Ceuta-Krise: Marokko schweigt lange – dann kommt die erste Reaktion mit einer pikanten Schuldzuweisung

Nach Ansturm auf Ceuta: Marokko gibt TikTok die Schuld – „Verbreitung irreführender Informationen“

Stand: 03.08.2026, 08:23 Uhr

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Marokko reagiert erstmals offiziell auf den Migrantenansturm auf Ceuta. Die Regierung in Rabat sieht die Verantwortung nicht bei sich.

Rabat – Lange hat Marokko zu dem Ansturm ‌von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta geschwiegen. Nun gibt es eine erste offizielle Reaktion. Rabat erklärte den massiven Zustrom unter anderem mit Falschinformationen in den sozialen Medien. Der Andrang sei nicht organisiert gewesen, sondern spontan zustande gekommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Zurückzuführen ist die Migrationskrise demnach auf eine „böswillige Ausnutzung“ von Onlinenetzwerken, die „Verbreitung irreführender Informationen“ und „fehlerhafte Auslegungen gesetzlicher Bestimmungen“. Damit bezog er sich auf ein spanisches Gerichtsurteil, das die Rückführung bestimmter Migranten begrenzt.

Unter Begleitung der spanischen Armee kehren Migranten, die nach Spanien eingereist waren, von der spanischen Exklave Ceuta nach Marokko zurück.

Unter Begleitung der spanischen Armee kehren Migranten, die nach Spanien eingereist waren, von der spanischen Exklave Ceuta nach Marokko zurück. © dpa

Angesichts der Krise in der an Marokko grenzenden Exklave wurden auch Vermutungen geäußert, dass die marokkanische Regierung den Massenandrang auf Ceuta bewusst ausgelöst oder zumindest geduldet haben könnte, um Spanien unter Druck zu setzen. Mehrere Migranten schilderten spanischen Medien zufolge unabhängig voneinander, dass sie nicht gestoppt, sondern vielmehr zum Grenzübertritt ermuntert worden seien. Viele andere berichteten auch, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden.

Ceuta-Krise: Marokko spricht in erster offizieller Reaktion von elf Toten

Der Sprecher des marokkanischen Innenministeriums erklärte weiter, die Regierung in Rabat arbeite mit den spanischen Behörden zusammen und bleibe bei der Bekämpfung irregulärer Migration ein zuverlässiger Partner. Das Ministerium geht nach eigenen Angaben davon aus, dass rund 40.000 Migranten Ceuta erreichen wollten. Zudem hätten 1135 Menschen versucht, die andere spanische Enklave Melilla zu erreichen, die 400 Kilometer weiter östlich liegt und seeseitig vom Mittelmeer umschlossen wird. Untersuchungen der Vorfälle seien bereits eingeleitet worden.

Die spanische Regierung geht nach eigenen Angaben von 50.000 bis 60.000 Migranten aus, die es innerhalb kurzer Zeit von Marokko in die abgeschottete Exklave geschafft haben und später zurückgekehrt sind. Die Zahl der Todesopfer bezifferte die marokkanische Seite auf elf. Spanien spricht von 72 Toten; viele von ihnen ertranken demnach, als sie nach Ceuta schwimmen wollten. Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH spricht dagegen von „fast 130 Opfern“ und Dutzenden Vermissten. Sie forderte eine unabhängige Untersuchung.

Wo liegen die Gründe für den plötzlichen Ansturm auf Ceuta?

Wie es zu dem Ansturm auf Ceuta kam, ließ sich bisher nicht abschließend klären. Neben einer möglichen Rolle der marokkanischen Behörden wurde auch darüber diskutiert, dass die spanische Migrationspolitik falsche Signale gesendet haben könnte – besonders die Legalisierung des Aufenthaltsstatus von bereits im Land lebenden irregulären Migranten. Diese Maßnahme gilt zwar nicht für Neuankömmlinge, aber es heißt, sie könnte bei Migranten falsche Hoffnungen genährt haben. Zudem wird vielfach einem spanischen Gerichtsurteil eine Rolle beim jüngsten Ansturm zugesprochen. Es erschwert Zurückweisungen nach einer Einreise über das Meer. Darauf verwies auch das Innenministerium in Rabat.

Über einen Punkt herrscht in Spanien allerdings ungewöhnliche Einigkeit: Der beispiellose Ansturm auf Ceuta wäre nach Ansicht nahezu aller Fachleute ohne das zumindest zeitweilige Wegschauen der marokkanischen Behörden kaum möglich gewesen. Die normalerweise streng bewachte Grenze gilt als derart sensibel, dass Zehntausende Menschen sie nach Einschätzung der Zeitung El País nicht ohne „Billigung oder Mitwirkung“ der Verantwortlichen in Rabat hätten überwinden können. Die in zahlreichen Videos dokumentierte Untätigkeit marokkanischer Sicherheitskräfte lasse „keinen Zweifel“ daran. (Quellen: dpa, AFP, Reuters) (cs)