoangriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist die Erschütterung in Politik und Gesellschaft gross.
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Bundeskanzler Friedrich Merz äussert sich kurz vor einem Gedenkgottesdienst in Berlin zum Anschlag: «Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit.» Und weiter: «Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: Lassen sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.»
Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem Gedenkgottesdienst in der St. Marienkirche in Berlin.
KEYSTONE/DPA/Christoph Soeder
Bereits früher sagte er, er stehe im ständigen Kontakt mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Beide bedankten sich bei den Einsatzkräften und teilen mit, ihre Gedanken seien bei den Betroffenen und ihren Angehörigen.
Gedenken am Brandenburger Tor: «Hass ist tödlich»
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Reuters/Annegret Hilse;
Am Sonntag haben Hunderte Menschen am Brandenburger Tor der Opfer gedacht. «Gestern war ein Angriff auf uns alle, auf alle unsere Eventitäten, auf unsere Existenzen, auf unsere Gemeinschaft und unsere Demokratie. Und wir lassen uns davon nicht unterkriegen», hiess es in einem der Redebeiträge auf einer Bühne.
Menschen legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und lagen sich in den Armen, andere hielten Regenbogenflaggen und Plakate und Banner hoch, darauf stand etwa «Hass ist tödlich», «Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf uns alle» oder «We will dance again». An der Bühne auf dem Pariser Platz hing ein Banner mit der Aufschrift «Protect queer lives».
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner spricht von einem Angriff auf die freie und weltoffene Gesellschaft. «Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden.»
Der CDU-Spitzenkandidat für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl in Berlin, Stefan Evers, drückt auf X sein Entsetzen aus: «Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz.» Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), schreibt bei Instagram: «Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit.»
CSU-Chef Markus Söder hat «alle Härte» bei der Aufklärung gefordert, aber vor falschen Konsequenzen gewarnt. «Wir dürfen uns deswegen nicht die gesamte Lebensfreude nehmen lassen», sagt Bayerns Ministerpräsident im ZDF-Sommerinterview. Man versuche es gerade in Bayern mit der richtigen Balance aus Sicherheit einerseits und «natürlicher Liberalität» andererseits. Der Anschlag in Berlin sei deshalb so schlimm, weil die CSD-Veranstaltung Ausdruck von Lebensfreude, Freiheit und Toleranz gewesen sei. Deshalb handle es sich um einen «bewussten Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes und deswegen muss auch mit aller Härte dagegen vorgegangen werden», sagt Söder.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagt: «Ich war selbst oft beim CSD, als schwuler Mann weiss ich, wofür dieser Tag steht: für Freiheit, für gleiche Rechte, für das Recht, einfach man selbst zu sein. All das wurde in Berlin auf abscheuliche Art angegriffen.» Auch Miersch hofft, wie er sagt, dass «der oder die Täter schnell gefasst und mit aller Härte zur Rechenschaft gezogen» werden.
CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren
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Die Veranstalter des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben vor vorschnellen Urteilen und Wertungen gewarnt. «Wir wollen nicht, dass diese Tat für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder Menschen unter Generalverdacht gestellt werden», sagte ein Sprecher vor Medienschaffenden in Berlin. «Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werden wir als Berliner CSD nicht zulassen.»
Nötig seien jetzt Besonnenheit und Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen, so der Sprecher. «Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, sondern warten die laufenden Ermittlungen der Polizei ab.» Klar sei, dass der Berliner CSD-Verein jede Form von Gewalt ablehne. «Ideologische, also religiöse Ideologien oder rechte Ideologien verfolgen beide das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken.» Der Berliner CSD stehe für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität.
«Schützt die Berliner vor gewaltbereiten Islamisten», schreibt die Berliner AfD-Landesvorsitzende Kristin Brinker auf X. Sie brachte die Tat in Zusammenhang mit einer angeblich «katastrophale Migrationspolitik der vergangenen Jahre» und einem vermeintlichen «Kuschelkurs gegenüber gewaltbereiten Islamisten».
Der Berliner Bürgermeister Kai Wegner sprach von einer schrecklichen Attacke auf die Freiheit.
Reuters/Annegret Hilse
SRF 4 News, 26.07.2026, 15:00 Uhr ; agenturen/lehl;fulu;geta