Nach dem Spahn-Fall: Leihmutterschaft – ja oder nein?
Nach dem Spahn-Fall Leihmutterschaft: Das sagt die Wissenschaft
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Das Leihmutter-Baby des früheren deutschen Unionsfraktionschefs Jens Spahn und seines Mannes bewegt die Gesellschaft. Soll Leihmutterschaft legalisiert werden oder nicht? Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger ordnet ein, was aus wissenschaftlicher Sicht dafür und dagegen spricht.
Felicitas Erzinger
Wissenschaftsredaktorin
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Felicitas Erzinger arbeitet seit 2022 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Umweltwissenschaften studiert und einen Doktortitel in Biologie.
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Warum löst das Thema Leihmutterschaft so hitzige Diskussionen aus?
Weil es hochkomplex ist. Medizinische, rechtliche, soziale und ethische Fragen greifen ineinander. Entsprechend gibt es viele verschiedene Perspektiven und Meinungen – und auch aus wissenschaftlicher Sicht keinen Konsens. Manche Fachpersonen stehen der Leihmutterschaft grundsätzlich kritisch gegenüber, während andere ihr unter bestimmten Bedingungen zustimmen. Als besonders umstritten gelten die Freiwilligkeit der Leihmutter sowie die Bezahlung.
Welche Argumente sprechen für eine Leihmutterschaft?
Befürworterinnen und Befürworter betonen die Selbstbestimmung. Also dass Frauen selbst entscheiden sollten, ob sie für jemand anderes ein Kind austragen möchten. Und dass man ihnen diese Entscheidung zutraut. Zudem geht es um den Wunsch nach Familie, den eine Leihmutterschaft erfüllen kann, wenn es sonst nicht möglich ist. Als wichtig angeführt werden transparente Vereinbarungen, die rechtliche Absicherung, das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper von Befruchtung bis Geburt und auch eine Offenheit gegenüber dem Kind und wie es entstanden ist.
Welche Argumente bringen Kritikerinnen und Kritiker an?
Da geht es um mögliche Ausbeutung, Kommerzialisierung und den Schutz des Kindes. Für manche Ethikerinnen und Philosophen hat Leihmutterschaft fast immer mit einer potenziellen Ausbeutung zu tun. Insbesondere, wenn sich Frauen aus finanzieller Not dafür entscheiden – und damit nicht wirklich freiwillig. Zudem wird die Kommerzialisierung von Schwangerschaft und Elternschaft kritisch gesehen. Und es gibt Sorgen bezüglich des Kindeswohls.
Was weiss die Forschung denn darüber, wie es den Kindern geht?
Damit haben sich noch nicht so viele Studien befasst. Insbesondere mit der Frage, wie die Kinder ihre Entstehungsgeschichte langfristig erleben. Was sich bisher aber zeigt: Medizinisch und auch psychisch unterscheiden sich diese Kinder nicht von anderen. Sie entwickeln sich gut. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, mit den Kindern schon in jungen Jahren offen über ihre Herkunft zu sprechen. Die Stimmen der Kinder, und auch die der Leihmütter kommen in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte jedoch kaum vor.
Was weiss man über die Leihmütter?
Hierzu gibt es mehr Daten als zu den Kindern. Und die zeigen, dass die meisten Leihmütter langfristig gut damit zurechtkommen. Sie bereuen es später nicht und würden auch nochmals Leihmutter werden. Auch die Trennung vom Kind nach der Geburt fällt vielen leichter, als man denkt. Forschende führen das darauf zurück, dass die Leihmütter von Beginn weg wissen, dass sie das Kind abgeben müssen. Viele bleiben auch mit den Kindern und Wunscheltern in Kontakt. Anzumerken ist hier allerdings: Das gilt für Länder in denen Leihmutterschaft legal ist und die strenge Regeln haben, wie etwa England oder Neuseeland. Die Ergebnisse lassen sich damit nicht auf Leihmütter per se übertragen, da die Formen, Regeln und auch die medizinische Versorgung je nach Land sehr unterschiedlich sein können.
In diesen Ländern ist Leihmutterschaft erlaubt
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Erlaubt ist die Leihmutterschaft unter anderem in:
- Grossbritannien
- Niederlanden
- Belgien
- Polen
- Georgien
- Israel
- einzelnen US-Bundesstaaten
Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch deutlich. In Israel dürfen nur eigene Staatsangehörige die Dienstleistung in Anspruch nehmen.
In Grossbritannien, Kanada oder Australien darf kein Gewinn erzielt werden, während sich in Indien, der Ukraine und Teilen der USA ein kommerzieller Markt entwickelt hat.
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SRF 4 News, 19.7.2026, 16:45 Uhr ; erzf