Nach Gruppenvergewaltigung: 13 Verfahren wegen Hass-Kommentaren eingeleitet
Stand: 11.09.2026, 14:19 Uhr
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Die Polizei leitete 29 potenziell rechtswidrige Beiträge aus einer Offenbacher Facebook-Gruppe an die Staatsanwaltschaft weiter. Den Beschuldigten drohen bis zu fünf Jahre Haft.
Offenbach – Es war abzusehen. Die schreckliche Nachricht von der Gruppenvergewaltigung einer 63-jährigen Frau am Offenbacher Marktplatz ist in den sozialen Medien nicht nur wie eine Bombe eingeschlagen. Sie wirkte wie ein Brandbeschleuniger in einer ohnehin völlig überhitzten Debatte. Was folgte, war ein Dauerbombardement in den Kommentarspalten der sozialen Medien. Viele äußerten Betroffenheit, der Pöbel aber eskalierte völlig und sonderte Kommentare ab, die nun ein Nachspiel haben werden. Hart trifft es die Offenbacher Facebook-Gruppe „Das ist Offenbach“. Dort waren unter dem gesposteten Artikel Hunderte Kommentare aufgelaufen, ein nicht unbedeutender Teil davon augenscheinlich weit entfernt von jeder Rechtsstaatlichkeit. Die Redaktion hatte sich damals dazu entschlossen, die verstörendsten Kommentare wortwörtlich zu veröffentlichen, holte so die Äußerungen aus den dunklen Ecken der Kommentarspalten für jeden sichtbar ans Tageslicht – und erntete dafür viel Zustimmung in Politik und Bevölkerung.
Staatsschutz liest bei Facebook mit
Auch die Polizei und insbesondere der Staatsschutz hatten die Hetz-Orgie gegen Flüchtlinge und Migranten schnell im Blick, kündigten sofort an, dass jeder einzelne Kommentar gesichtet und auf strafrechtliche Relevanz überprüft werden sollte.
Mittlerweile liegt das Ergebnis der Prüfung vor und es gleicht einem Paukenschlag. „Wir haben die Kommentare in dem Beitrag der Facebook-Gruppe ,Das ist Offenbach‘ gesichtet und 29 potenziell rechtswidrige Beiträge an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet“, sagt Polizeisprecher Christopher Leidner. Dort wiederum hat man nun 13 Verfahren gegen Nutzer der Offenbacher Facebook-Gruppe eingeleitet. Sie dürften bereits Post vom Staatsanwalt erhalten haben.
Bei den angeklagten Vergehen handelt es sich vornehmlich um das Billigen von Straftaten, Volksverhetzung und Beleidigung. Je nach Delikt ist ein Strafmaß bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe vorgesehen. Damit liefern die Ermittlungsbehörden das ab, was sie bereits angekündigt hatten: mit aller Härte gegen Hetze im Netz vorzugehen. Dass es sich allerdings um derart viele Verfahren handeln würde, hatte wohl niemand auf dem Schirm.
„Die Einleitung von Verfahren überrascht mich angesichts dessen, was wir in den Kommentarspalten lesen und löschen mussten, nicht“, sagt Dominic Leiendecker, Inhaber von „Das ist Offenbach“. Mehrere Hundert Kommentare hätten er und seine Moderatoren entfernt. Darunter seien Äußerungen, die weit über eine harte oder kontroverse Meinung hinausgegangen seien. „Ich finde es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Menschen Dinge öffentlich ins Internet schreiben, die sie einem anderen Menschen vermutlich niemals ins Gesicht sagen würden.“ Meinungsfreiheit sei ein „enorm wichtiges Gut und für eine offene Debatte unverzichtbar“. Gleichzeitig ende sie dort, wo Äußerungen strafrechtlich relevant werden. Leiendecker positioniert sich gegenüber seiner Gruppe klar: „Rassistische Hetze, Bedrohungen und Beleidigungen haben in unserer Community keinen Platz. Als Betreiber nehmen wir diese Verantwortung ernst und unterstützen die Ermittlungen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und das muss jedem bewusst sein, bevor er auf Senden klickt.“